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Ärzteschaft

Ärzte rufen zur Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes auf

Dienstag, 19. März 2019

/dpa

Berlin/Düsseldorf – Zum heutigen ersten „Tag des Gesundheitsamtes“ haben Ärztever­bände auf die Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) hingewiesen und gefordert, diesen attraktiver zu machen. „Es ist höchste Zeit, die Bedeutung des ÖGD als dritte Säule im Gesundheitswesen hervorzuheben“, sagte der erste Vorsitzende des Mar­burger Bundes (MB) und Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. 

Die Arbeit der rund 400 Gesundheitsämter erfahre nicht die notwendige Wertschätzung in der Öffentlichkeit. Deutlich werde der Nutzen des ÖGD immer erst dann, wenn es um die Abwehr und Bekämpfung von schweren Infektionserkrankungen gehe, wie beim EHEC-Ausbruch 2011. Die Bekämpfung und Begrenzung von Ausbrüchen sei aber nur ein kleiner Teil der Aufgaben von Gesundheitsämtern in Deutschland.

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„Das Aufgabenspektrum ist breit gefächert und umfasst neben der Gefahrenabwehr auch Beratungs- und Unterstützungs­angebote für Schwangere, Familien, Kita- und Einschu­lungs­untersuchungen, Kontroll- und Überwachungsaufgaben im Bereich der Kranken­haus-, Umwelt- und Seuchenhygiene sowie die Mitwirkung an der Gesundheitsbericht­erstattung und Politikberatung“, betonte Henke.

Die mangelnde Wertschätzung gegenüber dem ÖGD drücke sich auch in der Weigerung der öffentlichen Arbeitgeber aus, die Ärzte in den kommunalen Gesundheitsbehörden ihren Kollegen in den Krankenhäusern tarifvertraglich gleichzustellen. Ärzte in den Gesundheits­ämtern erhielten daher im Vergleich zum Krankenhausbereich bis zu 1.000 Euro weniger Gehalt pro Monat.

Die Zahl der Ärzte im ÖGD hat laut Henke bundesweit seit 1995 um 35 Prozent auf heute noch rund 2.500 stark abgenommen. In vielen Ämtern führe der Ärztemangel zu einer permanenten Überlastung des vorhandenen Personals und drohe, sich weiter zu ver­schärfen. Spätestens bei Seuchenausbrüchen seien Ärzte im ÖGD aber gefragte Experten.

„Auch dass beispielsweise Menschen in psychischen Krisensituationen, Schwangere in Konfliktsituationen oder Jugendliche bei Schulabsentismus schnell eine Beratung erhal­ten und nicht durch das soziale Netz rutschen, liegt auch und gerade am Einsatz von Ärzten im ÖGD“, betonte Henke.

Bereits gestern hatte die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) darauf hingewiesen, dass der ÖGD „Opfer seines eigenen Erfolgs“ sei. „Regelmäßig loben ihn Politiker für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Gesundheitsmanagement – und bürden ihm immer neue Aufgaben auf. Gleichzeitig nehmen aber die für seine Aufgabenwahr­neh­mung dringend erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen ab“, kritisierte Susanne Johna aus dem BÄK-Vorstand. © hil/aerzteblatt.de

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