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Medizin

Hoher THC-Gehalt erhöht Psychoserisiko von Cannabiskonsumenten deutlich

Donnerstag, 21. März 2019

/portishead5, stock.adobe.com

London – Junge Patienten in der ersten Episode einer Psychose gaben in einer inter­nationalen Fall-Kontroll-Studie häufig einen täglichen und hochdosierten Cannabiskonsum an. Er könnte nach Berechnungen in Lancet Psychiatry (2019; doi: 10.1016/S2215-0366(19)30048-3) in London für 30 % und in Amsterdam sogar für 50 % aller Psychosen bei jüngeren Menschen verantwortlich sein.

Psychiater beobachten schon seit Längerem, dass viele Patienten, die wegen einer ersten Episode einer Psychose in Behandlung sind, häufig starke Cannabiskonsumenten sind. Die Assoziation ist mittlerweile durch zahlreiche epidemiologische Studien belegt, die allerdings streng genommen eine Kausalität nicht beweisen können. Es bleibt möglich, dass die Patienten mit beginnender Psychose aufgrund ihre Erkrankung anfälliger für einen Cannabiskonsum sind, der dann Folge und nicht Ursache der Psychose wäre. Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung wird jedoch als wichtiger Hinweis für eine Kausalität bewertet. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass Psychosen in Städten, wo die Cannabisdroge leichter erhältlich ist, häufiger sind als auf dem Land. Dies gilt insbesondere für bestimmte Metropolen wie London, Paris oder Amsterdam.

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Das „European Network of National Schizophrenia Networks Studying Gene-Environment Interactions“ (EU-GEI) hatte in einer früheren Untersuchung herausgefunden, dass die Inzidenz einer ersten Episode einer Psychose (FEP) im Südosten Londons 10-mal höher ist als in Santiago de Compostela, einem abgelegenen Wallfahrtsort in Spanien, wo vermutlich deutlich weniger Cannabis geraucht wird (JAMA Psychiatry 2018; 75: 36-46). Die regionale Häufung widerspricht jedenfalls der Lehrmeinung, dass die Schizophrenie in allen Ländern und Kulturen gleich häufig auftritt.

Die Cannabisdroge ist nicht nur in den Städten leichter erhältlich, der Gehalt der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) ist dort auch deutlich höher. Die in Amsterdam erhältlichen Sorten „Nederwiet“ und „Nederhasj“ sollen 22 beziehungsweise 67 % THC enthalten. Das in London verbreitete „Skunk-like“ Cannabis enthält durchschnittlich 14 % THC, während in Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien immer noch häufig pflanzliche Cannabisarten mit einem THC-Gehalt von weniger als 10 % verwendet werden.

Parallel zum Anstieg des THC-Gehaltes ist der Anteil an Cannabidiol (CBD) deutlich gesunken. CBD hat nur eine geringe psychoaktive Wirkung, ihm werden aber eine Reihe von günstigen medizinischen Wirkungen (entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit) zugeschrieben. CBD soll sogar eine antipsychotische Wirkung haben. Es könnte deshalb sein, dass in den Städten eine Droge angeboten wird, die immer ungesünder geworden ist und vielleicht das Psychoserisiko stärker erhöht als andernorts.

In der aktuellen Studie haben Marta Di Forti vom Institute of Psychiatry in London und Mitarbeiter 901 FEP-Patienten nach ihrem Cannabiskonsum befragt und die Antworten mit 1.237 gesunden Kontrollen verglichen. Die Teilnehmer kamen aus 11 Regionen von England (London und Cambridge), Frankreich (Paris und Puy de Dôme), den Niederlanden (Amsterdam, Gouda und Voorhout), Spanien (Madrid und Barcelona) und Italien (Bologna und Palermo) sowie einer Region Brasiliens (Ribeirão Preto).

266 FEP-Patienten (29,5 %) gaben an, dass sie täglich Cannabis konsumieren gegenüber 84 Personen (6,8 %) aus der Kontrollgruppe. Di Forti ermittelt eine Odds Ratio von 6,2 (95-%-Konfidenzintervall 4,8 bis 8,2), die nach Berücksichtigung von Kofaktoren auf 3,2 (2,2-4,1) sank. Der tägliche Cannabiskonsum könnte das FEP-Risiko demnach um mehr als das Dreifache erhöhen.

Hinzu kam, dass FEP-Patienten offenbar eine Vorliebe für Cannabisprodukte mit einem hohen THC-Gehalt haben. Insgesamt 37,1 % der FEP-Patienten gegenüber 19,4 % in der Kontrollgruppe gaben an, schon einmal Cannabisprodukte mit einem geschätzten Gehalt von mehr als 10 % THC konsumiert zu haben. Für den täglichen Konsum von Cannabis mit mehr als 10 % THC ermittelt Di Forti sogar eine Odds Ratio von 4,8 (2,5-6,3).

In einer Berechnung der sogenannten „Population Attributable Fraction" (PAF) kommt Di Forti zu dem Ergebnis, dass in den 11 Regionen im Durchschnitt 12,2 % (3,0-16,1 %) der FEP-Fälle vermieden werden könnten, wenn dort keine hochdosierten THC-Produkte mehr verfügbar wären. In London betrug der PAF 30,3 % (15,2-40,0 %) und in Amsterdam sogar 50,3 % (27,4-66,0 %). Das Verbot der hochdosierten THC-Produkte könnte demnach das Gesundheitswesen deutlich entlasten, sofern den Assoziationen tatsächlich eine Kausalität zugrunde liegt.

Eva Hoch, die am Klinikum der Universität München eine Forschungsgruppe Cannabinoide leitet, hebt die Qualität der Studie hervor, gibt aber zu bedenken, dass auch eine methodisch hochwertige Studie nicht alle Kovariaten erfassen damit kontrollieren könne. Die Frage mach der Kausalität bleibe deshalb unbeantwortet.

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Bedenken, sollten nach Ansicht von Hoch jedoch Jugendliche und junge Erwachsene, vor allem aber Personen mit einem hohen Erkrankungsrisiko – zum Beispiel Kinder von Psychoseekrankten – gezielt über die Risiken von Cannabis im Zusammenhang mit Psychosen aufgeklärt werden.

Für Menschen, die bereits an einer Psychose erkrankt sind und Cannabis konsumieren, sei ein Konsumstopp sinnvoll. Studien hätten gezeigt, dass die Erkrankung dann einen viel besseren Verlauf nehmen könne. Cannabisspezifische Behandlungsprogramme könnten die Betroffenen dabei wirksam unterstützen.

Nach Meinung von Rainer Thomasius, dem Ärztlichen Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, sollte die Studie ein Anlass sein, die Aufklärung über das Psychose-Erkrankungsrisiko durch regelmäßigen Cannabisgebrauch zu intensivieren. Die Studie sei ein weiterer Beleg dafür, dass eine Legalisierung von Cannabis in gesundheitspolitischer Hinsicht verheerende Folgen haben könne.

Auch für Ursula Havemann-Reinecke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Göttingen zeigt die Studie, „wie viele andere Studien auch“, dass Cannabis keine harmlose Substanz ist. Cannabis sollte, so Havemann-Reinecke, nicht so einfach legalisiert und von der Wirtschaft reguliert werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #754103
Biochemie
am Freitag, 22. März 2019, 12:05

Volksbeobachter und Cannabis

Der menschliche Geist besteht aus Gedanken, Gefühlen und Verhalten.
Dieses nennen wir auch Psyche.
Die Entwicklung der Persönlichkeit beginnt schon vor der Geburt. Das bedeutet, wenn die Mutter in der Schwangerschaft z. B. Alkohol trinkt hat dieses Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. So werden auch andere Wirkstoffe oder Ernährung einen Einfluss haben.

Wenn jetzt ein Mensch in irgend einer Form eine Störung hat und er greift zu Cannabis, Alkohol, Arbeit bis zum Umfallen, Sport, Humor, Musik usw. um sich zu beruhigen oder Stabilisieren handelt es sich nicht um die Bewältigung der Ursache seiner Unwohlsein. Es ist eine Überlebensstrategie. Da auch die Beschäftigung mit der Ursache zu schmerzhaft ist und verdrängen tut nicht weh.

Die Person muss versuchen die Gründe zu hinterfragen und dieses ist Arbeit an seiner Biografie und Arbeit an dem Wissen der Psychologie und Medizin. Bei einigen bleibt es eine lebenslange Arbeit und sich immer wieder zu hinterfragen.

Wenn die Person einen Wirkstoff nimmt z. B. Cannabis (THC) dann benötigt sie nicht die Arbeit an sich selber durch Psychologie und Medizin. Sie lernt, ich nehme den Wirkstoff und mir geht es besser. Ich fühle nicht mehr den Schmerz der in der selben Gehirnregion ausgelöst wird wie Körperlicher Schmerz.

Denn dieses Menschen jetzt immer verdrängen, um nicht zu spüren und dabei zu Cannabis (THC) greifen bleiben die Verletzungen in der Biografie ohne Erklärung im unbewussten.

So ist eine Psychose eine Möglichkeit, um mit diesen Verletzungen zu leben.

Zusammenfassung:
Ein Mensch der in seiner Lebensgeschichte eine oder mehrere Verletzungen hat, kommt besser durch das Leben, wenn er diese aufarbeitet, Bewusst macht als wenn er sich mit Cannabis beruhigt und seinen Schmerz nicht mehr fühlt.

Grüße von Peter


















Avatar #705995
Hermione
am Freitag, 22. März 2019, 09:54

Legalität bedeutet mehr Kontrolle und nicht weniger!

Die Argumente der Befragten Experten leuchten mir nicht ganz ein; selbstverständlich sollte - unabhängig von einer Legalisierung über die potentiellen und tatsächlichen Risiken aufgeklärt werden (wie bei Alkohol oder Nikotin auch) - aber eine legale Abgabe an Erwachsene würde die Möglichkeit einer Kontrolle des THC-Gehaltes eröffnen: Abgabe geprüfter Cannabisprodukte mit Herstellernachweis und detaillierter Inhaltsdeklaration. Der Staat könnte ja einen maximalen TCH-Wert festlegen...
Man kann den Menschen potentiell gesundheitsschädliches Verhalten weder verbieten noch "aberziehen" und dass die bisherige Drogenpolitik den Konsum nicht verhindert, ist ja wohl offensichtlich...Mir wäre jedenfalls wohler bei dem Gedanken, meine jugendlichen Kinder kaufen offiziell geprüftes Cannabis - sofern sie das irgendwann möchten. Und falls ich selbst mal Lust verspüre, einen Keks zu konsumieren, dann sollte das ebenfalls meine legale Entscheidung sein...
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 21. März 2019, 23:02

Falsche Überschrift!

Genau das, was in der Überschrift steht, belegt die Studie nach eigenem Eingeständnis der Autoren nicht!
Da bis heute keinerlei Korrelation zwischen Cannabiskonsum einerseits und Prävalenz und Inzidenz der schizophrenen Psychosen andererseits gefunden wurde, ist das ganze nur ein willkürlich hergestellter Zusammenhang zweier durch irgend
Prävalenz und Inzidenz dümpeln konstant auf gleichem Niveau, in Großsstädten ist de Präveine noch nicht geklärte Korrelation verbundener Datensätze.
Wo ist den der dramatische Anstieg der Neuerkrankungen an Schizophrenien als Folge des explodierenden Cannabiskonsums und der THC-Gehalte der letzten 50 Jahre?

LNS

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