NewsMedizinSchwangerschaft: Algorithmus vermeidet unnötige CT-Untersuchungen bei Verdacht auf Lungenembolien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schwangerschaft: Algorithmus vermeidet unnötige CT-Untersuchungen bei Verdacht auf Lungenembolien

Montag, 25. März 2019

/metamorworks, stockadobecom

Leiden – 3 einfache klinische Kriterien und die Bestimmung des D-Dimer haben in einer prospektiven Studie aus den Niederlanden einem Drittel der Schwangeren eine unnötige CT-Untersuchung erspart. Im ersten Trimenon, wenn das Strahlenrisiko für das Kind am höchsten ist, konnten laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2019; 380: 1139-1149) sogar 2 von 3 CT-Untersuchungen vermieden werden.

Lungenembolien sind in den entwickelten Ländern die häufigste Todesursache von Schwangeren. Entsprechend niedrig ist die Verdachtsschwelle, bei der eine Diagnostik veranlasst wird. Dies führt dazu, dass nur bei etwa 5 % aller Frauen, bei denen wegen eines klinischen Verdachts eine Computertomografie (CT) durchgeführt wird, tatsächlich eine Lungenembolie vorliegt. Das CT belastet die Mutter, vor allem aber das Kind zum einen durch die Gabe von Kontrastmittel, das zur Darstellung der Lungengefäße benötigt wird. Außerdem ist jedes CT mit einem gewissen Strahlenrisiko verbunden, das vor allem im ersten Trimenon der embryonalen Entwicklung schaden könnte.

Anzeige

Ein Team um den niederländischen Internisten Tom van der Hulle vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden hat einen einfachen Algorithmus entwickelt, der die Zahl der unnötigen Folgeuntersuchungen senken soll. Dabei wird das Ergebnis im D-Dimer-Test, der Fibrinspaltprodukte im Blut nachweist, mit 3 einfachen klinischen Kriterien verknüpft. Dies sind zum einen klinische Anzeichen einer tiefen Venenthrombose, zweitens eine Hämoptyse und drittens der klinische Eindruck, dass die Lungenembolie die wahrschein­lichste Erklärung für die Symptome ist. Wenn eine dieser 3 Bedingungen erfüllt ist, sollte nach den YEARS-Kriterien bereits ab einer D-Dimer-Konzentration von 500 ng/ml eine definitive Diagnose mit einem CT angestrebt werden. Ist keines dieser Kriterien vorhanden, sollten die Patienten erst ab einer D-Dimer-Konzentration von 1.000 ng/ml zum CT geschickt werden.

In einer früheren Studie hatten van der Hulle und Mitarbeiter bereits zeigen können, dass der YEARS-Algorithmus bei erwachsenen Patienten etwa die Hälfte aller CT-Untersuchungen vermeidet (Lancet 2017; 390: 289-297).

Jetzt hat das Team den YEARS-Algorithmus bei Schwangeren getestet. Die YEARS-Kriterien wurden dafür leicht verändert. Bei einem klinischen Verdacht auf eine tiefe Venen­thrombose wird jetzt ein Kompressionsultraschall am betroffenen Bein durchgeführt, um bei einem positiven Befund auf jeden Fall eine Behandlung mit Antikoagulanzien zu beginnen.

Der modifizierte YEARS-Algorithmus wurde an 18 Kliniken des Landes an 510 Frauen mit klinischem Verdacht auf eine Lungenembolie angewendet. Der primäre Endpunkt war das Auftreten einer venösen Thromboembolie bei Patientinnen, bei denen aufgrund der YEARS-Kriterien von einem CT abgesehen wurde. Wie Liselotte van der Pol vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden und Mitarbeiter berichten, kam es in dieser Gruppe nur bei einer Frau später zu einer Thrombose in der Vena poplitea. Sie wurde am 90. Tag diagnostiziert. Die Frau hatte zu Beginn eine D-Dimer-Konzentration von 480 ng/ml gehabt und kein YEARS-Kriterium erfüllt. Eine Lungenembolie trat bei keiner Frau auf, bei der auf ein CT verzichtet worden war.

Auf der anderen Seite führte der YEARS-Algorithmus dazu, dass bei 195 Patienten (39 %; 95-%-Konfidenzintervall 35 bis 44 %) auf ein CT verzichtet werden konnte. Am höchsten war die Rate im ersten Trimenon, wo 65 % der Frauen und Embryonen die CT-Untersuchung erspart blieb. Im zweiten Trimenon lag die Rate bei 46 % und im dritten Trimenon bei 32 %. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Mai 2019
Montreal – Eine Einnahme von Benzodiazepinen in der Frühschwangerschaft war in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0963) mit einem erhöhten
Studie: Benzodiazepine erhöhen Fehlgeburtrisiko
16. Mai 2019
Köln – Jedes siebte Baby weltweit ist einer Studie zufolge bei der Geburt zu leicht. Mehr als 20 Millionen Neugeborene wurden 2015 mit einem niedrigen Geburtsgewicht von weniger als 2.500 Gramm
Jedes siebte Baby weltweit zu leicht bei der Geburt
14. Mai 2019
Oxford – Die intravenöse Einmalgabe von Amoxicillin-Clavulansäure hat in einer randomisierten Studie das postpartale Infektionsrisiko nach einer vaginal-operativen Entbindung deutlich gesenkt. Die im
Antibiotikaprophylaxe senkt Infektionsrisiko nach Entbindung mit Geburtszange oder Saugglocke
13. Mai 2019
London – Eine Ganzkörper-Magnetresonanztomografie (GK-MRT) kann das Staging von Krebspatienten vereinfachen. Sie führte bei Lungen- und Darmkrebspatienten in 2 Vergleichsstudien in Lancet Respiratory
Krebs: Ganzkörper-MRT im Staging schneller und kostengünstiger
10. Mai 2019
Birmingham/England – Eine vaginale Behandlung mit Progesteron hat in einer großen placebokontrollierten Studie bei Frauen mit vaginalen Blutungen in der Frühschwangerschaft die Zahl der Fehlgeburten
Progesteron kann Fehlgeburt bei vaginaler Blutung kaum verhindern
9. Mai 2019
Rotterdam – Immer mehr Frauen sind bereits vor einer Schwangerschaft zu dick. Der präkonzeptionelle Body-Mass-Index (BMI) war in einer Metaanalyse im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321:
Übergewicht vor der Schwangerschaft erhöht Komplikationsrisiko
8. Mai 2019
Stockholm – Ein Apgar-Score vom 7, 8 oder 9 Punkten, der im klinischen Alltag als unbedenklich gilt, geht auf Bevölkerungsebene mit einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko für das
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER