NewsÄrzteschaftMarburger Bund verhandelt für angestellte Ärzte in Praxen und MVZ
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Marburger Bund verhandelt für angestellte Ärzte in Praxen und MVZ

Donnerstag, 21. März 2019

/dpa

Düsseldorf/Mainz – Der Landesverband Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz des Mar­burger Bundes (MB) wird mit dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz Tarif­verhandlungen für angestellte Ärzte in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) aufnehmen. Darauf hat der MB-Landesverband jetzt hingewiesen.

Hintergrund ist, dass eine Anstellung im niedergelassenen Bereich für die Ärzte bedeutet, dass die aus dem Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ärzte) des MB gewohnten tariflichen Stan­dards für sie nicht mehr gelten. Jeder Einzelne müsse vielmehr selbst über seine Arbeits­bedingungen verhandeln.

Anzeige

„Wir wissen aus der täglichen Beratungspraxis des MB, dass die individuell vereinbarten Konditionen oft unterhalb des branchenüblichen Standards der TV-Ärzte liegen“, erklärte Karlheinz Kurfeß für den MB-Landesverband. Kurfeß ist Vorsitzender der Bezirks­ärzte­kammer Koblenz und stellvertretender Vorsitzender der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz.

Mitunter lägen die Gehälter im ambulanten Bereich unter dem Klinikstandard, hieß es aus dem MB. Die in den Tarifverträgen übliche automatische Dynamisierung der Gehälter fehle oft gänzlich, ebenso meist konkrete Vereinbarungen zu Überstunden, Arbeitszeiten, Fortbildungsurlaub, betrieblicher Altersversorgung oder zum Krankengeldzuschuss.

Der MB Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz hat deshalb mit dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz seit etwa eineinhalb Jahren Gespräche geführt. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz hat einen Arbeitgeberverband ge­gründet, der nun mit dem MB Tarifverhandlungen aufnehmen kann und wird“, sagte Kurfeß.

„Es ist unser erklärtes Ziel, die Arbeitsbedingungen für angestellte Ärzte in Praxen und MVZ mit eigenen Tarifverträgen zu verbessern, damit der Wechsel aus der Klinik nicht zu Verschlechterungen führt“, betonte er. Laut dem MB arbeiten in allein in Rheinland-Pfalz rund 1.850 angestellte Ärzte im niedergelassenen Bereich. Ihre Zahl steige jährlich um rund zehn Prozent. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 22. März 2019, 09:58

Ist der Hausärzteverband RLP an Dummheit noch zu überbieten?

Weder weiß ich es noch habe ich eine Vorstellung davon, welche Maßeinheit zur Messung von Dummheit geeignet wäre, um diese Frage objektiv beantworten zu können. Aber nachdem der Hausärzteverband RLP einen Arbeitgeberverband gegründet hat, stelle ich die Frage, wie man so blöd sein kann.

Warum blöd? Nun ja, der HÄV gründet einen Arbeitgeberverband und damit gibt es für die hausärztlichen Praxisinhaber jetzt erstmals einen Verband, der die Gehälter für die angestellten Ärzte aushandeln muss! Genau wie bei den MFA. Damit hat der HÄV allen Praxisinhabern geschadet.

Sie finden das in Ordnung? Warten Sie ab, die Aufklärung folgt.

Für die MFA hat ein Arbeitgebervertreter, offenkundig der Präsident der LÄK Sachsen (was der mit den Arztpraxen in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber zu tun hat ist mir übrigens völlig schleierhaft), aktuell eine Gehaltserhöhung von 2,5% ausgehandelt. Gleichzeitig wird die Gesamtvergütung im Bereich der KV Nordrhein um 1,7% erhöht (auch aktuell).
Konsequenz: Die Gehälter der Mitarbeiter steigen stärker als die Gesamtvergütung. Sofern du Praxisinhaber bist, wirst du wissen, zu wessen Lasten die Differenz von 0,8 Prozentpunkten geht: Das zahlst du als Arbeitgeber, das geht von deinem eigenen Überschuss ab!

Bisher gab es für die Hausärzte in RLP keinen Arbeitgeberverband. Ohne einen Arbeitgeberverband gab es mangels Tarifpartner keine Tarifverhandlungen. Hätte der HÄV also alles so belassen wie es war, nichts wäre passiert. Aber der HÄV hat in seiner unendlichen Doofheit beschlossen, einen Arbeitgeberverband zu gründen. Damit hat der Marburger Bund als Arbeitnehmervertreter jetzt „auf der anderen Seite“ einen Tarifpartner gefunden. Was machen Tarifpartner? Sie sprechen über Tarife. Dann ergibt es sich im Laufe der Gespräche, dass die eine Seite (die nennen sich Arbeitnehmer) mehr Geld verdienen will als die andere Seite (das sind die Arbeitgeber) zu zahlen bereit ist.

Was folgt? Eine Tarifauseinandersetzung bis hin zum Arbeitskampf. Am Ende gibt es dann einen Tarifabschluss von x%.

Wenn x größer 1,7, dann zahlt der Praxisinhaber auch die Tariferhöhung bei den angestellten Ärzten aus der eigenen Tasche. Bei Helios hat der Marburger Bund dieses Jahr eine Tarifsteigerung von 2,5% durchgesetzt, nächstes Jahr ebenfalls 2,5%. Also auch hier liegen die Tarifsteigerungen über den Honorarsteigerungen.

Der HÄV ist selbstverständlich nicht Helios. Aber auch beim ÖGD will der Marburger Bund deutliche Tariferhöhungen durchsetzen. Es ist die ureigenste Aufgabe eines Arbeitnehmerverbandes, die Interessen seiner Mitglieder durchzusetzen. Und „Partner“ sind alle potenziellen Arbeitgeberverbände, zu denen die Hausärzte in RLP jetzt zählen.

Hausärzte in RLP mit angestellten Ärzten sollten sich schon mal auf Verluste einstellen. Warum? Weil der HÄV Prioritäten zu setzen weiß! Da bleibt der ärztliche Nachwuchs weg, weil sich eine Niederlassung nicht mehr lohnt. Das nimmt der HÄV regungslos hin. Statt sich auf diesem Feld zu profilieren und so die Interessen der Hausärzte zu vertreten, gründet der HÄV einen Arbeitgeberverband mit der Konsequenz, dass eine Niederlassung künftig noch unattraktiver wird.

Sollte das das eigentliche Ziel des HÄV sein, also die selbstständige Tätigkeit als niedergelassener Hausarzt einzustampfen, dann zolle ich dem HÄV allergrößten Respekt. Das wäre das Gegenteil von Dummheit, das wäre ein genialer Schachzug gewesen.

Aber wieso sollte ein Verband, dessen Mitglieder typischerweise niedergelassene Hausärzte sind, auf dem Wege seinen eigenen Untergang in die Wege leiten?
LNS

Nachrichten zum Thema

15. Mai 2019
München – Nach einem bundesweiten Warnstreik im April haben die Ärzte an Bayerns kommunalen Kliniken heute noch einmal nachgelegt. Um den Druck im Tarifstreit mit den Arbeitgebern zu erhöhen, legten
Krankenhausärzte machen im Tarifstreit weiter Druck
10. Mai 2019
München – Der Marburger Bund (MB) hat alle angestellten Ärzte in den tarifgebundenen kommunalen Kliniken Bayerns zu einem ganztägigen Warnstreik am kommenden Mittwoch (15. Mai) aufgerufen. Eine
Marburger Bund kündigt Warnstreik der kommunalen Klinikärzte in Bayern an
6. Mai 2019
Berlin – Im Tarifstreit für rund 55.000 Ärzte an kommunalen Kliniken gibt es weiter keine Einigung. Nun sind erneut Warnstreiks möglich. Die Verhandlungen seien am frühen Samstagmorgen nach
Weiter keine Einigung im Tarifstreit für Ärzte an kommunalen Kliniken
6. Mai 2019
Hannover – Die 38.000 Beschäftigten der Diakonie Niedersachsen erhalten zum 1. Mai 2019 mehr Geld. Die Gremien des Marburger Bundes (MB) Niedersachsen haben der Tarifeinigung mit dem Diakonischen
Mehr Geld für Ärzte an Diakoniekrankenhäusern
2. Mai 2019
Berlin – Die unterbrochenen Tarifverhandlungen zwischen dem Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sind heute in Berlin fortgesetzt worden. Morgen soll weiter
Tarifgespräche: Marburger Bund und VKA verhandeln wieder
30. April 2019
Stuttgart – Mehr als 2.200 Ärzte aus kommunalen Krankenhäusern in Baden-Württemberg sind heute dem Aufruf zum Warnstreik des Marburger Bundes (MB) gefolgt. Sie machten vor der vierten
Mehr als 2.200 Ärzte in Baden-Württemberg im Warnstreik
29. April 2019
Stuttgart – Kurz bevor am kommenden Donnerstag (2. Mai) der Marburger Bund (MB) und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) die Tarifgespräche wieder aufnehmen, verleihen die Ärzte in
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER