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Medizin

Erste Geburt von Makake nach Transplantation von präpubertärem Hodengewebe

Montag, 25. März 2019

Das Makakenbaby Grady wurde aus kryokonserviertem Hodengewebe gezeugt. (12 Wochen alt). Eine Kryokonservierung von Spermien gilt bereits heute als sichere Methode für Krebspatienten, um ihre Fruchtbarkeit auch nach einer Chemo- oder Strahlentherapie zu erhalten. /Oregon Health and Science University

Calgary/Pittsburgh – Forschern ist es erstmals gelungen, unreifes eingefrorenes Hoden­gewebe beim nicht-humanen Primaten autolog zu transplantieren. In den transplantier­ten Fragmenten entwickelten sich Spermien, mit denen 138 Eizellen künstlich befruchtet wurden. Daraus resultierte eine Schwangerschaft, ein Makakenbaby kam zur Welt. Die Ergebnisse wurden in Science publiziert (2019; doi: 10.1126/science.aav2914). Die Studie könnte Ärzte dazu ermutigen, jungen Krebspatienten eine Kryokonservierung schon vor der Pubertät vorzuschlagen, sagt Christine Wyns von der Saint Luc Universitätsklinik in Brüssel mit Blick auf eine zukünftige klinische Anwendung.

Die Keimzellvorläufer, hatten die US-Forscher der University of Pittsburgh School of Medicine den Makaken vor der Pubertät entnommen und eingefroren.  Nachdem sie die Primaten kastriert hatten, führten sie eine autologe Transplantation des kryokonservierten Hodengewebes durch. Die Keimzellvorläufer reiften daraufhin über Monate heran und entwickelten reife Spermien, für die künstliche Befruchtung.

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Die Erfolgsrate der Proof-of-Concept-Studie war jedoch gering: In den Versuchen mussten die Forscher 138 Eizellen künstlich mit Spermien befruchten, lediglich 39 davon teilten sich zumindest einmal. 16 Zygoten entwickelten sich augenscheinlich normal, 11 Embryonen wurden 6 Makaken-Weibchen eingesetzt. Bei einer Schwangerschaft kam es zur Geburt.

Kryokonservierung als Option bei gonadotoxischen Behandlungen

Eine Kryokonservierung von Spermien bietet bereits heute eine sichere Methode für junge männliche Krebspatienten nach einer Chemo- und Strahlentherapie die Furchtbarkeit zu erhalten – vor der Pubertät ist es bisher aber keine Option. Auch das Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) sieht vor, dass gesetzlich Krankenversicherte, die sich zum Beispiel wegen einer Krebserkrankung einer keimzellschädigenden Therapie unterziehen müssen, eine Kryokonservierung von Keimzellgewebe, Ei- und Samenzellen in Anspruch nehmen können.

Chemo- und Strahlentherapie bei männlichen Krebspatienten vor der Pubertät können dazu führen, dass Spermien-Vorläuferzellen in den Testikeln zerstört werden. Gonadotoxische Behandlungen kommen aber auch bei nicht-malignen chronischen Erkrankungen zum Einsatz, zu Beispiel der Sicherzellanämie. Die Patienten werden dann dauerhaft unfruchtbar.

Bei Jungen, die die Pubertät noch nicht erreicht haben und noch keine Spermien produzieren, ist diese Möglichkeit zum Erhalt der Furchtbarkeit bisher keine Option. Zwar liegt die Überlebensrate bei Kindern mit Krebsdiagnose derzeit bei rund 80 % – rund ein Drittel der Patienten erhalten aber im späteren Lebensverlauf die Diagnose Unfruchtbarkeit.

Nur wenige Zentren frieren auch präpubertäres Hodengewebe ein

Bisher gebe es weltweit eine begrenzte Anzahl an Zentren, die eine Kryokonservierung von präpubertären Hodengewebe anbieten, sagt die Leiterin der Abteilung Gynäkologie und Andrologie Christine Wyns. „Zahlen über den Anteil der Patienten, die von dieser Technik profitieren, sind bisher nicht in großem Umfang verfügbar. Wird ein kollaborativer Versorgungspfad für diese Patienten eingerichtet, dann erreicht die Zahl der Überweisungen 65 % aller Krebspatienten, die eine Chemotherapie benötigen.“ Das seien zumindest die Ergebnisse ihrer Klinik, die im Jahr 2015 veröffentlicht wurden (Hum Reprod. 2015)

Bisherige Studien an Mäusen, Ziegen, Schweinen, Affen, Katzen und Hunden hatten bereits gezeigt, dass es möglich ist, Hodengewebe auf Empfänger einer anderen Spezies (zum Beispiel Mäuse) erfolgreich zu transplantieren. Ethische Bedenken und das Risiko der Übertragung von Erregern beim Einsatz von tierischen Transplantat-Empfängern haben den Einsatz dieser Methode der xenogenen Spermienreifung beim Menschen bisher verhindert. Mit der ersten gelungenen autologen Transplantation von Hodengewebe in Primaten rückt nun die Möglichkeit näher, die Methode auch beim Menschen klinisch zu erproben.

Problem war bisher, dass die Ethik-Kommissionen noch auf verlässliche Daten aus relevanten Tierversuchen gewartet haben, die nun vorliegen. Stefan Schlatt und Nina Neuhaus, Universitätsklinikum Münster

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass weitere präklinische Studien nötig sind. Ungeklärt ist zum Beispiel, ob die Spermienbildung auch bei intakten Verhältnissen möglich gewesen wäre. Denn Krebspatienten haben oft eine Resthodenhormonsekretion. Der Hormonspiegel des transplantierten Gewebes sei daher nicht mit dem nach einer Kastration vergleichbar, erklärt Wyns.

Erste klinische Studien in einigen Zentren seien angebahnt und würden durch dieses Ergebnis sicherlich forciert, sagen Stefan Schlatt und Nina Neuhaus vom Universitäts­klinikum Münster. Zusammen haben sie einen Kommentar zur Studie in Science verfasst: „Problem war bisher, dass die Ethik-Kommissionen noch auf verlässliche Daten aus relevanten Tierversuchen gewartet haben, die nun vorliegen.“

© gie/aerzteblatt.de

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