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Ärzteschaft

Arzt gegen Jameda: Rechtsstreit um gelöschte Bewertungen

Mittwoch, 13. März 2019

/dpa

München – Nach welchen Kriterien löscht das Ärztebewertungsportal Jameda Bewer­tungen und werden Mediziner abgestraft, die ihre Bezahlmitgliedschaft kündigen? Mit dieser Frage hat sich gestern das Münchner Landgericht auseinandergesetzt.

Ein Kieler Zahnarzt hatte das Bewertungsportal mit Sitz in München verklagt, weil Anfang 2018 zehn seiner positiven Bewertungen gelöscht wurden – dem Kläger zufolge wenige Tage, nachdem er seine Bezahlmitgliedschaft gekündigt hatte. Für den Arzt ist die Löschung eine Bestrafung der Vertragsauflösung – er verlangt, dass die Bewertungen wieder online gestellt werden.

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„Die Löschung war keine Reaktion auf die Kündigung“, versicherte der Anwalt von Jameda. Vielmehr sei eine Überprüfung der guten Bewertungen schon mehrere Tage vor Eingang der Kündigung angestoßen worden. Nach welchen Kriterien Jameda Bewertun­gen auf dem Portal überprüft – auch solche, die schon jahrelang online stehen – erörterte der Anwalt nicht.

Lediglich so viel verriet er: Die Bewerter bekommen eine SMS zur Validierung zuge­schickt, antworten sie binnen dreier Wochen nicht, würden die Bewertungen gelöscht. Dies sei bei den betreffenden zehn Bewertungen der Fall gewesen. Der genaue Algo­rithmus, der die Überprüfung anstößt, sei Geschäftsgeheimnis. Würden die Parameter verraten, könnten sich Betrüger diese Infos zunutze machen.

Das sah auch die Vorsitzende Richterin Isolde Hannamann zunächst so. Der Fall sei juristisch sehr interessant, da anders als bei negativen Bewertungen, deren Echtheit Jameda belegen muss, in diesem Fall der Arzt die Beweislast trage. Ein Punkt, der beim Klägeranwalt auf Unverständnis stieß: „Der Arzt hat nicht die geringste Möglichkeit herauszufinden, wer die Bewertung geschrieben hat. Er kann doch nicht Tausende von Patientenakten durchwühlen und erraten, wer das war – das ist ja auch datenschutz­rechtlich schwierig.“

Für seinen Mandanten sei es nicht nachvollziehbar, dass die guten Bewertungen, gelöscht wurden, der Verweis auf den Algorithmus sei wie eine Black Box. Nicht zuletzt sei der Zahnarzt durch die Löschung im Ranking gegenüber anderen Ärzten zurückge­fallen, was wiederum in den Wettbewerb eingreife. Das Urteil in dem Fall soll am 16. April verkündet werden.

Jameda zeigte sich heute zuversichtlich, dass das Gericht die Klage des Zahnarztes abweist und die rechtmäßige Löschung der zehn nach Angaben von Jameda manipulier­ten Bewertungen bestätigt.

© dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #737969
Dr. Peter Gorenflos
am Freitag, 15. März 2019, 12:50

Jamedas Parteilichkeit ist im Geschäftsinteresse des Portals; Black Box

Der Verdacht einer Bestrafung des Kieler Zahnarztes für die Kündigung bei Jameda ist keineswegs abwegig. Am 18. Januar 2018 erschien auf meine Initiative hin der ZEIT-Artikel „Zu welchem Arzt würden Sie gehen“. Um 9.50 desselben Tages schrieb die Pressesprecherin Jamedas, Frau Kathrin Kirchler, dem Zeit-Autor Tin Fischer eine Email, in welcher sie sich erkundigte, ob ich, Dr. Peter Gorenflos, der „Leser“ und Arzt sei, von dem er den Hinweis bekommen habe. 5 Stunden später hatte ich eine 6 in meinem Jameda-Profil. Nachdem man mir den angeforderten Behandlungsnachweis, auf den ich einen Rechtsanspruch habe, verweigerte, schaltete ich meinen Rechtsanwalt ein. Erst jetzt wurde diese Note 6 gelöscht. Kostenpunkt: 1000.- Euro. Ein Zweiklassen-Portal mit zahlenden Kunden und nicht-zahlenden Zwangsteilnehmern, die sich laut Jameda unter dem Vorwand der Informationsfreiheit nicht löschen lassen dürfen - trotz gegenteiligen Urteils vom BGH vom Februar letzten Jahres – kann nicht neutral sein. Die Bevorzugung von zahlenden Ärzten lässt sich in beliebigen Stichproben, in der 6.500-Fall-Statistik der ZEIT und in der web-page des Portals selbst leicht nachweisen. Sortiert man dort die Ärzte nach Noten zwischen 3 und 6, dann findet man fast ausschließlich Kollegen ohne Profil-Foto, also Nicht-Kunden. Es wird Zeit, dass das Lauterkeitsrecht gegen Jameda in Stellung gebracht wird. Die Kammern tragen hierfür die Verantwortung.


Avatar #737969
Dr. Peter Gorenflos
am Donnerstag, 14. März 2019, 12:16

Nulltoleranz gegenüber Zweiklassen-Portalen wie Jameda!!!!!

Die Forderung der Ärzteschaft muss lauten: Nulltoleranz gegenüber Zweiklassen-Portalen mit zahlenden Kunden und nicht-zahlenden Zwangsteilnehmern. Solche Portale führen zwangsläufig zur Wettbewerbsverzerrung und sind mit dem Lauterkeitsrecht sensu Wolfgang Büscher unvereinbar. Es wird Zeit, dass die Kammern in die Offensive gehen!
LNS

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