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Ärzteschaft

Organspende sollte Thema an Schulen sein

Dienstag, 19. März 2019

/dpa

München – Organspende sollte bereits an Schulen ein Thema sein. Dafür hat sich der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Matthias Anthuber, ausgesprochen. Dies sei nötig, um die Organspendesituation hierzulande zu verbessern. „Nach meiner Auffassung fangen wir viel zu spät an zu informieren. Das Thema muss in die Schulen“, sagte Anthuber anlässlich des 136. Chirurgenkongresses, der kommende Woche in München beginnt.

Es gebe in der Grundschule Sexualkundeunterricht, um den Kindern deutlich zu machen, wie Leben beginne. Es sei nicht ganz zu verstehen, warum dann das Thema, wie Leben ende, an weiterführenden Schulen ausgeklammert werden sollte. „Man kann durchaus mit 14, 15 Jahren anfangen, mit den Jugendlichen darüber zu sprechen“, sagte Anthuber, der den DGCH-Kongress als Präsident leiten wird.

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Organspende sei „ein Akt von aktiver Nächstenliebe“, sagte er. Darüber hinaus sei eine andauernde gesellschaftliche Diskussion nötig. „Das muss ein kontinuierlicher Prozess sein.“ Auch bei Erwachsenen fehle es oft an Wissen. Viele wüssten etwa nicht, was Hirn­tod bedeute, nämlich das unwiderrufliche Absterben des Hirnzentrums, das für die Auf­rechterhaltung elementarer Lebensfunktionen zuständig ist. Zudem müssten Formulare für Patientenverfügungen angepasst werden.

Denn wenn darin lebenserhaltende Maßnahmen ausgeschlossen werden, ist eine Organ­spende nicht möglich. Grund: Vor einer Organentnahme muss der Hirntod festgestellt werden. Damit die Organe aber bis dahin trotzdem noch mit Blut versorgt werden, muss der Betroffene intensivmedizinisch versorgt werden. Die verbreitete Angst, bei einer Zustimmung zur Organspende würden die Geräte zu früh abgeschaltet, sei also völlig unbegründet – das Gegenteil sei der Fall.

Anthuber begrüßte die neue gesetzliche Regelung, nach der Krankenhäuser mehr Geld bekommen, um sich stärker um Organspenden kümmern zu können. Eigene Transplanta­tionsbeauftragte, die sich auch intensiv um die Angehörigen kümmern können, seien ebenfalls ein richtiger Schritt. Das reiche jedoch nicht aus.

Anthuber forderte erneut die Einführung der doppelten Widerspruchslösung, wie sie in vielen Nachbarländern bereits üblich ist. Danach ist jeder automatisch ein Spender. Es sei denn, er hat zu Lebzeiten ausdrücklich Nein gesagt. Zudem werden – als doppelte Absicherung – auch noch die Angehörigen gefragt.

In Berlin wird derzeit debattiert, ob und wie Entscheidungen der Bürger über Organspen­den grundlegend neu geregelt werden sollen. Die Zahl der Organspenden war nach langem Abwärtstrend 2018 wieder gestiegen. © dpa/aerzteblatt.de

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