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Medizin

Süßgetränke mit und ohne Zucker erhöhen kardiovaskuläres Sterberisiko

Dienstag, 19. März 2019

/Michael Eichhammer, stock.adobe.com

Boston – Der häufige Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken war in 2 großen prospektiven Beobachtungsstudien mit einem erhöhten Risiko auf einen Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in geringerem Ausmaß auch an Krebserkrankungen verbunden. Der Wechsel auf Diätgetränke mit künstlichen Süßstoffen ist laut den in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.037401) veröffentlichten Ergebnissen keine sichere Alternative.

Cola und andere Süßgetränke gehören zum American Way of Life. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Erwachsene pro Tag mehr als 2 Süßgetränke zu sich nehmen. Der Konsum war in den letzten Jahren zwar rückläufig. Derzeit gibt es jedoch bei jüngeren Menschen dank der Energygetränke wieder einen ansteigenden Trend zum Zuckerwasser.

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Ein Team um Vasanti Malik von der Harvard T.H. Chan School of Public Health hat deshalb noch einmal in 2 großen Beobachtungsstudien den möglichen Einfluss auf das Sterberisiko untersucht. Grundlage waren die Daten von 80.647 Frauen, die an der Nurses’ Health Study (1980-2014) teilnahmen, und von 37.716 Männern aus der Health Professionals Follow-up-Studie (1986-2014). In beiden Studien beantworteten die Teilnehmer alle 2 Jahre Fragebögen zu Lebensstilfaktoren und Gesundheitszustand.

Inzwischen sind 36.436 Teilnehmer gestorben, davon 7.896 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 12.380 an Krebs. Die Analyse ergab einen „dosisabhängigen“ Anstieg des Sterberisikos, der bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen am deutlichsten ausgeprägt war, aber auch für Krebserkrankungen nachweisbar war.

Im Vergleich zu Personen, die seltener als einmal pro Monat ein Süßgetränk konsumierten, hatten Personen mit 1 bis 4 zuckerhaltigen Getränken pro Monat ein um 1 % erhöhtes Gesamtsterberisiko. Die Hazard Ratio von 1,01 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,98 bis 1,04 jedoch nicht signifikant.

Bei 2 bis 6 Süßgetränken pro Woche war das Gesamtsterberisiko bereits signifikant um 6 % erhöht (Hazard Ratio 1,06; 1,03-1,09). 1 bis 2 Süßgetränke am Tag waren mit einem Anstieg um 14 % verbunden (Hazard Ratio 1,14; 1,09-1,19) und bei 2 oder mehr Süßgetränken pro Tag war das Sterberisiko um 21 % erhöht (Hazard Ratio 1,21; 1,13-1,28).

Das erhöhte Sterberisiko war vor allem auf vermehrte Herz-Kreislauf-Todesfälle zurückzuführen (Hazard Ratio 1,31; 1,15-1,50), aber auch für Krebskranke war eine Assoziation nachweisbar. Sie war allerdings nur in der höchsten Dosis signifikant (Hazard Ratio 1,16; 1,04-1,29).

Das größte Risiko wurde für zuckerhaltige Süßgetränke gefunden, doch auch für die inzwischen beliebten „Diät“-Getränke mit künstlichen Süßstoffen war in der höchsten Dosierung eine signifikante Assoziation nachweisbar. Malik ermittelt eine Hazard Ratio von 1,04 (1,02-1,12) für die Gesamtmortalität und von 1,13 (1,02-1,12) für Herz-Kreislauf-Todesfälle.

Wie immer bei Beobachtungsstudien bleibt es letztlich möglich, dass nicht die Süßgetränke selbst, sondern andere Faktoren des damit verbundenen Lebensstils für den Anstieg des Sterberisikos verantwortlich sind. Künstliche Süßstoffe könnten zu einer Gewöhnung führen, die Menschen bei anderen Nahrungsmitteln ebenfalls zu süßen Speisen greifen lässt, die dann echten Zucker enthalten, meint Malik. Ein guter Beginn für eine Änderung des Lebensstils könnte der Wechsel auf Wasser als Getränk sein, meint die Epidemiologin.

© rme/aerzteblatt.de

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