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Ausland

Forscher fordern weltweiten Verzicht auf Schaffung von Designerbabys

Donnerstag, 14. März 2019

/Gernot Krautberger, stock.adobe.com

London – Ein Moratorium für Eingriffe in die menschliche Keimbahn mithilfe von Gen­scheren fordert eine Gruppe von 18 Wissenschaftlern aus sieben Ländern. In einem am gestern Abend erschienenen Beitrag in Nature (2019; doi: 10.1038/d41586-019-00726-5) schlagen sie eine freiwillige Verpflichtung aller Nationen vor, vorerst auf den klinischen Einsatz von Keimbahninterventionen zu verzichten. Die Anwendung sei erst denkbar, wenn auch die langfristigen Auswirkungen verstanden seien.

Zu den Unterzeichnern gehört eine der Erfinderinnen der Genschere CRISPR/Cas, die in Berlin arbeitende Mikrobiologin Emanuelle Charpentier. Auch der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Münchner Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker, die Münsteraner Medizinerin und Philosophin Professor Bettina Schöne-Seifert und die Greifswalder Mikrobiologin Bärbel Friedrich tragen den Aufruf mit.

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Nach einem festgelegten Zeitraum – die Rede ist von fünf Jahren – solle jedoch Spiel­raum für spezifische Anwendungen in einigen Ländern eröffnet werden, heißt es. Voraus­setzung seien aber ausreichend Zeit für öffentliche Debatten, eine gerechtfertigte Anwen­dung und ein gesellschaftlicher Konsens.

Das Moratorium soll nach Ansicht der Unterzeichner ausdrücklich nur für die klinische Anwendung der Keimbahntherapie gelten; Forschung und somatische Gentherapien, die nur Individuen betreffen, sollen weiter stattfinden dürfen. Besonders kritisch setzen sich die Wissenschaftler mit Bemühungen um eine genetische Verbesserung der Menschheit durch Eingriffe in die Keimbahn auseinander. Hier gebe es noch weit größere Risiken als bei der Korrektur einzelner Krankheitsgene.

Mit der Genschere können Wissenschaftler das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Men­schen gezielt verändern. In der Medizin erwarten Forscher, dass menschliche Gendefekte repariert und damit Erkrankungen wie die Malaria und schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose verhindert werden können. Umstritten sind Eingriffe in die menschliche Keimbahn, weil sie auch das Erbgut aller künftigen Generationen verändern.

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui hatte Ende November die Geburt von Zwillingsmädchen verkündet, die durch gentechnische Veränderungen resistent gegen HIV sein sollen. Kritiker sprachen von unverantwortlichen Menschenversuchen.

Deutsche Wissenschaftler begrüßten den Vorstoß für ein Moratorium, sehen aber Prob­leme bei der Umsetzung. Der Mannheimer Medizinrechtler Jochen Taupitz erklärte, die Wissenschaft sei weltweit weitgehend einig, dass Keimbahninterventionen zumindest in den nächsten Jahren nicht vertretbar seien. Die Umsetzung des Moratoriums werde jedoch angesichts unterschiedlicher Rechtssysteme schwierig.

Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates (EGE), Christiane Woopen, erklärte, ein Moratorium müsste auch Sanktionen vorsehen. Die Wiener Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack bemängelte, es werde nicht klar, wer das Moratorium beschließen oder aufkündigen solle. Die Münchner Medizinethikerin Alena M. Buyx verwies auf den Vorstoß der Welt­gesund­heits­organi­sation, Standards für Keimbahneingriffe vorzulegen. Dafür sei es höchste Zeit. © kna/aerzteblatt.de

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