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Sauerbruch zwischen Medizin und Mythos

Freitag, 22. März 2019

/Gudath/Charité

Berlin – Lange Zeit war das Bild des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch überwiegend positiv geprägt. Dass hinter der Koryphäe eine ambivalente und streitbare Person liegt, machten erst spätere Forschungen sichtbar. Mit der neuen Sonderausstellung „Auf Messers Schneide“ will das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité anhand von mehr als 280 Exponaten den „ganzen Sauerbruch“ zeigen und die Person zwischen Medizin und Mythos einordnen.

Die Schau ist der dritte Teil des Projekts „Gedenkort Charité“, der sich auf verschiedene Weise mit der historischen Verantwortung des Instituts auseinandersetzt.

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Der Rundgang durch die Ausstellung orientiert sich am Werdegang Sauerbruchs (1875-1951): von der Kindheit in kleinbürgerlichen Verhältnissen über erste Erfolge als Mediziner in Breslau, Zürich und München bis hin zum umworbenen Chirurgen in Berlin und Nationalpreis­träger im sogenannten Dritten Reich. Eine abschließende Station behandelt den Mythos Sauerbruchs als „Halbgott in Weiß“.

Die Schau würdigt die medizinischen Erfolge des Arztes wie die von ihm entwickelte Unterdruckkammer zur Operation des Thorax, die Konstruktion aktiv beweglicher Prothesenarme für Kriegsversehrte nach dem Ersten Weltkrieg oder seine Beiträge zur Operationsmethode der Umkipp-Plastik. Sie thematisiert, dass Sauerbruch bei Patienten und Studierenden beliebt war, sich aber auch als autoritärer Chef profilierte. Cholerische Anfälle, Beleidigungen und Rausschmisse aus dem Operationssaal sind überlieferte Zeugnisse seines teilweise despotischen Gebarens.

Ausstellung

Die Schau „Auf Messers Schneide. Der Chirurg Ferdinand Sauerbruch zwischen Medizin und Mythos“ läuft vom 22. März 2019 bis zum 2. Februar 2020 im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charite (Chariteplatz 1, Berlin-Mitte). Sie ist dienstags, donnerstags, freitags und sonntags von zehn bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs und samstags von zehn bis 19 Uhr. Die Öffnungszeiten an Feiertagen weichen ab.

Die Ausstellung macht zudem deutlich, wie Sauerbruch sein Wirken immer weiter auf den politischen und militärischen Bereich ausweitete. Er verkehrte mit frühen Vertretern der völkischen Bewegung, operierte in Lazaretten und ließ 1923 nach dem gescheiterten Novemberputsch Adolf Hitler durch einen Assistenten behandeln.

Zwar wird gezeigt, dass Sauerbruch kein Antisemit war – er pflegte freundschaftliche Kontakte mit dem jüdischen Maler Max Liebermann und verhalf Kollegen wie seinem Stellvertreter Rudolf Nissen ins Exil. Doch er begrüßte auch gemeinsam mit anderen Hochschullehrern 1933 in einer schriftlichen Niederlegung die Machtergreifung Hitlers. Und als medizinischer Fachgutachter im Reichsforschungsrat gingen zahlreiche Anträge und Berichte – auch zu Menschenversuchen in Konzentrationslagern – über seinen Tisch, zu denen er schwieg.

„Die weit gefächerten Facetten der sauerbruchschen Persönlichkeit bieten in ihrer spannungsreichen Ambivalenz die ideale Grundlage für eine Diskussion darüber, was ein Leben für Medizin und Wissenschaft in Verantwortung bis heute ausmacht,“ sagte Thomas Schnalke, Direktor des BMM. So soll die Ausstellung, die noch bis zum 2. Februar 2020 zu sehen ist, ein Angebot zum Dialog auch über die Gegenwart sein. © kk/aerzteblatt.de

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