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Medizin

Krebs wird in Europa seltener – Brustkrebs in Polen aber häufiger

Mittwoch, 20. März 2019

fotoliaxrender - stock.adobe.com

Mailand – In diesem Jahr werden in der Europäischen Union (EU) vermutlich 787.800 Männer und 621.900 Frauen an Krebs sterben. Dies wären nach Berechnungen in den Annals of Oncology (2019; doi: 10.1093/annonc/mdz051) zahlenmäßig etwas mehr als im letzten Jahr. Insgesamt geht der Trend jedoch nach unten – außer im Osten der EU. Für Polen beispielsweise wird ein Anstieg der Krebstodesfälle, vor allem beim Mammakarzinom erwartet.

Ein Team um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand veröffentlicht einmal im Jahr Schätzungen zur Entwicklung der Krebstodesfälle in Europa. Als Quelle dienen die von der Welt­gesund­heits­organi­sation veröffentlichten Zahlen aus den Sterberegistern der einzelnen Länder. In jedem Jahr greifen die Forscher einzelne Krebserkrankungen heraus, in diesem Jahr ist es das Mammakarzinom der Frau.

Das Mammakarzinom war in Europa lange Zeit die mit Abstand häufigste Krebstodes­ursache bei Frauen. Dies hat sich in den letzten Jahren infolge einer steilen Zunahme der Lungenkrebstodesfälle geändert, die allein auf die Zunahme der Raucherinnen seit den 1970er-Jahren zurückzuführen ist. Im Jahr 2016 starben in der EU erstmals mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs.

Im Jahr 2019 werden vermutlich 96.800 Frauen an Lungenkrebs und 92.800 an Brustkrebs sterben. Die 92.800 Todesfälle an Brustkrebs bedeuten einen zahlenmäßig leichten Anstieg gegenüber dem Jahr 2014 (92.000 Todesfälle). Dies ist laut La Vecchia jedoch einzig auf die steigende Lebenserwartung und die Zunahme der Bevölkerung zurückzuführen. Die altersbereinigte Sterberate am Mammakarzinom geht seit den 1990er-Jahren zurück. Allein in den letzten 5 Jahren ist es zu einem Rückgang um 8,7 % gekommen (gegenüber einer Zunahme der Todesfälle am Lungenkrebs bei Frauen um 4,4 %).

Der Rückgang der Brustkrebstodesfälle fiel mit 16,4 % seit 2014 am stärksten in der Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen auf. Es ist die Altersgruppe, in der Frauen zur Mammografie geraten wird. Die Früherkennung wird in verschiedenen Ländern von den Frauen unterschiedlich stark angenommen. Relativ niedrig ist die Teilnehmerrate in Polen (wo laut einer Vergleichsstudie im Jahr 2007 nur 19,4 % der Frauen am Screening teilnahmen gegenüber fast 90 % in Navarra/Spanien).

Ob dies die unterschiedliche Entwicklung der Brustkrebssterblichkeit in den beiden Ländern erklärt, kann La Vecchia nicht belegen. Auffällig ist allerdings, dass die altersbereinigte Sterberate am Mammakarzinom (alle Altersgruppen) in Spanien seit 2014 um 11,3 % gesunken ist, während sie in Polen um 6,1 % zunahm. In den 4 weiteren Ländern, zu denen La Vecchia Daten vorstellt, ging die altersbereinigte Sterberate am Mammakarzinom ebenfalls zurück: Großbritannien minus 17,7 %, Deutschland minus 12,5 %, Frankreich minus 12,1 % und Italien minus 9,7 %. Polen steht in der Studie stellvertretend für die ehemaligen Ostblockstaaten, in denen es vermutlich nicht anders aussieht, zu denen La Vecchia jedoch keine Zahlen vorlegt.

Insgesamt werden nach der Prognose von La Vecchia in diesem Jahr in der EU 1,4 Millionen Menschen an Krebs sterben. Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber den 1,35 Millionen Krebstoten im Jahr 2014. In der altersbereinigten Sterberate gibt es seit 2014 einen Rückgang von 139 auf 131 pro 100.000 bei Männern und von 86 auf 83 pro 100.000 bei den Frauen.

Lungenkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebstodesursache in beiden Geschlechtern: In diesem Jahr werden vermutlich 183.200 Männer und 96.800 Frauen daran sterben. Bei Männern ist die altersbereinigte Sterberate in den letzten 5 Jahren von 36 auf 32 pro 100.000 (Rückgang um 9 %) gesunken. Bei Frauen kam es zu einem Anstieg von 14,2 auf 14,8 pro 100.000 (plus 4 %).

Beim Pankreaskarzinom ist der Trend ungünstig. Bei Männern wird die altersbereinigte Sterberate 2019 zwar stabil bleiben. 45.600 Todesfälle entsprechen einer altersbereinigten Sterberate von 7,92 pro 100.000 Personen. Bei Frauen gab es in den letzten 5 Jahren einen Anstieg der altersbereinigten Sterberate um 1,6 % auf 5,57 pro 100.000 Personen. In diesem Jahr werden etwa 45.100 Frauen an einem Pankreaskarzinom sterben.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #25633
Dr. med. Friedr.-Wilh. Bielefeld
am Donnerstag, 21. März 2019, 10:39

Die Überschrift ist irreführend

Die aktuellen Zahlen der IARC in Lyon zeigen, daß die Erkrankungszahlen von Krebs in Europa in allen Altersgruppen und beiden Geschlechtern ständig zunehmen, besonders die hormonabhängigen Krebse bei Mann und Frau. Diese Ergebnisse aus Italien spiegeln doch nur das Ergebnis der modernen Krebstherapien und den Segen der Vorsorgeuntersuchungen dar. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Der Krebs entwickelt sich zur "Pest des 21. Jahrhunderts".
LNS

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