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Politik

Krankheitsbedingte Fehlzeiten hängen stark vom Beruf ab

Mittwoch, 13. März 2019

/dpa

Berlin – Wie lange Beschäftigte krankheitsbedingt fehlen, ist eng verknüpft mit der beruflichen Tätigkeit. Das zeigt eine heute in Berlin veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). So fehlten Arbeitnehmer in den Berufen mit den höchsten Krankenständen 2018 durchschnittlich 26,3 Tage. In den Berufen mit den niedrigsten Krankenständen waren es halb so viele, im Schnitt 12,8 Tage.

Den Spitzenplatz nahmen Berufsgruppen aus Ver- und Entsorgung mit 32,5 Fehltagen pro Jahr ein, gefolgt von den Straßen- und Tunnelwärtern mit 31,4 Fehltagen und den Berufen in der industriellen Gießerei mit 30 Fehltagen. Die niedrigsten Fehlzeiten hatten Berufe in der Hochschullehre und -forschung mit 4,6 Fehltagen, gefolgt von den Berufen in der Softwareentwicklung mit 7,7 Fehltagen.

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Wie sehr die beruflichen Anforderungen die Art der Erkrankung beeinflussen, zeigt sich bei Muskel-Skelett-Erkrankungen. So wiesen Beschäftigte der Ver- und Entsorgung 2018 durchschnittlich 11,6 Fehltage und Straßen- und Tunnelwärter durchschnittlich 11,4 Fehltage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen auf.

Überdurchschnittlich viele Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen finden sich dagegen eher in den Dienstleistungsberufen: Auffällig sind hier insbesondere die Berufe im Dialogmarketing, etwa in Callcentern. Jeder Beschäftigte dort fehlt durchschnittlich 7,1 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung. Auch in der Haus- und Familienpflege und in der Altenpflege fehlte jeder Beschäftigte im Schnitt 6,3 beziehungsweise 6,0 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung.

Insgesamt ist der Krankenstand 2018 um 0,2 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent angestiegen. Damit hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im Schnitt 19,9 Tage gefehlt (2017: 19,4 Tage).

Angestiegen sind die Krankheitstage auch durch die Erkältungswelle Anfang 2018. Arbeitnehmer, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben, etwa in Großraumbüros oder in sozialen Berufen, sind besonders gefährdet. Callcenter-Mitarbeiter im Dialogmarketing belegen mit 4,8 erkältungsbedingten Fehltagen den Spitzenplatz, gefolgt von Beschäftigten in der Kinderbetreuung und -erziehung (3,6 Fehltage).

Auch psychische Erkrankungen haben die Fehltage 2018 weiter steigen lassen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Fehltage um 2,7 Prozent (0,1 Tage). Mit 26,3 Tagen je Fall dauerten psychische Erkrankungen mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 14. März 2019, 14:05

Fehlzeiten-Report mit fragwürdigen Ergebnissen

Der "Fehlzeiten-Report 2019" von Badura, B., Ducki, A., Schröder, H., Klose, J., Meyer, M. (Hrsg.)
"Topaktuelle, differenzierte Daten
Fakten und Lösungsansätze für Verantwortliche
Jährlich mit neuem Schwerpunktthema", hier Digitalisierung, von 
Professor Dr. Bernhard Badura
Universität Bielefeld
Professor Dr. Antje Ducki
Beuth Hochschule für Technik, Berlin
Helmut Schröder
Joachim Klose
Markus Meyer
Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Berlin
kann für gut 53 € erworben werden.
https://www.springer.com/gp/book/9783662590430#aboutBook

Aus dem Klappentext:
"Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft
Der Fehlzeiten-Report, der jährlich als Buch erscheint, informiert umfassend über die Struktur und Entwicklung des Krankenstandes der Beschäftigten in der deutschen Wirtschaft und beleuchtet dabei detailliert einzelne Branchen.
Darüber hinaus ist der Report durch umfassende Daten und Analysen ein wertvoller Ratgeber für alle, die Verantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz in Unternehmen tragen.
Aus dem Inhalt
• Aktuelle Statistiken zum Krankenstand der Arbeitnehmer in allen Branchen
• Die wichtigsten für Arbeitsunfähigkeit verantwortlichen Krankheitsarten
• Anzahl und Ausmaß der Arbeitsunfälle, Langzeitarbeitsunfähigkeiten oder Inanspruchnahme von Kinderpflegekrankengeld
• Vergleichende Analysen nach Bundesländern, Betriebsgrößen und Berufsgruppen
• Anschauliche Darstellung der Daten durch zahlreiche Abbildungen und Tabellen"

Doch das umfangreiche Zahlenwerk ist in vielen Bereichen nicht repräsentativ.
Die Anzahl der in der AOK versicherten Ärztinnen und Ärzte bzw. Hochschullehrer-/-forscher/-innen dürfte verschwindend gering sein.
Der hohe Krankenstand in der Ver-/Entsorgung und bei Straßen-/Tunnelwärtern dürfte durch die hohe Zahl an Arbeitsunfällen geprägt sein.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund ( z.Zt. Mauterndorf / A )
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