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Standards für psychosoziale Versorgung in der Transplantations­medizin erforderlich

Donnerstag, 21. März 2019

/dpa

Berlin – Die Transplantation eines Organs findet immer in einer Krisensituation statt, die nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche des Empfängers betrifft. Darauf haben Experten gestern bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hingewiesen. Der Kongress findet bis zum 22. März in Berlin statt.

„Meist geht der Transplantation eine lange Phase schwerer Erkrankung mit Klinikaufent­halten, Abhängigkeit von Maschinen, Ungewissheit und Todesangst voraus“, erläuterte Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medi­zinischen Hochschule Hannover (MHH). Unbehandelte psychische Probleme und andere ungünstige psychosoziale Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, könnten mitverantwortlich sein, weshalb das transplantierte Organ abgestoßen werde.

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Wie Transplantatempfänger und Lebendorganspender psychosozial vor und nach der Operation begleitet werden sollten, entwickeln Experten derzeit in einer neuen S3-Leit­linie, die ab 2020 wissen­schaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen geben soll. Koordinatorin der Leitlinie ist Martina de Zwaan.

Die Wartelisten für die oft lebenswichtigen Organe sind lang, und bei der Vergabe stehen körperliche Kriterien im Vordergrund. „Zu einem nicht unerheblichen Teil hängen der Erfolg der Transplantation und der Erhalt des Organs jedoch auch von psychosozialen Faktoren ab“, sagte de Zwaan. Je nach Untersuchung leiden etwa 25 bis 60 Prozent der potenziellen Transplantatempfänger unter schwerwiegenden psychischen Problemen wie Angst­störungen und Depressionen.

„Bei Transplantierten mit solchen Störungen sind Abstoßungs­reaktionen häufiger, die Lebensqualität geringer und die Sterblichkeit erhöht“, betonte die Expertin. Auch andere Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, ungünstiges Gesundheits­verhalten, schwerwiegende berufliche Probleme oder ein fehlendes soziales Netzwerk wirkten sich ungünstig auf den Erfolg der Transplantation aus.

Organverluste durch Non-Adhärenz

Eine große Herausforderung nach Transplantationen stellt nach Ansicht der Expertin die Non-Adhärenz dar. „Verschiedene Übersichtarbeiten zeigen, dass, je nach Untersuchung, zwischen 14 und 36 Prozent der Organverluste auf eine nicht-gewissenhafte Einnahme der immunsupprimierenden Medikamente zurückzuführen sind“, berichtete de Zwaan. Die Gründe für die Non-Adhärenz sind vielfältig: starke Medikamentennebenwirkungen, generelle Überforderung oder die fälschliche Annahme, man benötige die Medikamente nicht mehr.

Angesichts der hohen Relevanz psychosozialer Faktoren für den langfristigen Erfolg einer Transplantation fordern die Initiatoren der Leitlinie, die Deutsche Gesellschaft für Psycho­somatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), Fachleute aus dem Bereich der Psychosomatik, Psychologie oder Psychiatrie in den gesamten Transplantationsprozess einzubinden.

Derzeit gebe es dafür keine einheitlichen Standards in den Kliniken. „Jeder Patient sollte bereits vor der Aufnahme auf die Warteliste psychosozial evaluiert werden. Auch bei den Transplantationskonferenzen, in denen über die Aufnahme in die Warteliste entschieden wird, sollten entsprechende Fachleute einbezogen sein, ebenso muss die psychosoziale Nachsorge verbessert werden“, sagt de Zwaan.

Die aktuelle Leitlinie befasst sich auch mit der psychosozialen Diagnostik und Behand­lung von Lebendspendern. „Die Lebendspende stellt für den gesunden Spender keinen Heileingriff dar, sodass der Schutz des Spenders vor möglichen negativen Folgen von besonderer Wichtigkeit ist“, so de Zwaan. Dies erfordere strikte Vorgaben bezüglich Eva­luation und Aufklärung. Zwar träten psychosoziale Probleme deutlich seltener auf als bei Organ­empfängern, dennoch sei auch für Spender eine psychosoziale Nachsorge empfeh­lenswert. © PB/aerzteblatt.de

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