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Politik

Krankenhäuser wollen Ende der „Zermürbungs­strategie“

Mittwoch, 20. März 2019

/upixa, stockadobecom

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) will sich in die Diskussion um die Zukunft der stationären Versorgung mit eigenen Vorschlägen zur Personalbesetzung und zur künftigen Struktur der Krankenhauslandschaft einbringen. „Wir wollen ein Ende der destruktiven Krankenhauspolitik und den Gesundheitspolitikern die Hand reichen“, sagte Gerald Gaß, Präsident der DKG, auf dem Frühjahrsempfang seiner Gesellschaft gestern in Berlin.

Im Gegenzug verlangte die DKG ein Ende der „Zermürbungsstrategie“ von den Bundeslän­dern beim Thema Investitionskostenfinanzierung. „Wir fragen uns schon, wo sind die Bun­desländer, die bei den Finanzen für Krankenhäuser mutig voranschreiten?“, fragte Gaß in die Runde. Man wolle wieder den Dialog fördern und die aus Sicht der DKG „Strukturbe­reini­gungen auf dem kalten Weg“ überwinden. Dazu hatte der Vorstand der DKG gestern Vormittag Beschlüsse zur künftigen Personalgestaltung sowie zur Strukturdiskussion gefasst. „Einstimmig“, wie Gaß am Abend betonte.

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Um dem Fachkräftemangel vor allem in der Pflege zu begegnen, will die DKG in einem „Schulterschluss“ mit dem Deutschen Pflegerat, Pflegekammern und Gewerkschaften ein eigenes Personalbemessungsinstrument entwickeln, das „eine angemessene Pflegeperso­nalausstattung definiert und die bürokratischen und fehlgesteuerten Pflegepersonal­untergrenzen überflüssig macht.“

Dabei soll das geplante Instrument den Personalbedarf in der Pflege für das ganze Haus bemessen, nicht wie in den vom BMG festgelegten Personaluntergrenzen pro Station. Diese können nach DKG-Sicht „nur eine vorübergehende Maßnahme sein, um in der Übergangs­phase zu dem neuen System problematische Unterbesetzungen zu identifizie­ren“, heißt es in einem Eckpunktepapier dazu.

„Wir wollen keine schichtbezogene Excel-Tabellen aus Berlin“, sagte Gaß vor den DKG-Vertretern beim Empfang. Mit diesem Ganzhausansatz erhofft man sich eine deutliche Entbürokratisierung und ein aktives Personalmanagement, damit die Attraktivität des Arbeitsplatzes Krankenhaus wieder steigt. „So erfahren ausgebildete Pflegende wieder mehr Wertschätzung und fühlen sich weiter an ihren Beruf gebunden“, sagte Gaß. Mit dem neuen Instrument sollen auch Pflegekräfte, die den Beruf verlassen haben, wieder zur Rückkehr bewegt werden oder Mitarbeiter in Teilzeit zu mehr Arbeitszeit ermutigt werden.

Der Strukturdebatte in der stationären Versorgung will sich die DKG aktiv stellen. Dabei müsse der Abbau von Parallelstrukturen und Unterversorgung in einigen Regionen in einem „gemeinsamen Pakt von Politik, Krankenhäusern und Krankenkassen“ angestoßen werden, heißt es. Gleichzeitig müssten aber auch die nicht mehr überschaubaren regulatorischen Anforderungen und überzogene MDK-Prüfungen ein Ende haben, erklärte Gaß.

Dabei spielte er auch auf die anhaltenden Klagen der Krankenkassen über die vermeint­lich fehlerhaften Abrechnungen ab. Er wehrte sich gegen die Unterstellung der Falschab­rechnungen und warb vor Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) dafür, die OPS-Codes sowie die gesamte Klinikabrechnung zu entschlacken. „Von den 2.000 Kranken­häusern überblickt kaum mehr eins diese Komplexität“, so Gaß.

Auch beim Thema Notfallversorgung wollen sich die Krankenhäuser nicht von den niedergelassenen Ärzten hineinreden lassen. „Selbst die Mitarbeiter der Terminservice­stellen schicken die Patienten zu uns“, so Gaß. Man wolle sich einige Bundesländer, in denen die Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung mit der jeweiligen KV bereits gut klappt, zum Vorbild nehmen.

„Fläckendeckende Einlasskontrollen“ in die Krankenhäuser durch die KVen lehnte Gaß dagegen vehement ab. „Krankenhäuser sind die zentralen Punkte der regionalmedizini­schen Versorgung. Eine sektorenübergreifende Planung kann und sollte dies berücksichti­gen“, schreibt der DKG-Vorstand in einem Eckpunktepapier.

Dazu regt die DKG eine Diskussion über die Strukturen an, bei der die politische Feder­führung bei den Ländern liegen und transparent mit den Betroffenen – neben den Be­schäftigten, den Bürgern auch der Kommunalpolitik – auf Regionalkonferenzen geführt werden sollte. Auch Krankenhausträger sollten hier eine „aktive und verantwortungs­volle“ Rolle bekommen. Um diese Strukturveränderung hinzubekommen, sei es eine „Grundvoraussetzung“, dass eine „spürbare Ausweitung der bisherigen Investitionsfinan­zierung“ durch die Länder erfolge. © bee/aerzteblatt.de

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