NewsÄrzteschaftEntwöhnung von künstlicher Beatmung oft vernachlässigt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Entwöhnung von künstlicher Beatmung oft vernachlässigt

Montag, 11. März 2019

/dpa

München – In vielen Kliniken kommt das Weaning zu kurz, also die Entwöhnung vom Beatmungsgerät nach einer längeren künstlichen Beatmung. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) jetzt hingewiesen. Die Folge sei, dass viele Patienten zu Hause weiter beatmet werden müssten, was die Lebens­qua­lität der Betroffenen senke und zudem sehr teuer sei. Die Fachgesellschaft fordert, dass Kliniken vor der Verlegung der Patienten regelhaft prüfen, ob eine Entwöhnung vom Respirator möglich und die außerklinische Beatmung damit vermeidbar ist.

Laut DGP steigt die Zahl der Patienten, die nur schwer vom Beatmungsgerät zu entwöh­nen sind und deswegen längerfristig beatmet werden müssen. „Das liegt daran, dass wir immer häufiger mit älteren, gebrechlichen Menschen zu tun haben, die an mehreren Begleiter­krankungen leiden“, erklärte Bernd Schönhofer im Vorfeld des Jahreskongresses der Fachgesellschaft. Schönhofer ist Sprecher des WeanNet – ein Kompetenznetzwerk von Zentren, die sich auf die Entwöhnung vom Beatmungsgerät spezialisiert haben.

Anzeige

Gleichwohl gäben viele Kliniken den Weaningprozess zu früh auf, weil auf den Inten­sivstationen die Strukturen und das Personal dafür fehlten, erläutert er. Dies betreffe aufgrund aktueller Schätzungen etwa 20.000 Patienten in Deutschland, die zu Hause oder im Pflegeheim weiter beatmet würden. Die Kosten dafür beliefen sich auf schätzungsweise vier Milliarden Euro pro Jahr. 

Die Fachgesellschaft vermutet, dass für Pflegeeinrichtungen ein falscher finanzieller Anreiz gesetzt wird. „Wenn eine Pflegeeinrichtung viel Geld für eine Beatmung bekommt, könnte sie weniger geneigt sein, zu überprüfen, ob der Patient für einen weiteren Entwöhnungs­versuch bereit ist“, sagte Schönhofer, der die Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am Klinikum Siloah in Hannover leitet. 

Er verweist auf Daten von 45 Beatmungszentren, die im WeanNet zertifiziert sind: Zwei Drittel der behandelten Patienten konnten danach erfolgreich vom Beatmungs­gerät entwöhnt werden. Knapp ein Fünftel brauchten keine invasive Beatmung über die Luftröhre mehr, sondern konnten mit einer nichtinvasiven Methode, zum Beispiel einer Atemmaske, weiter behandelt werden. Schönhofer rät daher, dass eine Klinik den Rat eines Weaning-Experten einholt, bevor sie einen Patienten in die außerklinische Beatmung entlässt. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. März 2019
München – Im Dezember 2018 hatten die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) und die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe den bundesweit ersten Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung von langzeitbeatmeten
Krankenhäuser und Kassen können Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung beitreten
19. Dezember 2018
München – Die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe und die Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) haben sich nach eigenen Angaben auf den bundesweit ersten Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung von
Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung von langzeitbeatmeten Patienten geschlossen
14. März 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat zusammen mit dem Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP) ein Versorgungs- und Vertragskonzept entwickelt, nach dem
Vertragskonzept zur Versorgung von Beatmungspatienten im häuslichen Umfeld vorgestellt
13. Februar 2018
Leipzig – Bei der Behandlung künstlich beatmeter Patienten können Ärzte ab sofort auf eine neue S3-Leitlinie zurückgreifen. Sie bündelt Informationen zu Beatmungstherapie, spezifischen Einstellungen
Neue S3-Leitlinie zur künstlichen Beatmung von Intensivpatienten
26. Januar 2018
Berlin – Einen Vertrag über Qualitätsstandards bei der Betreuung von Wachkomapatienten und anderen intensivpflegebedürftigen Menschen haben die Ersatzkassen mit dem Bundesverband privater Anbieter
Qualitätsvereinbarung soll Pflege von Wachkomapatienten verbessern
10. Januar 2018
München – Die Versorgung von außerklinisch invasiv und nicht invasiv beatmeten Patienten muss für niedergelassene Ärzte besser vergütet werden. Das forderte heute der der Vorstand der Kassenärztlichen
KV Bayerns will höhere Vergütung für ambulante Versorgung von beatmeten Patienten
28. Juli 2017
Melbourne – Der Anteil der extrem Frühgeborenen, die im Alter von 36 Monaten noch eine Sauerstoffbeatmung benötigen oder im Alter von acht Jahren eine schlechte Lungenfunktion aufweisen, ist in den
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER