NewsHochschulenUniklinik Heidelberg entschuldigt sich wegen PR-Kampagne zu Brustkrebstest
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Uniklinik Heidelberg entschuldigt sich wegen PR-Kampagne zu Brustkrebstest

Donnerstag, 21. März 2019

/dpa

Heidelberg – Die Universitätsklinik Heidelberg zieht Konsequenzen aus einer umstritte­nen PR-Kampagne zu einem neuen Bluttest für die Früherkennung von Brustkrebs.

So sollen neue Regeln in Bezug auf „wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen“ erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten hätten, sagte Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb heute. Zuvor hatte die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet, dass sich die Uniklinik intensiv mit der Aufklärung des Falls auseinandersetzen möchte.

Anzeige

Das Unternehmen Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik, hatte Mitte Februar einen neuen Brustkrebs-Bluttest vorgestellt. In einer Pressemitteilung war dabei von „einem Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ die Rede. Die Markteinführung sei „noch in diesem Jahr geplant“. Auf der Pressemitteilung prangte sowohl das Logo von Heiscreen als auch der Universitätsklinik.

Neuer Brustkrebs-Bluttest vorgestellt

Heidelberg – Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland, Zehntausende erkranken jedes Jahr daran. Umso wichtiger ist ein frühes Aufspüren der Krankheit. Heidelberger Forscher haben nun ein besonders schonendes Verfahren vorgestellt: einen Bluttest. Für die Untersuchung seien nur wenige Milliliter Blut nötig, teilte das Universitätsklinikum Heidelberg mit.

Am Vorgehen von Heiscreen gab es daraufhin deutliche Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern. Unter anderem sind die Ergebnisse von Tests an Frauen laut Uniklinik bis heute nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert – wie es in der wissenschaftlichen Praxis üblich ist.

Zudem wurde bemängelt, dass die Wirksamkeit des Tests nur unzureichend beschrieben wurde. Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnun­gen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, sagte Rübsam-Brodkorb. „Das bedauern wir sehr.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 21. März 2019, 21:01

Unseriöse Pressemitteilung!

Bereits am 22.02.2019 habe ich zu dieser kaum verifizierbaren, offensichtlich manipulierten PR-Meldung der Universität Heidelberg über einem angeblich zuverlässigen Bluttest auf Brustkrebs geschrieben:

"Unseriöse Pressemitteilung!
Diese Pressemitteilung ist unserös:

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Pressemitteilungen.136514.0.html
"Aktuelle Ergebnisse zeigen bei den 500 Brustkrebspatientinnen insgesamt eine Sensitivität von 75 Prozent. Altersabhängige Unterschiede konnten gefunden werden. Hier zeigt sich bei den unter 50‑jährigen eine Sensitivität von 86 Prozent bzw. bei den über 50-jährigen von 60 Prozent."

Denn systematisch wurden Spezifitätsangaben weggelassen:

Die Sensitivität eines diagnostischen Testverfahrens gibt an, bei welchem Prozentsatz erkrankter Patienten die jeweilige Krankheit durch die Anwendung des Tests tatsächlich erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt.

Die Spezifität eines diagnostischen Testverfahrens gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden.

Nach den vorliegenden lückenhaften Rohdaten wurden altersabhängig die Brustkrebs-Erkrankungen in 14 bis 40 Prozent nicht erkannt (im Durchschnitt in 25 Prozent). "

Trotzdem haben nahezu alle Print- und elektronischen Medien diese Schummelgeschichte begierig aufgenommen und zum Schaden der möglicherweise betroffenen Brustkrebs-Patientinnen kolportiert.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Alexandria – Eine breite Testung auf Mutationen, die mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sind, kann zu ungerechtfertigten Operationen führen. So unterzogen sich einige Frauen des
Nach Gentest zu oft die Eierstöcke raus
5. Juni 2020
Alexandria – Die zielgerichtete Therapie mit Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab und Capecitabin verlängert deutlich das Überleben von Frauen mit einem metastasierten HER2-positiven Brustkrebs, die
Tucatinib verbessert Prognose des HER2-positiven Mammakarzinom auch bei Hirnmetastasen
5. Juni 2020
Alexandria – Auch mit längerer Beobachtungszeit belegt die MINDACT-Studie, dass es bei einigen Patienten mit Brustkrebs sicher möglich ist, nach dem MammaPrint-Testergebnis auf die Chemotherapie zu
Brustkrebs: Wann nach genetischem Testergebnis auf die Chemotherapie verzichtet werden kann
3. Juni 2020
Köln – Patientinnen nach der Menopause mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs können von einer initiale endokrinen Therapie mit Ribociclib
Brustkrebspatientinnen könnten von Ribociclib profitieren – aber deutliche Nebenwirkungen
30. Mai 2020
Alexandria – Die Entfernung des intakten Primärtumors nach der Chemotherapie verbessert die Prognose von Frauen mit einem neu diagnostizierten metastasierten Brustkrebs nicht. Das zeigen die
Metastasierter Brustkrebs: Soll der Primärtumor nach der Chemo raus?
30. Mai 2020
Alexandria – Eine Erstlinientherapie mit Pembrolizumab zusätzlich zur Chemotherapie senkt das Risiko für Progress oder Tod beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom (TNBC) mit PD-L1-Expression
PD1-Hemmer kann Progressrisiko beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom senken helfen
30. Mai 2020
Alexandria – Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) statt Taxan plus Trastuzumab führt nicht zu einer höheren Wirksamkeit oder weniger Nebenwirkungen in der adjuvanten Therapie des frühen HER2-positiven
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER