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Erstmals Gedenktag für Gesundheitsämter

Montag, 18. März 2019

/dpa

Berlin – Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) braucht mehr Aufmerksamkeit. Daher hat das Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals den 19. März als „Tag des Gesundheitsamtes“ ausgerufen. Die Arbeit der rund 400 kommunalen Gesundheits­ämter in Deutschland ist dem RKI zufolge vielfältig, unverzichtbar – und nicht ausreichend gewürdigt. „Dabei ist das Gesundheitsamt eine zentrale Säule für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung“, betonte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Das RKI hat das Datum bewusst gewählt. Der 19. März ist der Geburtstag von Johann Peter Frank. Der 1745 im pfälzischen Rodalben geborene Arzt gilt als Begründer des öffentlichen Gesundheitswesens, der Sozialhygiene und des Öffentlichen Gesundheits­dienstes. Sein Ziel war es, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, unter anderem durch eine staatliche Gesundheitsverwaltung und gesundheitsförderliche Lebensbe­dingungen.

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Dem RKI zufolge hat der ÖGD einen größeren Einfluss auf die Gesundheit, als vielen bewusst ist. „Eine ausreichende Finanzierung der Gesundheitsämter ist für eine gute gesundheitliche Situation der Bevölkerung unverzichtbar“, sagte Wieler. Doch die perso­nelle Ausstattung der Gesundheitsämter sinke seit Jahren.

Aber kein noch so gutes Labornetzwerk oder Surveillancesystem reiche aus, um vor Ort Verdachtsfällen von Erkrankungen nachzugehen oder Quarantänemaßnahmen durchzu­führen. Dazu würden qualifiziertes Personal und eine moderne Ausstattung benötigt und das in jedem Gesundheitsamt.

Die Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer begrüßte die Initiative des RKI, einen eigenen Gedenktag zur Würdigung der Arbeit der Gesundheitsämter einzuführen. „Die Förderung und Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist seit Jahren unser erklärtes Ziel“, sagte Kammerpräsident Erik Bodendieck.

Kritik an finanzieller Ausstattung

Noch mehr würde man die Arbeit der dort angestellten Ärzte allerdings würdigen, wenn man sie adäquat vergüten würde, so Bodendieck. Deshalb fordert die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer gemeinsam mit dem Marburger Bund eine einheitliche Vergütung für Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst und im Krankenhaus.

Susanne Johna, Mitglied im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer und Vorsitzende der Arbeits­gruppe Öffentlicher Gesundheitsdienst, zufolge ist der ÖGD Opfer seines eigenen Erfolgs. „Regelmäßig loben ihn Politiker für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Gesundheitsmanagement – und bürden ihm immer neue Aufgaben auf“, sagte Johna. Gleichzeitig nähmen die für seine Aufgabenwahrnehmung dringend erfor­der­lichen personellen und finanziellen Ressourcen ab.

Johna begrüßte es heute, dass einige Bundesländer die Initiative ergriffen hätten, Lan­desämtern und Gesundheitsämtern über die regulären Stellenpläne hinaus Weiterbil­dungsstellen für Ärzte vorzuhalten. Das reiche aber nicht. In den vergangenen Jahren seien kontinuierlich Arztstellen weggefallen. Freie Stellen könnten nur schwer oder teilweise gar nicht nachbesetzt werden.

„Ein Grund ist die schlechtere Vergütung. Wir brauchen dringend eine tariflich abgesi­cherte Angleichung der Vergütung an die arztspezifischen Tarifverträge der kommunalen Krankenhäuser“, forderte Johna. Eine angemessene Bezahlung sei Grundvoraussetzung, um hochqualifizierte Ärzte für den ÖGD zu gewinnen und zu halten. Notwendig sei zudem, dass Länder und Kommunen eine Mitarbeiterstatistik in den Landes- und Gesundheitsämtern führten.

„Wir sollten aber auch die vielen positiven Aspekte, die die ärztlichen Aufgaben im ÖGD mit sich bringen, herausstellen, um auch junge Kolleginnen und Kollegen für das Fach zu begeistern“, sagte Johna. Es sei wichtig, Studierende bereits an der Universität über das vielseitige Tätigkeitsspektrum des ÖGD zu informieren.

So fungiere er über seine Kern­kompetenzen im Bereich der bevölkerungsmedizinischen Daseinsfürsorge hinaus zum Beispiel vielerorts als Berichterstatter und Berater der Kommunalen Gesundheitskonfe­renzen. Auch auf anderen Gebieten sei die Expertise der Amtsärzte gefragt: vom Kinderschutz über Hygienemaßnahmen bis zur Pandemie­pla­nung. Globalisierung, demografischer Wandel, Veränderungen im Sozialgefüge und neue Lebensstile würden weitere wichtige Aufgaben mit sich bringen. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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