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Ärzteschaft

Gitter spricht sich gegen Patientenlotsen und für Stärkung der Hausärzte aus

Montag, 11. März 2019

/Mediteraneo, stock.adobe.com

Berlin – Das Gesundheitswesen benötigt nach Ansicht der Ärztekammer Bremen keine zusätzlichen Patientenlotsen. Hausärzte seien bereits diejenigen, die chronisch und mehrfach kranke Menschen durch das Gesundheitssystem lotsen könnten und sollten, sagte Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen, heute. Man müsse „nichts Neues erfinden“, sondern die Hausärzte stärken. Dem Fachkräftemangel im Gesund­heits­wesen begegne man nicht mit der Erfindung immer neuer Berufsfelder.

Gitter reagiert damit auf Äußerungen der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Claudia Schmidtke, die sich für Patientenlotsen ausgesprochen hatte. Diese sollen Patienten dabei helfen, die medizinische Betreuung zu organisieren, und ihnen einen Überblick über Versorgungsangebote und Sozialleistungen geben. Schmidtke stützte sich bei ihrer Forderung auf die Ergebnisse einer vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium geför­derten Studie des IGES-Instituts, die bereits existierende Modellprojekte mit Patienten­lotsen untersucht hatte.

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„Ich frage mich, ob ein privatwirtschaftliches Institut wie das IGES zuständig für die Gestaltung des Gesundheitssystems ist oder nicht doch eher die gewählten Volksver­treter“, sagte Gitter. Zugleich sei zu fragen, ob aufwendige Ministerien gerechtfertigt seien, wenn sie die Arbeit von privaten Beraterinstituten erledigen ließen und dann „womöglich ungeprüft in politische Aktionen umsetzen“.

„Wer wirklich sinnvoll etwas gegen den Fachkräftemangel tun möchte, solle lieber für bestehende Berufe attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen“, sagte Gitter. Patienten wünschten sich oft, dass ihr Hausarzt mehr Zeit für sie habe.

Darum wäre es sinnvoll, Hausärzte für ihre Zuwendung zum einzelnen Patienten besser zu vergüten und angehenden Hausärzten ihre Arbeit in der Patientenversorgung direkt zu bezahlen, statt Almosen über Fördertöpfe auszuteilen. Hausärzte sollten zudem ohne Angst vor Regressen Hilfen wie auch die Unterstützung von Pflegenden, sozialen Diensten und anderen verordnen können. © may/EB/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 12. März 2019, 14:11

BRAVO für diese eindeutige Stellungnahme!

Der Verlust von Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung, Empathie und Realitätssinn ist im Umkreis der bisher ausschließlich als Herzchirurgin klinisch tätigen Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke (CDU) unübersehbar. Sie konnte in ihrer medizinischen Sozialisation die Hausarzt-Welt offensichtlich nicht ausreichend reflektieren.

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert und ungenügend erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung  ersetzen oder überflüssig machen.

Der Gipfel dabei ist, dass diese, von uns und unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht nur im Rahmen der Hausarzt-zentrierten Versorgung (HzV) bisher immer zusätzlich und o h n e Honorar bzw. ohne Anerkennung erbrachte sozialmedizinische Kärrnerarbeit, jetzt von extra qualifiziertem Fachpersonal erbracht und z u s ä t z l i c h bezahlt werden soll.
"Der Einsatz von Patientenlotsen sei eine sinnvolle Option, Patienten in einem komplexen, segmentierten Versorgungssystem bei besonders schwierigen Krankheiten und Krankheitsverläufen zu ihrem Leistungsanspruch zu verhelfen und die Wirksamkeit von Medizin und Pflege zu erhöhen" ist eine pseudologische Schlussfolgerung hausärztlich-allgemeinärztlich-internistisch bildungsferner Schichten des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, der Sozialrechtler der Ruhr Universität Bochum und des Berliner IGES-Instituts.

Doch anstatt das umständlich-unübersichtlich-verschachtelte 5. SOZIALGESETZBUCH (SGB V) gründlich zu entrümpeln, zu entbürokratisieren und Patienten-gerechter zu formulieren, soll ein vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terium ins Spiel gebrachter Patientenlotse die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären.

Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung soll ersetzt oder überflüssig gemacht werden.

Da kehren immer mehr Kolleginnen und Kollegen der hausärztlich-vertragsärztlichen Tätigkeit den Rücken zu und wollen sich nicht mehr als Facharzt für Allgemeinmedizin in unterversorgten Gebieten niederlassen.

Zusammenfassenf bedeutet dies eine systematische Demontage der hausärztlichen Kernkompetenz und Lotsenfunktion, ohne dass ein antiquiert-dirigistisches SGB V sach-und fachgerecht neu formuliert und gestaltet wird. Ich hätte durchaus mehr Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber den sozialen und medizinischen Lebensleistungen von Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland erwartet.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
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