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Medizin

Smartwatch kann Vorhofflimmern zuverlässig erkennen

Donnerstag, 14. März 2019

/rukawajung, stockadobecom

Greifswald – Die Photodetektoren von modernen Fitnessarmbändern und Smartwatches könnten künftig genutzt werden, um ein Vorhofflimmern bei ihren Trägern zu erkennen. Eine Vergleichsstudie in JACC: Clinical Electrophysiology (2019; 5: 199-208) erzielte gleich gute Ergebnisse wie ein mobiles EKG – allerdings nur solange die Probanden sich nicht bewegten.

Die Photodetektoren der Smartphones messen ähnlich wie die in der Intensivmedizin genutzten Fingerpulsoxymeter die Lichtabsorption, aus der auf die Sauerstoffsättigung geschlossen werden kann. Die Sauerstoffsättigung verändert sich im Verlauf des Herzschlags, da nach jeder Pumpaktion sauerstoffreiches Blut das Gewebe erreicht. Das Ergebnis ist ein Photoplethysmogramm (PPG). Die Smartphones nutzen diese Information derzeit nur, um die Herzfrequenz zu bestimmen. Unregelmäßigkeiten im Puls sind ein Hinweis auf ein Vorhofflimmern. Durch eine PPG-Pulswellenanalyse kann deshalb unter Umständen ein Vorhofflimmern erkannt werden.

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In der WATCHAF-Studie („SmartWATCHes for Detection of Atrial Fibrillation“) wurde die PPG-Pulswellenanalyse mit einer mobilen EKG-Aufzeichnung verglichen. Für die EKG-Aufzeichnung mussten die Patienten für jede Messung je zwei Finger der rechten und linken Hand auf eine Elektrode legen. Die EKGs wurden anschließend von Ärzten ausgewertet, denen keine weiteren Informationen über die Teilnehmer vorlagen.

An der Studie nahmen an den Universitätskliniken in Greifswald und Basel 650 Patienten teil. Ausgewertet werden konnten allerdings nur die Daten von 508 Teilnehmern, wie Marcus Dörr von der Universitätsmedizin Greifswald und Mitarbeiter berichten. Bei den anderen Patienten konnten die PPG-Kurven nicht ausgewertet werden, weil die vom Smartphone aufgezeichneten Signale zu schwach waren. Der Grund waren laut Dörr in den meisten Fällen Bewegungen der Patienten.

Bei den 508 Teilnehmern im Alter von im Mittel 76,4 Jahren hatten 237 ein Vorhofflimmern. Die PPG-Analyse erkannte dies mit einer Sensitivität von 93,7 % (95-%-Konfidenzintervall 89,8 bis 96,4 %) und einer Spezifität von 98,2 (95,8 bis 99,4 %) sowie einer Genauigkeit von 96,1 (94,0 bis 97,5 %).

Eine Stärke der Software, die eine Firma aus Jena programmiert hat, war die hohe Spezifität, die die Zahl der falsch-positiven Befunde begrenzt. Die Schwäche besteht in der Störanfälligkeit bei der Aufzeichnung des PPGs. Dies könnte laut Dörr eventuell durch die Aufzeichnung während der Nachtstunden sein. Eine wiederholte einminütige Aufzeichnung könnte ausreichen, um ein Vorhofflimmern zuverlässig zu entdecken. Durch ein verlängertes Aufzeichnungsintervall von 3 oder 5 Minuten konnten laut Dörr keine besseren Ergebnisse erzielt werden.

Bevor eine Smartwatch für ein Screening bei Risikopatienten eingesetzt werden kann, sind laut Dörr noch weitere größere klinische Studien nötig. In einer von der EU finanzierten Studie werde derzeit untersucht, ob bei Risikopatienten mit einer Smartwatch ein asymptomatisches Vorhofflimmern zuverlässig erkannt werden könne. © rme/aerzteblatt.de

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