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Politik

Viele Patienten gehen ohne Not in die Notaufnahme

Montag, 11. März 2019

/dpa

Hamburg – Mehr als jeder Dritte (38 Prozent) würde die Notaufnahme im Krankenhaus trotz geöffneter Arztpraxen ansteuern, auch wenn er bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden Hilfe benötigt. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH – Kaufmännische Krankenkasse unter 1.003 Personen zwischen 18 und 70 Jahren hervor.

Von denjenigen Befragten, die in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich mindestens einmal in der Notaufnahme waren, ging fast jeder Dritte innerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen ins Krankenhaus – auf eigene Initiative, ohne Überweisung oder Rettungseinsatz. Unter den 18- bis 29-Jährigen hätte alternativ sogar fast jeder Zweite einen Haus- oder Facharzt kontaktieren können.

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Viele meinen, sie würden im Krankenhaus besser versorgt

Als Grund gaben mehr als 40 Prozent der Notaufnahme-Nutzer an, dass sie sich im Krankenhaus medizinisch besser versorgt fühlen als in der Arztpraxis. Ein Viertel der Befragten wurde nach eigener Aussage vom Haus- oder Facharzt an die Notaufnahme verwiesen.

Ebenfalls knapp ein Viertel führte als Grund an, dass Patienten dort ohne einen Termin Hilfe erhalten. 13 Prozent sagten, dass sie so kurzfristig keinen Termin in der Arztpraxis bekommen und deshalb die Notaufnahme aufgesucht hätten. Nur zwölf Prozent gaben an, dass ihre Beschwerden in der Arztpraxis nicht behandelt werden (etwa Berufsunfälle, schwere Unfälle, Fälle für Notoperationen).

Geht es darum, außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen bei nicht lebensbedrohli­chen Beschwerden medizinische Hilfe zu erhalten, würde etwa je ein Drittel aller Befragten den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen oder in die Notaufnahme gehen. Rund jeder Fünfte würde eine ambulante Notfallpraxis aufsuchen.

Die KKH teilte mit, dass es für Laien schwer sei, einzuschätzen, ob es sich um einen Notfall handele oder nicht. In lebensbedrohlichen Fällen wie bei Verdacht auf einen Schlaganfall, bei Blutungen oder Atemnot sollten Patienten auf jeden Fall den Rettungs­dienst 112 rufen oder sich ins Krankenhaus bringen lassen. Wer die Notauf­nahme aber mit Bagatell­beschwerden aufsuche und so die Wartezeit auf einen Arzttermin umgehen wolle, erschwere allerdings „die Versorgung echter Notfälle erheblich“, so die Kasse.

Das Bewusstsein, dass Schnupfen und aufgeschürfte Knie keine Notfälle sind, scheint trotz der Umfrageergenisse auch bei nahezu allen von Forsa Befragten vorhanden zu sein: Obwohl für einen Großteil die Notaufnahme die erste Wahl ist, betonte dennoch die deutliche Mehrheit, dass sie das Krankenhaus nur mit größeren (83 Prozent) oder schweren Beschwerden (87 Prozent) aufsuchen würde – etwa bei Verdacht auf einen Knochenbruch, eine Vergiftung, Blinddarmentzündung oder einen Herzinfarkt. Nur zwei Prozent sagten, dass sie auch mit leichten Beschwerden wie einer Erkältung oder Verstauchung in die Notaufnahme gehen würden.

In vielen Fällen reicht der ärztliche Bereitschafts­dienst aus

Die KKH wies darauf hin, dass es in vielen Fällen ausreicht, den ärztlichen Bereitschafts­dienst zu kontaktieren. Dieser Service ist der Umfrage zufolge einer großen Mehrheit aller Befragten bekannt – nämlich 78 Prozent. Allerdings konnten nur 15 Prozent die Nummer 116117 korrekt angeben. Unter denjenigen, die die Notaufnahme bevorzugen, kennen immerhin fast 40 Prozent den ärztlichen Bereitschaftsdienst, würden aber dennoch zuerst ins Krankenhaus gehen, als dort anzurufen. Acht Prozent würden den Rettungsdienst unter der Nummer 112 alarmieren. © may/EB/aerzteblatt.de

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KDLN68
am Montag, 11. März 2019, 20:04

Wer passt sich wem an?

Dies spiegelt nun wohl annähernd die Realität wieder.

Die sich daraus stellende Frage ist: Ist es sinnvoll, die Patienten/ Bürger zu erziehen oder passen wir das System der Realität an?
LNS

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