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Schüler wegen fehlender Masernimpfung von Schule ausgeschlossen

Mittwoch, 13. März 2019

Oskar-Schindler-Gesamtschule Hildesheim /dpa

Hildesheim – Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Gesamtschule sind 107 Schüler wegen eines fehlenden Impfschutzes bis Ende kommender Woche vom Unterricht ausgeschlossen worden. Das teilte der Landkreis Hildesheim nach einer Überprüfung des Impfstatus aller 700 Schüler mit.

Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Hannover hatte die drastische Maßnahme, den Schülern den Zugang zur Schule zu verwehren, gerechtfertigt. Die Schule müsse in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vor einer ansteckenden Krankheit vornehmen.

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Schüler, die nicht zum Unterricht könnten, würden unter anderem über das Intranet der Oskar-Schindler-Gesamtschule mit Lehrmaterial versorgt, sagte der stellvertretende Schulleiter Albert Claßen. Prüfungen oder Klassenarbeiten müssten später nachgeholt werden.

Niedersachsenweit stieg die Zahl der Masernfälle seit Jahresbeginn auf 29. Mit einem weiteren Anstieg werde gerechnet, teilte das Landesgesundheitsamt in Hannover mit. Allein im Landkreis Hildesheim wurden 24 Erkrankungen registriert.

Eine Erklärung für die Häufung gebe es nicht, sagte der Sprecher der Gesundheitsbe­hörde, Holger Scharlach. Einen Einfluss könne haben, in welchem Umfeld die Krank­heitsfälle auftreten, wie in diesem Fall in einer Schule. Jedoch seien nicht nur Kinder und Jugendliche unter den Erkrankten. „Wir sehen bei dem Ausbruch auch Erkrankte im Alter über 20 Jahren, es ist eben gerade keine Kinderkrankheit.“

Nach den jüngsten 2017 bei Schulanfängern erhobenen Daten waren 93,3 Prozent mindestens zweimal gegen Masern geimpft. Damit in der Bevölkerung eine Ausbreitungs­barriere gegen Maserninfektionen entsteht, wird ein Immunisierungsgrad von 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Masernimpfungen als erforderlich angesehen.

Vor der Gesamtschule war in Hildesheim bereits das Gymnasium Andreanum mit einer erkrankten Schülerin Ende Februar von dem Masernausbruch betroffen. Wie Schulleiter Dirk Wilkening sagte, hätten 13 Schüler und zwei Lehrer für knapp zwei Wochen nicht die Schule besuchen können. Die Betroffenen seien über das Intranet der Schule und über Mitschüler mit dem Unterrichtsstoff versorgt worden. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 8. April 2019, 22:27

Apfel-Birnen-Vergleich

Die Formulierung Apfel-Birnen-Vergleich ist eine vergleichsweise höfliche Umschreibung für eine unwissenschaftliche Arbeitsweise. Bei einer wissenschaftlichen Arbeitsweise dürfen nur Dinge verglichen werden, die wirklich vergleichbar sind. Ob der Vergleich statthaft ist, hängt ab von den Objekten, aber auch von der Fragestellung. In diesem Artikel ist die Rechtsgrundlage für den Schulausschluss der §28 IfSG. Das Ziel des §28 ist einerseits ungeschützte Personen vor der Krankheit zu beschützen und andererseits durch die Herausnahme der empfänglichen Personen in einer Kohorte die Herdenimmunität zu erhöhen und damit den Ausbruch schneller zum Erlöschen zu bringen. Voraussetzung dafür ist eine schnelle Erkennbarkeit der Krankheit und der Immunitätslage. Natürlich sind Masern und Influenza beides Infektionskrankheiten, aber in Bezug auf die Formulierung des §28 und in Bezug auf die o.g. Kriterien sind beide Krankheiten deutlich unterschiedlich. Dies zu negieren ist ein Ausdruck von Ignoranz oder Inkompetenz, ganz nach Belieben.

Die 107 ungeschützten Personen sind auffällig, die Erklärung ist in der lokalen Presse einfach nachzulesen: Die Immunität der Kinder wurde über den Impfstatus definiert. Ursprünglich waren es sogar 190 Personen mit unklarem Impfstatus, durch Nachfragen wurde deren Zahl reduziert. Eine Blutprobe (Antikörpertestung) wurde nur bei den Erwachsenen mit unklarer Anamnese durchgeführt. Dies ist auch nachvollziehbar, bei 700 Kindern ist die Logistik für das Einverständnis der Eltern zur Blutabnahme und dann die Blutabnahme selbst ein logistischer Albtraum, von den Kosten der Testung ganz zu schweigen. Lt. Artikel liegt die Impfquote in Niedersachsen bei 93,3%.
http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Masern-Landkreis-Hildesheim-kontrolliert-Impfpaesse-an-Schule

Über die Ursache dieser deutlichen Abweichung von der überregionalen Impfrate kann ich nur spekulieren. Es kann an der Nachlässigkeit der Eltern liegen oder an deren Impfskepsis. Es kann aber auch ein missglückter Versuch an Impfparasitismus sein, nach dem Motto, sollen ruhig alle anderen impfen, mein Kind profitiert von der Herdenimmunität. Das Problem dabei ist, wenn alle Anderen ebenso clever sind, funktioniert das Prinzip der Herdenimmunität nicht mehr. Interessant dürfte das Verhalten der betroffenen Eltern in der Zukunft sein. Wer nachlässig war, kann sein Kind nachimpfen lassen. Wer aus ideologischen Gründen kategorisch gegen eine Impfung ist, sollte sein Kind zu einer Masernparty schicken. Wer weiterhin auf das Konzept Impfparasitismus setzt, wird versuchen, das Problem auszusitzen.

Das Problem Apfel-Birnen-Vergleich ist aber nicht nur ein Problem der Interpretation des o.g. Artikels sondern ein Problem der ganzen Impfdiskussion. Wenn wirklich Infektion und Impfung fair gegeneinander gestellt werden, wird die Bilanz z.B. für die Masernimpfung schnell offensichtlich. Das wichtigste Kriterium ist die Vergleichbarkeit der jeweiligen Daten. Die ist nur gegeben, wenn die jeweiligen relativen Risiken miteinander verglichen werden. Das heißt UAW(z.B. Autismusdiskussion), Hospitalisierungen, Langzeitschäden und Todesfälle bezogen auf 1000 Impflinge oder 1000 Personen ohne Impfung (in der Annahme, dass 95% von ihnen erkranken). Das bedeutet, für einen echten Vergleich müssen ein reines Impfscenario und ein reines Infektionsscenario gegenübergestellt werden. Die aktuelle Situation ist dagegen ein Mischscenario, bei der es zu Verzerrungen der Messdaten und der Wahrnehmungen kommen kann.
Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 8. April 2019, 16:04

ÄPFEL-UND BIRNEN-VERGLEICH

Werter S. Rex, der Vergleich von Äpfel mit Birnen ist legitim und passend, denn - beides ist Obst.
Wie auch in meiner Argumentation: Beides sind Infektionskrankheiten.

Man könnte auch zugespitzt argumentieren:
Mal vorab: An der Hildesheimer Gesamtschule wurden 107 von 700 Schülern als "ungeimpft" eingestuft. Sehr rätselhaft, denn die offiziellen Daten zeigen, dass normalerweise ca. 97% eine Masernimpfung haben. 107 von 700 sind aber mehr als 10% ohne Impfung, hmmm...
"Fehlender Impfschutz" könnte natürlich auch heissen: Titer wurde erhoben, viele davon waren geimpft, jedoch Titer nicht ausreichend.

Aber zurück zu meinem "billigen Sarkasmus": Die Geimpften müssen sich ja nicht vor den Masern fürchten, denn sie sind ja geimpft. Die haben nur das Risiko eines Impfschadens bzw. mehr Wahrscheinlichkeit für andere Krankheiten (z.B. höhere Wahrscheinlichkeit für Herzkrankheiten). Oder sogar SSPE, Studien dazu siehe hier:
https://www.impfschaden.info/krankheiten-impfungen/masern/impfung.html

Die Ungeimpften haben das Risiko, dass sie die Masern bekommen u. eventuell (sehr unwahrscheinlich) Komplikationen auftreten.

Fazit: Das Leben ist immer ein Risiko, man möge den Betroffenen anheim stellen, welches Risiko sie wählen.
Es ist ja gerade die Crux an der Impf-Lobhudelei, dass die suggeriert wird, es gäbe einen totalen Schutz ohne große Nebenwirkungen (was definitiv nicht der Fall ist). Da können S.Rex & Co. noch so lange die Impfungen hochjubeln. Der Haken an der aktuellen Diskussion ist nämlich, dass die - mitunter zutreffenden - Argumente der Impfgegner u. Impfkritiker nunmehr einer breiten Bevölkerung deutlicher werden. Je länger der Impfpflicht-Druck dauert, desto mehr bisher unbeachtete/unbekannte Probleme der zunehmenden Viel-Impferei werden an die Öffentlichkeit kommen.

Und es ist das Dilemma der totalen Impfgegner, dass sie verdrängen, dass natürlich eine Infektion mitunter zu schweren (Folge)Erkrankungen führen kann.
Es gibt keine 100%ige Sicherheit!!
Also macht alle "mal halblang" u. lasst den Zwang u. das gegenseitige Herabwürdigen beiseite.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 7. April 2019, 11:05

Falsche Argumente

Es ist wenig überraschend, dass Mitdenker für seine Argumentation zielgerichtet die am wenigsten geeigneten Argumente bemüht.

Die Gesamtzahl der Toten durch eine Krankheit hängt von der Letalität und von den Fallzahlen ab. Aufgrund der Impfung großer Teile der Bevölkerung und der Bemühungen des ÖGD sind die absoluten Fallzahlen (noch) gering und die Mortalität ist für eine Risikoabwägung irrelevant.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mortalität
https://de.wikipedia.org/wiki/Letalität

Bei 107 Schülern ohne Impfschutz ist eine Letalität von ca. 1:1000 eher ein statistisches Risiko und für die individuelle Risikoabwägung eher zweitrangig. Wesentlich wichtiger für die Risikoabwägung ist die Pathogenität und dort als leicht nachvollziehbarer Globalmarker die Zahl der dadurch verursachten Krankenhauseinweisungen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pathogenität
Aktuell liegt die Hospitalisierungsrate in der Altersgruppe 2-19 Jahre bei 26%.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/33_18.pdf

Das dürfte für alle beteiligten Eltern das stärkste Argument sein, wenn alle 107 Schüler erkranken, dann ist mit ca. 28 Verläufen zu rechnen, die so schwer verlaufen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Der billige Sarkasmus von Mitdenker ist hier völlig deplatziert. Die Gemeinschaftseinrichtung hat in dieser Frage Null Handlungsspielraum, hier gibt es eine klare Vorgabe des Gesetzgebers (§28 Abs (2) des IfSG):
http://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__28.html

Machen wir ein Gedankenexperiment. Der Leiter einer Schule ordnet ein Überlebenstraining für seine Schüler an, als Folge dieses Überlebenstrainings landen 26% der Schüler im Krankenhaus. Selbstverständlich wäre dies der letzte Arbeitstag des Schulleiters. Nun die große Preisfrage, wo ist der Unterschied dieses fiktiven Überlebenstrainings zu der Situation, wenn ungeschützte Jugendliche in einen aktiven Masernausbruch geschickt werden? Die Schutzmaßnahmen greifen natürlich nur innerhalb der Gemeinschaftseinrichtung. Die Eltern der betroffenen Kinder können diese Schutzmaßnahmen unterlaufen und dieses „Überlebenstraining“ eigenmächtig ansetzen, indem sie „Masernpartys“ organisieren. Dann müssten sie allerdings auch mit den Konsequenzen (=Hospitalisierungen) klar kommen.

Bleibt zum Schluss noch der Vergleich mit der Influenza. Die Bedeutung der Influenza ist unbestritten. Allerdings machen Maßnahmen wie Schulausschlüsse nur Sinn, wenn Diagnostik und Schutzmaßnahmen wie Impfungen für einen vorhersehbaren Erfolg dieser Maßnahmen sorgen. Soweit sind wir bei der Influenza leider noch nicht. In 20-30 Jahren mag dies anders aussehen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Vergleich von Masern und Influenza in Bezug auf §28 IfSG aus diesem Blickwinkel ein Apfel-Birnen-Vergleich.

Also was haben wir hier? Man nehme als Grundzutat eine Reihe falscher Argumente, würze dies mit einer ordentlichen Portion billigem Sarkasmus und garniere dies alles mit einem klassischen Apfel-Birnen-Vergleich. Voila, fertig ist das impfkritische Menü.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 4. April 2019, 19:23

MEHR UNTERRICHTSAUSSCHLÜSSE!

Jetzt macht mal hin, mehr Schul-Ausschlüsse müssen her. Immerhin sterben pro Jahr bis zu 20.000 Personen an der Influenza. An den Masern? Null bis drei? Fazit: Wer schnieft muß sofort untersucht werden u. bleibt dann zuhause. Könnte ja eine Influenza sein. Und er könnte andere anstecken! Oder wollt ihr, dass er stirbt und möglicherweise andere mit ins Verderben reisst?
LNS

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