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Medizin

Medizintouristen kehrten aus Mexiko mit resistenten Infektionen zurück

Donnerstag, 14. März 2019

xixinxing - stock.adobe.com

Atlanta und Stockholm – Das verlockende Angebot auf eine preiswerte Schönheitsoperation im Ausland kann schwere Konsequenzen haben. Hygienefehler in einer Klinik in Tijuana/Mexiko haben bei mindestens 20 US-amerikanischen Patienten zu schweren Infektionen mit multiresistenten Keimen geführt, an denen ein Patient starb. Jetzt warnt auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vor einem unkritischen Medizintourismus.

Angesichts der exorbitanten Preise von Fachkliniken in der Heimat waren 4.000 Dollar für eine Sleeve-Gastrektomie ein Angebot, das eine 40-jährige Frau aus Jonesboro/Arizona nicht ausschlagen wollte. Die adipöse Frau buchte über eine Agentur eine Behandlung im Grand View Hospital in Tijuana, einer Stadt in Mexiko gleich gegenüber von San Diego.

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Doch die Reise verlief anders als erwartet. 2 Tage nach der Operation kam es zu einer schweren Wundinfektion, die die Patientin zu einer eiligen Rückkehr in die Heimat bewog. Dort stellten die Ärzte eine Wundinfektion mit Verona-Integron-codierten Metallo-beta-Laktamase-produzierenden carbapenemresistenten Pseudomonas, kurz VIM-CRPA, fest, für die es keine verfügbaren Antibiotika gab. Die Ärzte hätten auf ein Mittel aus den 1940er-Jahren zurückgreifen müssen, berichtete die Patientin später der Presse.

Es war offenbar kein Einzelfall. Den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurden seit September 2018 insgesamt 20 derartige Fälle bekannt. Die Recherchen ergaben, dass alle in Tijuana behandelt worden waren. Die meisten hatten sich in der besagten Klinik operieren lassen, die sich auf bariatrische Operationen spezialisiert hat, die in den USA derzeit bei adipösen Menschen begehrt sind.

Eine spätere Untersuchung durch die Behörden ergab, dass es in der Klinik zu schweren Hygienefehlern gekommen war. Die Ärzte sollen dort ohne Mundschutz gearbeitet haben. Die Patienten mussten offenbar zu Fuß in den OP gehen. Als verhängnisvoll erwies sich der Verzicht auf eine konsequente Sterilisierung des chirurgischen Bestecks. Dies könnte nicht nur die Ausbreitung von VIM-CRPA-Infektionen begünstigt haben. Die CDC riet Anfang Januar in einer Reisenotiz allen Personen, die sich an der Klinik behandeln ließen, dringend, sich auf Infektionen mit Hepatitis B, C und HIV testen zu lassen. Im Februar wandte sich die Public Health Agency of Canada mit einem ähnlichen Aufruf an die Öffentlichkeit.

Jetzt hat auch das ECDC eine Risikoabschätzung veröffentlicht. Ihre Recherchen ergaben, dass die US-Agentur mindestens 2 Europäern eine Behandlung am Grand View Hospital in Tijuana vermittelt hatte. Infektionen von Europäern seien jedoch nicht bekannt.

Infektionen mit VIM sind jedoch auch in Europa nicht unbekannt. Laut ECDC wurden in den letzten Jahren Ausbrüche aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Ungarn und Spanien gemeldet. Sie traten allerdings nicht unter Medizin­touristen auf.

Der Medizintourismus hat laut ECDC in den letzten Jahren stark zugenommen. Weltweit würde jedes Jahr schätzungsweise 50 Millionen Menschen ins Ausland fahren, um sich medizinisch versorgen zu lassen. Kürzere Wartezeiten und niedrigere Kosten im Bestimmungsland gehörten zu den Hauptgründen für dieses Phänomen. Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Europäischen Kommission wären in der EU/im EWR rund 49 % der Bürger bereit, zur medizinischen Versorgung ins Ausland zu reisen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #23372
pwin
am Donnerstag, 21. März 2019, 18:58

resistente Infektionen?

Die Überschrift ist einfach nur peinlich für ein Ärztefachblatt. Sie kann in der Boulevard-Presse erwartet werden. Es gibt keine resistenten Infektionen, aber resistente Keime. Ferner kehrten die Touristen nicht mit Infektionen zurück, sondern mit Infektionskrankheiten, woran sie dann auch Schaden nahmen oder sogar starben. Man könnte einwenden, dass doch klar wird, was gemeint ist. Das genügt aber nicht für eine Fachzeitschrift. Der nachlässige Umgang mit der Sprache und der zunehmende Einzug der Laiensprache in das Ärzteblatt ist bedenklich und könnte für eine sinkende redaktionelle Qualität stehen.
LNS

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