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Schwangerschaften und lange Stillzeiten senken Brustkrebsrisiko bei BRCA1- und BRCA2-Trägerinnen unterschiedlich

Dienstag, 12. März 2019

/gamelover, stock.adobe.com

Paris – Eine einzelne Schwangerschaft erhöht bei Frauen mit dem Krebsgen BRCA1 das Brustkrebsrisiko, bei weiteren Schwangerschaften sinkt das Risiko wieder. Auch lange Stillzeiten könnten nach den Ergebnissen einer Studie im Journal of the National Cancer Institute (2019; doi: 10.1093/jncics/pky078) eine protektive Wirkung haben. Bei Frauen mit Mutationen in BRCA2-Gen war der Einfluss vom Schwangerschaften und Stillzeiten insgesamt geringer.

Der Einfluss von Schwangerschaften auf das Brustkrebsrisiko ist komplex. Bei Frauen ohne genetische Anfälligkeit steigt das Risiko nach der Schwangerschaft zunächst an, um dann langfristig zu sinken. Viele Kinder und lange Stillzeiten können dagegen vor einem Mammakarzinom schützen. Sie sind ein Grund, warum in Ländern mit einer hohen Geburtenrate weniger Frauen an Brustkrebs erkranken.

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Ein Team um Nadine Andrieu vom Institut Curie in Paris hat jetzt den Einfluss von Schwangerschaft und Stillzeit bei Frauen untersucht, die aufgrund von Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen ein sehr hohes Lebenszeitrisiko von 72 beziehungsweise 69 % auf ein Mammakarzinom haben. 

Grundlage der Untersuchung waren die Daten der International BRCA1/2 Carrier Cohort Study, die (mit deutscher Beteiligung) seit 1997 Daten zu Frauen mit Mutationen in den beiden Krebsgenen gesammelt hat. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einfluss von Schwangerschaften für Frauen mit BRCA1/2-Mutationen komplex ist. 

Bei den Frauen mit Mutationen im BRCA1-Gen hatte eine einzelne Schwangerschaft noch keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Nach 2 Kindern sank das Risiko jedoch um 21 % (Hazard Ratio 0,79; 95-%-Konfidenzintervall 0,69 bis 0,91). Nach dem dritten Kind erkrankten sie um 30 (Hazard Ratio 0,70; 0,59-0,82) und nach dem vierten Kind um 50 (Hazard Ratio 0,50; 0,44-0,63) seltener an Brustkrebs. Späte Schwangerschaften wirkten sich für BRCA1-Trägerinnen eher günstig aus.

Lange Stillzeiten senkten das Brustkrebsrisiko von BRCA1 ebenfalls. Die Hazard Ratio für BRCA1-Trägerinnen sank für Frauen, die ihre Kinder insgesamt länger als 24 Monate gestillt hatten, auf 0,66 (0,50-0,87). Für BRCA2-Trägerinnen war die Assoziation nicht signifikant.

Bei BRCA2-Trägerinnen kam es nach der ersten Schwangerschaft zu einem Anstieg des Brustkrebsrisikos um 29 (Hazard Ratio 1,29; 1,01-1,66). Eine protektive Assoziation war erst nach dem vierten Kind erkennbar und dies auch nur, wenn alle vier Kinder vor dem 40. Lebensjahr geboren wurden (Hazard Ratio 0,33; 0,17-0,63). Lange Stillzeiten hatten bei BRCA2-Trägerinnen keine signifikante Auswirkung auf das Brustkrebsrisiko.

Andrieu führt die Differenzen auf das unterschiedliche Erkrankungsalter von BRCA1- und BRCA2-Trägerinnen zurück. Bei BRCA1-Trägerinnen liege der Erkrankungsgipfel zwischen dem 30. bis 40. Lebensjahr, bei BRCA2-Trägerinnen ein Jahrzehnt später. Während dieser Zeiten könnten die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft das Brustkrebsrisiko akut erhöhen. Später komme es dann zu einer protektiven Wirkung, die bei BRCA2-Trägerinnen wegen des späteren Erkrankungsgipfels kaum noch nachweisbar wären. 

Auf die Beratung der Frauen dürften die neuen Erkenntnisse kaum Auswirkungen haben. Das Lebenszeitrisiko dürfte in beiden Gruppen zu hoch sein, um sich auf die protektive Wirkung von Schwangerschaften und Stillzeit verlassen zu wollen. © rme/aerzteblatt.de

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