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Politik

Vorbehalte gegen Trisomietests

Donnerstag, 14. März 2019

/dpa

Berlin – Experten haben sich bei einer Anhörung im Bundestag für einen eingeschränk­ten Einsatz von vorgeburtlichen Bluttests zur Erkennung von Trisomie 21 ausgesprochen. Die Tests sollten nur bei Risikoschwangerschaften angewendet werden, sagte der Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Ethikrats, Joachim Vetter, gestern in Berlin. Wichtig seien eine begleitende Beratung und Informationen zu Unterstützungsangeboten.

Vetter warnte in einer Anhörung der Kinderkommission davor, dass ein genereller Einsatz des Bluttests als eine Art „Rasterfahndung" gesehen und von Betroffenen als Diskriminie­rung wahrgenommen werden könnte. Zudem könnten Kinder mit Trisomie 21 abgetrie­ben werden. Falls eine Untersuchung gemacht werde, sollte der Bluttest gegenüber risi­koreichen Eingriffen bevorzugt werden. Die Krankenkassen sollten die Leistung dann auch bezahlen, was aber keine offizielle Empfehlung des Ethikrats sei.

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Auch die Vorsitzende des Ethikausschusses im Deutschen Ärztinnenbund, Gabriele du Bois, sagte, Bluttests sollten nur in Verdachts- und Risikofällen gemacht werden. Sie betonte, dass die Erkennung von Trisomie 21 nicht das Ende des Lebens bedeuten könne. Es müsse überall Kinder mit Downsyndrom geben, damit bestehende Ängste fielen.

Die Journalistin Natalie Dedreux  selbst Betroffene  sagte, sie könne nur empfehlen, nach einem Test keine Abtreibung zu machen, weil das Kind nichts dafür könne, dass es das Downsyndrom habe. Das Kind habe das Recht zu leben. Sie fände es nicht gut, wenn Krankenkassen den Bluttest bezahlten, weil es dann weniger Menschen mit Downsyn­drom geben werde.

Ihre Mutter Michaela Dedreux betonte, dass eine Trisomie keine Krankheit sei. Für sie wäre es ein „Screening“, wenn die Krankenkassen den Bluttest bezahlten. Der Schlüssel sei eine gute Beratung der Eltern, die auch Möglichkeiten aufzeigen müsse. Es gebe ein funktionierendes Solidarsystem. Menschen mit Behinderung dürften nicht als Belastung dargestellt werden, warnte Dedreux.

Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, Josef Hecken, hatte in Bezug auf  vorgeburtliche Bluttests zur Erkennung von Trisomie 21 immer wieder betont, dass diese nur unter bestimmten Umständen zu einer Regelleistung der Krankenkassen werden sollen.

„Wir versuchen, Evidenz dafür zu generieren, ob es eine Möglichkeit gibt, diesen Test bei Risikoschwanger­schaften als Regelleistungen zu etablieren“, sagte Josef Hecken zuletzt im Februar. Voraussetzung dafür müsse sein, dass die betroffenen Frauen zuerst „bestimmte Voruntersuchungen“ absolviert hätten. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 19. März 2019, 23:52

Zwanghaftes Missverstehen?

Ich möchte nicht eine Gesellschaft ohne Behinderte - ich will, dass Familien das Recht haben, frei zu entscheiden, ob sie sich die Last eines absehbar behinderten Kindes zutrauen wollen oder nicht.
Ich möchte, dass man den betroffenen Familien nicht mehr einredet, die Entscheidung müsse unbedingt für ein behindertes Kind erfolgen, weil das eine Bereicherung des Lebens sei.
Ein behindertes Kind bedeutet lebenslange Verpflichtung, nicht nur für die Eltern, sondern ungefragt auch für alle Geschwister - sofern die dann überhaupt noch zur Welt kommen dürfen - eine Mischung von Zwangsarbeit und Haft...
Niemand denkt darüber nach, was aus den knuffigen Trisomie-Kindern im Erwachsenenalter wird, wenn die Eltern alt und gebrechlich werden, Ehen trotz des enormen sozialen Drucks zerbrechen. Denken Sie etwa, Trisomie-Menschen bemerken nicht, dass sie ganz vieles nicht wie alle anderen können, so sehr sie sich auch bemühen?
Schwangerschaften abbrechen, weil es gerade ncht zum Lebensentwurf passt, gilt als Recht der Frau - es sei denn, ein Test kann schon sehr früh eine Behinderung zeigen - dann ist es plötzlich Pflcith, dieses Kind auszutragen, um Behinderte nicht zu diskriminieren?
Da hat sich die Welt der "political correctness" doch sehr weit von der Realität entfernt.
Avatar #745897
exper7e
am Dienstag, 19. März 2019, 12:59

Practicus, Sie möchten also eine Gesellschaft,

in der Menschen nicht leben dürfen, weil sie keine Rentenbeiträge zahlen oder auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind?
Ihre Beobachtungen zur mangelhaften Inklusionsleistung unserer Gesellschaft sind teilweise zutreffend, aber kein Naturgesetz. Meinungen, wie die Ihre tragen ein Mitverantwortung dafür, wie mit Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen umgegangen wird.
Ich wünsche mir eine vielfältige Gesellschaft, die Hilfsbedürftige unterstützt.
Und Ihnen wünsche ich, dass Sie mal einen Menschen mit Trisomie persönlich wirklich kennen lernen.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 16. März 2019, 00:47

Haben Sie schon mal

irgendwo in der Öffentlichkeit ältere Menschen mit Trisomie gesehen? Solange Familien da sind und sich kümmern (zu Lasten der gesunden Familienmitglieder natürlich), läuft alles - da aber die Eltern auch mal alt werden und Geschwister irgendann ein eigenes Leben führen wollen, verschwinden die Erwachsenen Trisomiepatienten...
Wo? In Verwahranstalten wie der Diakonie in Treysa, wo hunderte diesr Menschen ihr Leben verbringen.
Die Entscheidung für eine Kind mit Trisomie ist immer eine Entscheidung gegen die gesunden Geschwistr bzw die nicht mehr geborenen Kinder, zulasten der Allgemeinheit, die diesen Kindern von Geburt an Rente zahlen und die Mittel für Förderung und Integrationshilfen bereitstellen muss - lebenslang, weil sie niemal allein und selbstbestimmt werden leben können
Avatar #745897
exper7e
am Freitag, 15. März 2019, 21:20

Mein Herz lacht

... wenn ich meinen Sohn sehe. Er ist keine „große lebenslange Belastung“. Da waren Sie wohlfalschinformiert, reseolf.
Avatar #728102
reseolf
am Freitag, 15. März 2019, 11:45

Trisomietest

Jede Mutter und jeder Vater sollte die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob das Kind geboren wird. Es ist eine große lebenslange Belastung für die Eltern. Das Kind wird vermutlich nicht unter der Krankheit leiden? Und eine Entscheidung kann erst nach dem Test gemacht werden. Darum sollte der von den Kassen übernommen werden. Als Argument anzuführen, es müsse überall Kinder mit Downsyndrom geben, damit bestehende Ängste fielen, halte ich für haltlos. Die wohlinformierte und bewusste Entscheidung kann nur individuell von den Eltern getroffen werden.
LNS

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