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Entwöhnung von künstlicher Beatmung oft vernachlässigt

Montag, 11. März 2019

/dpa

München – In vielen Kliniken kommt das Weaning zu kurz, also die Entwöhnung vom Beatmungsgerät nach einer längeren künstlichen Beatmung. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) jetzt hingewiesen. Die Folge sei, dass viele Patienten zu Hause weiter beatmet werden müssten, was die Lebens­qua­lität der Betroffenen senke und zudem sehr teuer sei. Die Fachgesellschaft fordert, dass Kliniken vor der Verlegung der Patienten regelhaft prüfen, ob eine Entwöhnung vom Respirator möglich und die außerklinische Beatmung damit vermeidbar ist.

Laut DGP steigt die Zahl der Patienten, die nur schwer vom Beatmungsgerät zu entwöh­nen sind und deswegen längerfristig beatmet werden müssen. „Das liegt daran, dass wir immer häufiger mit älteren, gebrechlichen Menschen zu tun haben, die an mehreren Begleiter­krankungen leiden“, erklärte Bernd Schönhofer im Vorfeld des Jahreskongresses der Fachgesellschaft. Schönhofer ist Sprecher des WeanNet – ein Kompetenznetzwerk von Zentren, die sich auf die Entwöhnung vom Beatmungsgerät spezialisiert haben.

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Gleichwohl gäben viele Kliniken den Weaningprozess zu früh auf, weil auf den Inten­sivstationen die Strukturen und das Personal dafür fehlten, erläutert er. Dies betreffe aufgrund aktueller Schätzungen etwa 20.000 Patienten in Deutschland, die zu Hause oder im Pflegeheim weiter beatmet würden. Die Kosten dafür beliefen sich auf schätzungsweise vier Milliarden Euro pro Jahr.

Die Fachgesellschaft vermutet, dass für Pflegeeinrichtungen ein falscher finanzieller Anreiz gesetzt wird. „Wenn eine Pflegeeinrichtung viel Geld für eine Beatmung bekommt, könnte sie weniger geneigt sein, zu überprüfen, ob der Patient für einen weiteren Entwöhnungs­versuch bereit ist“, sagte Schönhofer, der die Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am Klinikum Siloah in Hannover leitet.

Er verweist auf Daten von 45 Beatmungszentren, die im WeanNet zertifiziert sind: Zwei Drittel der behandelten Patienten konnten danach erfolgreich vom Beatmungs­gerät entwöhnt werden. Knapp ein Fünftel brauchten keine invasive Beatmung über die Luftröhre mehr, sondern konnten mit einer nichtinvasiven Methode, zum Beispiel einer Atemmaske, weiter behandelt werden. Schönhofer rät daher, dass eine Klinik den Rat eines Weaning-Experten einholt, bevor sie einen Patienten in die außerklinische Beatmung entlässt. © hil/aerzteblatt.de

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