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Medizin

Warum frühe Kindheitstraumata die Behandlung einer späteren Depression erschweren

Dienstag, 26. März 2019

Female Limbic System Brain Anatomy/decade3d stock.adobe.com
Das lim­bi­sche System emp­fängt Erregun­gen vom Thalamus, der Formatio reticularis, dem olfaktori­schen System und der Großhirn­rin­de. Es ist verantwortlich für an­ge­borene Trieb- und In­stinkt­han­dlungen. /decade3d stock.adobe.com

Münster – Misshandlungen im Kindesalter können eine „limbische Narbe“ im Gehirn hinterlassen. Diese erschwert laut einer Studie in Lancet Psychiatry (2019; 6: 277-279) die Behandlung einer Major-Depression, an der viele Betroffene leiden.

Körperliche und sexuelle Misshandlungen, die auch in Ländern mit einem hohen Einkommen keineswegs selten sind, gehören zu den stärksten Risikofaktoren für spätere Depressionen. Sie sind zudem mit schlechteren Therapieergebnissen verbunden. Einige Forscher befürchten deshalb, dass Misshandlungen bleibende Schäden im Gehirn hinterlassen. Mittels der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich bei den Betroffenen verschiedene Veränderungen nachweisen, zu denen eine Verminderung der kortikalen Oberfläche oder auch eine Verkleinerung von verschiedenen Hirnregionen im limbischen System gehören, das für die Verarbeitung von Gefühlen zuständig ist.

An der Universität Münster wurden in einem Forschungsprojekt in den letzten Jahren 110 Erwachsene mit einer Major-Depression über 2 Jahre nachbeobachtet. Zu Beginn der Untersuchung wurde bei allen Teilnehmern ein MRT durchgeführt. Die Bilder wurden mit den Angaben der Patienten im „Childhood Trauma Questionnaire“ in Beziehung gesetzt, der sich nach Misshandlungen in der frühen Kindheit erkundigt. Wie Nils Opels und Mitarbeiter berichten, wiesen die Patienten, die über frühkindliche Traumatisierungen berichteten, eine geringere kortikale Oberfläche in der Inselrinde auf. Die Inselrinde ist der Teil der Großhirnrinde, der außen von Frontal- Temporal und Scheitellappen bedeckt wird. Sie hat enge Beziehungen zum limbischen System und wird als Region für emotionale Aufmerksamkeit betrachtet.

Die Patienten, deren Depressionen möglicherweise die Folge von frühkindlichen Traumatisierungen waren (beweisen lässt sich das in einer retrospektiven Analyse nicht), wiesen nicht nur eine Entwicklungsstörung der Inselregion auf, die Forscher als Teil der „limbischen Narbe“ deuten. Sie hatten in den 2 Jahren bis zur nächsten Untersuchung auch signifikant häufiger Rückfälle ihrer Depression erlitten. Dies bestätigt nach Einschätzung von Opels nicht nur, dass frühkindliche Misshandlungen irreversible Schäden im Gefühlsleben hinterlassen. Es könnte sich laut Opel auch um eine eigene Form der Major-Depression handeln, für die neue Behandlungskonzepte entwickelt werden müssten.

© rme/aerzteblatt.de

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