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Medizin

Noch kein Durchbruch in der Hepatitis-D-Therapie

Mittwoch, 13. März 2019

/Kateryna_Kon, stockadobecom

Hannover – Eine Verlängerung der Therapie bei Patienten mit Hepatitis D hat zwar positive Auswirkungen auf den Zustand der Leber und kann damit das Fortschreiten der Erkrankung hemmen, sie führt jedoch nicht zu wesentlich höheren Heilungsraten. Das berichten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen, der Medizinischen Hochschule Hannover und anderer Zentren in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases (2019; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30663-7).

Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus (HDV) verursacht. Das HDV ist laut der Deutschen Leberstiftung das kleinste bekannte Virus, das Menschen infizieren kann. Nur Patienten mit einer bestehenden Hepatitis B können sich mit dem Hepatitis-D-Virus infizieren, da das Virus das Hülleiweiß des Hepatitis-B-Virus benötigt, um Leberzellen zu infizieren.

Aktuelle Schätzungen gehen von weltweit rund 15 bis 25 Millionen und in Deutschland von etwa 30.000 Menschen aus, die chronisch mit dem Hepatitis-D-Virus infiziert sind. Die derzeitige Therapieoption ist eine einjährige Behandlung mit einem modifizierten Gewebshormon, dem pegylierten Interferon alfa, basierend auf einer Studie des „Kompetenznetzes Hepatitis“, einem Projekt der Deutschen Leberstiftung.

In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass bei etwa 25 bis 30 % der Infizierten zum Ende der Therapie das Virus nicht mehr nachweisbar war. Allerdings kam es im Langzeit­verlauf nach Therapieende bei vielen Patienten zu einem erneuten Anstieg der Viruslast, sodass nur bei wenigen Betroffenen eine langfristige Viruskontrolle erreicht werden konnte. Unklar blieb, ob mit einer verlängerten Therapie oder durch eine Behandlung in Kombination mit einem weiteren Medikament gegen die gleichzeitig bestehende Hepatitis B die Ausheilungsraten erhöht werden können.

In der jetzt vorliegenden Studie „HIDIT-II“ wurden in einer internationalen Zusammen­arbeit von Zentren in Deutschland, Griechenland, Rumänien und der Türkei 120 Patienten für 96 Wochen entweder mit PEG Interferon alfa-2a und Tenofovir disoproxil oder PEG Interferon alfa-2a und einem Placebo behandelt.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist eine deutliche Verminderung der Lebervernar­bung zum Ende der Therapie. „Dieser Befund konnte in der Form weltweit erstmals dokumentiert werden, was für die Langzeitprognose der Patienten von wesentlicher Bedeutung ist“, erläuterte Heiner Wedemeyer, Koordinator der Studie und Direktor der Klinik für Gastro­enterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen.

„Damit ist die Wahrscheinlich­keit für Komplikationen wie Leberzirrhose oder Leberzell­krebs deutlich reduziert.“ Wichtig sei auch die durchaus gute Verträglichkeit der verlängerten Therapie, obwohl Interferone Nebenwirkungen wie grippeartige Symptome oder Blutbildveränderungen verursachen können.

Auch mit der 2-jährigen Therapie konnten Rückfälle nach Therapieende aber nicht verhindert werden. Cihan Yurdaydin aus der Abteilung Gastroenterologie der Universität Ankara, verantwortlicher Prüfarzt für die Türkei, erklärt, dass aufgrund der HIDIT-II-Studie eine auf 2 Jahre verlängerte Therapie nicht generell empfohlen werden kann. „Diese für die klinische Praxis sehr wichtige Studie zeigt aber, dass bei Patienten mit gutem Therapie­ansprechen eine Verlängerung durchaus in Betracht gezogen werden kann“, stellte er heraus.

Die Studie wurde mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Unterstützung der Firmen Roche Pharma AG und Gilead Sciences GmbH durchgeführt. © hil/aerzteblatt.de

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