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Seltene Erkrankungen: Somatische und psychosomatische Aspekte interdisziplinär behandeln

Freitag, 22. März 2019

/terovesalainen, stockadobecom

Berlin – Psychosomatische Aspekte sollten bei der Behandlung von Patienten mit selte­nen Erkrankungen integriert werden. Darauf wies Johannes Kruse, ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universitätsklinik Gießen, im Rah­men des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hin, der heute in Berlin zu Ende geht.

„Menschen mit seltenen Erkrankungen warten im Durchschnitt vier Jahre auf ihre Diag­nose. Dieser lange Zeitraum der Unsicherheit und Ungewissheit bis zur Diagnosestellung führt zu erheblichen psychischen Belastungen“, erläuterte Kruse. Angloamerikanische Studien zeigten, dass circa 70 Prozent der betroffenen Patienten an einer Depression litten, 80 Prozent unter Angst- und Stresssymptomen. 36 Prozent der Patienten gaben danach an, schon einmal suizidale Gedanken gehabt zu haben.

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„Ein wesentlicher Bestandteil der Belastungen stellt die Sorge vor der Zukunft dar, vor allem auch weil Informationen über die seltenen Erkrankungen nur spärlich zu erhalten sind. Kann die Erkrankung dann identifiziert werden, sind die Patienten sehr erleichtert“, sagte Kruse, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie ist.

Darüber hinaus bestehe einerseits die Gefahr, die Symptome der unerkannten seltenen organischen Erkrankungen fälschlicherweise als psycho­somatische Störung zu diagnosti­zieren, andererseits würden behandlungsbedürftige psychische Belastungen und Störun­gen in der Folge einer seltenen Erkrankung oftmals übersehen.

Treten die seltenen Erkrankungen im frühen Kindesalter auf und werden nicht als solche erkannt, so entwickele sich häufig in der Verarbeitung dieser problematischen Situation eine erhebliche chronische psychische Belastung, berichtete Kruse. „Liegen dann in der Folge sowohl Symptome durch die körperliche seltene Erkrankung als auch die Sympto­me einer psychischen und psychosomatischen Störung gleichzeitig vor, ist es wichtig, die somatische und die psychosomatische Komponente zu diagnostizieren und zu behan­deln.“

Der Direktor der Gießener Psychosomatischen Klinik hält deshalb interdisziplinäre Ver­sorgungskonzepte an Zentren für seltene Erkrankungen für nötig, um den betroffenen Patienten adäquat helfen zu können. Als positives Beispiel nannte er das Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen (ZUSE) am Universitätsklinikum Marburg, das ein Modell für die interdisziplinäre Arbeit bietet, in der sowohl die somatischen wie die psychosomatischen Aspekte integriert werden. © PB/aerzteblatt.de

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