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Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs erschienen

Dienstag, 19. März 2019

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Bonn – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs erschienen. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) hat die Arbeit an der Leitlinie federführend betreut. Insgesamt waren 20 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 3.600 Männer und 500 Frauen an einem Kehl­kopf­karzinom. Es ist damit die dritthäufigste Krebsart im Kopf-Hals-Bereich. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen chronischer Alkohol- und Tabakkonsum. Mehr als der Hälfte der Tumoren im Kopf-Hals-Bereich sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits lokal fortgeschritten und benötigen laut der DGHNO-KHC interdisziplinär abgestimmte komplexe Therapieverfahren.

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„Vor allem die Entscheidung über ein an die spezielle Situation angepasstes Therapie­verfahren beim Kehlkopfkrebs erfolgt bislang immer noch sehr unterschiedlich“, erklärte Friedrich Bootz von der Universitätsklinik Bonn, der Koordinator der Leitlinie. Grund­sätz­lich wird bei chirurgisch entfernbaren Tumoren laut den Leitlinienautoren die opera­tive Behandlung empfohlen. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann zusätzlich eine adjuvante Radiotherapie/Radiochemotherapie hinzugefügt werden.

„Die verschiedenen Behandlungsstrategien beim Kehlkopfkrebs sind jeweils mit spezifi­schen Vor- und Nachteilen verbunden. Vor Behandlungsbeginn ist es deshalb wichtig, im interdisziplinären Dialog für jeden Patienten das individuell bestmögliche Konzept zu ermitteln. Da mehrere Funktionen wie Stimmbildung, Schlucken und Atmung beeinträch­tigt sein können, müssen den Betroffenen die möglichen Störungen, die nach einem solchen Eingriff entstehen können, detailliert erklärt werden“, erläuterte Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz, die für die Aufarbeitung der wissenschaftlichen Literatur dieser Leitlinie verantwortlich war.

Außerdem sollten die Patienten unter Einbeziehung von Logopäden und Patientenbe­treuern der Selbsthilfegruppen frühzeitig über die verschiedenen Rehamöglichkeiten informiert werden. Denn die Patienten profitierten zum Beispiel davon, wenn nach der Therapie das Schlucken so früh wie möglich trainiert werde.

Auch die berufliche Rehabilitation nach Kehlkopfkrebs sei eine besondere Herausforde­rung, und Ärzte sollte diese von Therapiebeginn an bei der Entscheidungsfindung be­rücksichtigen. Wichtig sei außerdem eine sofortige und langfristige bedarfsorientierte psychoonkologische und psychosoziale Versorgung, so Singer.

Das Leitlinienprogramm Onkologie besteht seit dem Jahr 2008. Es wird von der Arbeits­gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe gemeinsam getragen. Mittlerweile liegen mehr als 25 S3-Leitlinien vor, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien erschienen sind. © hil/aerzteblatt.de

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