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Medizin

Späte Vaterschaft birgt Risiken für Mutter und Kind

Mittwoch, 20. März 2019

 Spermien mit DNA/ktsdesign, adobe.stock.com
Studien weisen darauf hin, dass die DNA der Samenzellen über die Jahre Schaden nehmen kann. Die Folge: Ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Nachwuchses. /ktsdesign, adobe.stock.com

Göttingen/Stanford – Auch Spermien unterliegen Alterungsprozessen. Einen erneuten Hinweis dafür lieferte kürzlich eine populationsbasierte Kohortenstudie im British Medical Journal (2018; doi: 10.1136/bmj.k4372). Das Risiko für die Frau, einen Schwangerschafts­diabetes zu entwickeln, nahm in Abhängigkeit des Alters des Mannes zu. Beim Nachwuchs beobachteten die Forscher vermehrt Frühgeburten und ein geringeres Geburtsgewicht, wenn die Väter älter als 45 oder 55 Jahre waren. 

Die Forscher der Stanford University School of Medicine werteten Daten von mehr als 40,5 Millionen Lebendgeburten in den USA zwischen 2007 und 2016 aus. Registriert wurden Ereignisse wie Frühgeburtlichkeit (Schwangerschaftsdauer unter 37 Schwangerschafts­wochen), ein geringes Geburtsgewicht (unter 2.500 Gramm), Atemhilfe nach Geburt, Aufnahme auf eine neonatologische Intensivstation, Antibiotikagabe sowie das Auftreten von Krampfanfällen. Bei der Gesundheit der Mütter wurde vor allem nach Schwanger­schafts­diabetes und -vergiftung (Präeklampsie sowie Eklampsie) geschaut.

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Das Ergebnis zeigt, dass die Schwangerschaften mit den ältesten Vätern den ungünstigsten Verlauf nahmen. Ein Alter des Vaters ab 45 Jahren ging im Vergleich zum Referenzalter zwischen 25 und 34 Jahren mit einem signifikant höheren Risiko für eine Frühgeburt und einem niedrigen Geburtsgewicht einher. Etwa 13 % der Frühgeburten und 18 % der Fälle von Gestationsdiabetes führten die Studienautoren auf das fortgeschrittene Alter der Väter zurück.

Die Kinder der ältesten Väter benötigten auch deutlich häufiger eine Atemunterstützung nach der Geburt und mussten öfter auf eine neonatologische Intensivstation aufgenommen werden.

Kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Schwangerschaftskomplikationen

Das Risiko für schwerwiegende Schwangerschaftskomplikationen wie etwa Präeklampsie und Eklampsie bei der Mutter waren mit alten Vätern jedoch nicht höher. „Diese Studie macht deutlich, dass ein höheres Alter des Vaters Komplikationen beim Kind und der Mutter begünstigt. Andere frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie ebenfalls mit dem Alter des Vaters assoziiert sind“, ergänzt Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster.

Der Einfluss des Alters des Vaters wurde bislang vernachlässigt. Stefan Schlatt, Universitätsklinikum Münster

Mütter und Väter werden immer älter. Das Durchschnittsalter einer Frau bei der Geburt des ersten Kindes steigt an: 2007 waren die Frauen im Schnitt 29,8 Jahre alt, für 2017 gibt das Statistische Bundesamt das Alter von 31,2 Jahren an. „Mögliche Risiken einer späten Elternschaft wurden lange Zeit hauptsächlich in Bezug auf das Alter der Frau betrachtet. Der Einfluss des Alters des Vaters wurde bislang vernachlässigt“, berichtet Schlatt.

Während der lebenslange Keimzellenpool von Frauen, bestehend aus rund 400.000 unreifen Eizellen pro Eierstock, bereits zum Zeitpunkt der Geburt angelegt ist und ab diesem Datum altert, produzieren Männer im Laufe ihres Lebens Millionen von Spermien täglich immer wieder neu. „Daraus leitete sich die Annahme ab, männliche Keimzellen würden nicht altern“, erklärt Schlatt. Dabei würde jedoch nicht berücksichtigt, dass auch bei älteren Männern die Integrität der Spermien-DNA beeinträchtigt sein könnte, etwa durch genetische und epigenetische Veränderungen. „Das dadurch verursachte veränderte Ablesen von Genen könnte sowohl die Embryonal- als auch die Plazentaentwicklung beeinträchtigen“, so der Androloge aus Münster.

 
Ob und welche Risiken in der alternden Keimzelle genau auftreten, werde zurzeit erforscht, berichtet Schlatt. Bis mehr Studienergebnisse vorliegen, sollten andere Strategien verfolgt werden. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin des Endokrinologikum Göttingen, wünscht sich mehr Beratung und Aufklärung: „Es gibt hierzulande einen Trend zu später Elternschaft bei beiden Elternteilen. Da die gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind gravierend sein können, sollten Paare mit Kinderwunsch darauf hingewiesen werden, dass mit steigendem väterlichen Alter die Spermaqualität ab- und die Gefahr weiterer altersbedingter Risikofaktoren zunimmt.“ Die Kongresspräsidentin des 62. Kongresses für Endokrinologie rät Männern unter 40 Jahren dazu, sich Gedanken zu machen, ob das Einfrieren ihrer Spermien (Kryokonservierung) eine Option sein könnte. © gie/aerzteblatt.de

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