NewsHochschulenUniversitätsklinikum Freiburg testet neue Behandlungsoption bei Epilepsie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Universitätsklinikum Freiburg testet neue Behandlungsoption bei Epilepsie

Dienstag, 19. März 2019

/bluebay2014, stockadobecom

Freiburg – Auf eine neue Behandlungsoption für Epilepsiepatienten, bei denen Medi­ka­mente nicht ausreichend wirken und ein hirnchirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, hoffen Ärzte vom Universitätsklinikum Freiburg. Dazu haben sie jetzt ein neuartiges Stimulationssystem bei einer Patientin eingesetzt.

Im Rahmen einer klinischen Studie platzierten sie eine dünne Elektrodenmatte direkt unter die Kopfhaut auf den Schädelknochen. Durch den Stromfluss sollen die Nerve­n-zellen im Anfallsareal leicht negativ geladen und das Ruhemembranpotenzial abge­senkt werden. Dadurch reagieren die Nervenzellen langsamer und die Wahrscheinlichkeit für Anfälle soll verringert sein. Anders als etwa beim Prinzip der tiefen Hirnstimulation liegen die Elektroden auf dem Schädelknochen und kommen nicht direkt mit dem Gehirn in Kontakt.

Anzeige

„Wir haben die Hoffnung, dass wir damit bislang unbehandelbaren Patienten eine Thera­pie anbieten können“, sagt Studienleiter Andreas Schulze-Bonhage, Leiter der Abteilung Prächirurgische Epilepsiediagnostik – Epilepsiezentrum des Universitätsklinikums Frei­burg. Die Studie wird an fünf Universitätskliniken in Deutschland und Belgien durchge­führt und insgesamt zwölf Patienten einschließen.

Die erste Patientin, die das neue Stimulationssystem erhalten hat, leidet seit ihrem neunten Lebensjahr unter epileptischen Anfällen und epilepsiebedingten Fehlwahrneh­mungen des Hörens. Selbst die Kombination mehrerer antiepileptischer Medikamente zeigte keine Wirkung. Da bei ihr der Anfallsherd in dem Teil des Gehirns liegt, der für das Sprach­verständnis wesentlich ist, kam ein hirnchirurgischer Eingriff nicht infrage.

Die Implantation der Elektroden auf den Schädelknochen übernahm Volker Arnd Coenen, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. „Die Operation dauerte gerade einmal eine Stunde und die Patientin konnte das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen“, hieß es aus Freiburg. Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit des Verfahrens erwarten die Ärzte in etwa vier Mona­ten. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Mai 2020
Bonn – Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Bonn haben einen Autoantikörper identifiziert, der vermutlich bei manchen Patienten für eine sogenannte limbischen Enzephalitis – eine Hirnentzündung im
Autoantikörper im Gehirn könnte epileptische Anfälle auslösen
5. Februar 2020
Liverpool – Die Cochrane Epilepsy Group sieht keine Evidenz für die Gabe von intravenösen Immunglobulinen bei Patienten mit Epilepsie, die auf herkömmliche Antiepileptika nicht ansprechen. Der
Cochrane-Autoren sehen keine Evidenz für Immunglobulin-Therapie der Epilepsie
19. Dezember 2019
Emeryville/Kalifornien – Der Appetitzügler Fenfluramin, der vor 20 Jahren nach vermehrten Herzklappenfehlern vom Markt genommen wurde, hat in 2 randomisierten Studien im Lancet (2019; doi:
Appetitzügler Fenfluramin senkt Anfallsfrequenz bei Dravet-Syndrom deutlich
2. Dezember 2019
Ann Arbor/Michigan – Patienten, deren Status epilepticus nicht durch die intravenöse Therapie eines Benzodiazepins durchbrochen werden konnte, erholten sich in einer randomisierten Studie im New
Status epilepticus: Was nach einer Resistenz auf Benzodiazepine wirkt
28. November 2019
Mainz – Einem Epileptiker darf der Führerschein entzogen werden, wenn er nicht beweisen kann, dass er mindestens ein Jahr lang keinen Anfall hatte. Eine Eignung zum Fahren eines Fahrzeugs dürfe bei
Epileptiker darf Führerschein entzogen werden
25. November 2019
Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Antiepileptikum zugelassen. Der Wirkstoff Cenobamat erzielte bei Patienten mit schwer therapierbaren fokalen Anfällen bei etwa jedem 5.
Cenobamat kann Anfallsfreiheit bei fokalen Epilepsien erzielen
20. November 2019
Pasadena – US-Hirnforscher haben untersucht, warum die Entfernung einer Großhirnhälfte, Hemisphärektomie, in der Kindheit häufig nur mit geringen neurologischen Ausfällen im Erwachsenenalter verbunden
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER