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Politik

TK stellt mehr Beschwerden wegen möglicher Behandlungsfehler fest

Mittwoch, 13. März 2019

/Kzenon, stockadobecom

Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Beschwerden über mögliche Behandlungsfehler registriert. Knapp 6.000 Versicherte wandten sich deswegen an die Kasse, das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr, wie die TK heute in Hamburg mitteilte. Das sei „ein neuer Rekord“. Etwa in jedem dritten Fall bestätigte sich der Verdacht. Die TK geht zugleich von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

Die meisten Beschwerden von TK-Versicherten gab es demnach über Behandlungen bei Chirurgen, die etwa ein Drittel der Verdachtsfälle ausmachten. Es folgten Zahnärzte (16 Prozent), Allgemeinmediziner (zwölf Prozent) und Orthopäden (sechs Prozent). Fünf Prozent der vermuteten Behandlungsfehler wurden nach einer Therapie bei Internisten gemeldet. Bei Geburtshilfe, Gynäkologie und Augenärzte waren es jeweils vier Prozent.

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Die TK kritisierte die oft jahrelangen Verfahren wegen vermuteter Behandlungsfehler vor den Gerichten. Nicht selten könnten die Patienten nicht mehr arbeiten und Geld verdie­nen. Da es oft um sehr große Geldsummen gehe, zögen die Haftpflichtversicherungen die Verfahren gezielt in die Länge, „damit die Opfer unter dem Druck von fehlenden Einnah­men und steigenden Schulden faule Kompromisse bei außergerichtlichen Einigungen eingehen“.

Bundesweite Statistiken zu Behandlungsfehlern legen im Frühjahr jeweils der Medizini­sche Dienst der deutschen Krankenversicherer (MDK) und die Bundes­ärzte­kammer vor. Der MDK registrierte zuletzt 2017 knapp 3.340 bestätigte Behandlungsfehler, die Schlich­tungsstellen und Gutachter der Bundes­ärzte­kammer zählten im selben Jahr 2.213 Be­hand­lungsfehler.

Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler sollten Patienten zunächst mit ihrem Arzt sprechen. Bleibt dies ohne Erfolg, gibt es in vielen Kliniken inzwischen eigene Beschwer­destellen. Auch die Krankenkassen müssen Versicherte unterstützen. Sie helfen mit einer außergerichtlichen Rechtsberatung und holen über ihren medizinischen Dienst ein Gutachten ein.

Auch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern bieten Gutachten und eine außergerichtliche Streitschlichtung an. Weitere Anlaufstellen für Patienten sind die Verbraucherzentralen, Selbsthilfegruppen oder die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). © afp/aerzteblatt.de

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