NewsMedizinDemokratie ist gut für die Gesundheit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Demokratie ist gut für die Gesundheit

Montag, 18. März 2019

/dpa

Washington – Eine demokratische Regierungsführung ist häufig mit einem Anstieg der staatlichen Gesundheitsausgaben, einem besseren Gesundheitsniveau der Bevölkerung und steigender Lebenserwartung verbunden. Umgekehrt können Autokratien laut den Autoren weniger Anreize haben, in Prävention und gute Versorgungsstrukturen zu investieren, weil sie sich häufig der allgemeinen Gesundheitsberichterstattung entziehen und nicht den gleichen externen Druck oder die gleiche Unterstützung von globalen Gesundheitsgebern wie der Welt­gesund­heits­organi­sation erhalten.

Das berichten Wissenschaftler um Thomas Bollyky vom Council on Foreign Relations, Washington, in der Fachzeitschrift Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30235-1). Sie haben dafür politische, wirtschaftliche und bevölkerungsbezogene Gesundheits­informationen aus 170 Ländern für die vergangenen 46 Jahren (1970-2016) untersucht.

Die Todesursachen, die offenbar am stärksten von demokratischen Entwicklungen beeinflusst werden – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tuberkulose, Transportverletzungen und mehrere andere nicht übertragbare Krankheiten – sind den Autoren zufolge für mehr als ein Viertel aller Todesfälle und Behinderungen bei Personen im Alter von 70 Jahren und jünger in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verantwortlich.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Erwachsenen in Ländern, die zwischen 1970 und 2015 zur Demokratie übergegangen sind, schneller verbessert hat als in Ländern, die nicht zur Demokratie übergegangen sind. Die Autoren berichten von einer durchschnittlichen Steigerung der Lebenser­war­tung in den demokratisierten Ländern von drei Prozent in zehn Jahren.

„Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Wahlen und die Gesundheit der Menschen immer untrennbarer voneinander werden“, sagte Bollyky. Ohne den gleichen Druck durch Wähler oder ausländische Hilfsorganisationen hätten autokratische Führer offenbar weniger Anreize als ihre demokratischen Kollegen, die Prävention und Behand­lung von Herzerkrankungen, Krebs und anderen chronischen Krankheiten zu finanzieren. 

Einen „Wandel in der Art und Weise, wie wir mit den globalen Gesundheits­herausforde­rungen umgehen“, fordert der Co-Autor der Studie, Joseph Dieleman vom Institute for Health Metrics and Evaluation, USA.

„In einer Zeit stagnierender Hilfebudgets und da sich die Krankheitslast rasch auf nicht­übertragbare Krankheiten verlagert, müssen internationale Gesundheitsbehörden und Geber möglicherweise zunehmend die Auswirkungen des Regimetyps berücksichtigen, um den Nutzen für die Gesundheit zu maximieren“, sagte er. Die Gesundheit der Men­schen könnte von Finanzierungsprogrammen profitieren, die den Ländern helfen, ihre demokratischen Prozesse zu stärken und rechenschaftspflichtigere Institutionen aufzu­bauen. 

Die Autoren erkennen an, dass viele Gesundheitspraktiker besorgt sein könnten, dass die Beziehungen zu den lokalen Regierungen beeinträchtigt werden könnten, wenn die globale Gesund­heits­förder­ung politischer wird. „Diese Zurückhaltung bei der Demokratie­förderung ist verständlich, ignoriert aber den unvermeidlichen politischen Charakter vieler aktueller globaler Gesundheitsziele“, geben sie zu bedenken. 

In einem Editorial zu der Studie schreibt Helen Epstein vom Bard College, USA: „Globale Gruppen, die sich für das Gesundheitswesen einsetzen, müssen mehr tun als nur nach mehr Geld zu rufen und gelegentlich Korruption beklagen. Sie müssen Washington, Brüssel und London auffordern, Sanktionen gegen Diktatoren zu verhängen, auch gegen diejenigen, die mit dem Westen militärisch zusammenarbeiten.“ © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Juni 2020
Berlin – In der Coronapandemie hat Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) die Arbeit von Medizinern und Forschern gewürdigt. „Deutschland ist bisher verhältnismäßig gut durch die
Karliczek dankt Ärzten, Pflegekräften und Forschern
2. Juni 2020
Berlin – Neue Methoden und Biomarker eröffnen der Präzisionsmedizin neue Möglichkeiten. Doch wo genau liegen die Chancen dieser personalisierten Medizin? Wo verbergen sich Risiken? Diese Fragen
Präzisionsmedizin: Bundesärztekammer legt Stellungnahme vor
28. Mai 2020
Gießen – Wissenschaftler des Instituts für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) bauen ein deutschlandweites Register mit humanen Proben aus dem zentralen und peripheren
Gießen: Neuropathologen bauen neues Coronaregister auf
30. April 2020
Heidelberg – Die Initiatoren der NAKO Gesundheitsstudie haben ein Zusatzmodul zur Studie konzipiert. Sie soll neue Erkenntnisse über Verbreitung, Verlauf und Auswirkungen von COVID-19 in Deutschland
NAKO Gesundheitsstudie bindet COVID-19 in Untersuchung ein
28. April 2020
Frankfurt am Main – Ein Mitte März in Frankfurt gegründeter Goethe-Corona-Fonds hat mittlerweile rund 1,5 Millionen Euro an Spenden eingenommen. Maria Vehreschild und Timo Wolf vom Schwerpunkt
Private Spenden wichtig für Forschung zu COVID-19
8. April 2020
Erlangen - Am Universitätsklinikum Erlangen sollen bald COVID-19-Patienten mit dem Blutplasma genesener Patienten behandelt werden. Das Klinikum hat die behördliche Zulassung für die Herstellung von
Rekonvaleszentenplasma soll bei schweren COVID-19-Verläufen helfen
26. März 2020
Neuruppin − Die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) soll 6,6 Millionen Euro Landesförderung bekommen. Der Haushaltsausschuss des Brandenburger Landtags beschloss gestern
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER