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Packungsbeilagen bei Wirkstoffpflastern oft unzureichend

Montag, 25. März 2019

/Uwe Grötzner, stock.adobe.com

Heidelberg – Die Beipackzettel von transdermalen therapeutischen Systemen etwa zur Schmerztherapie, Hormonersatztherapie oder Rauchstopp sind oft unzureichend, auch wenn sie formale Vorgaben einhalten. Das berichten Wissenschaftler der Kooperations­einheit Klinische Pharmazie am Universitätsklinikum Heidelberg in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (doi 10.1055/a-0722-7419). 

Die Arbeitsgruppe hat für die Studie die Packungsbeilagen aller im Jahr 2016 auf dem deutschen Markt verfügbaren Wirkstoffpflaster untersucht, dies waren 81. Basis der aktuellen Untersuchung war eine vorangegangene wissenschaftliche Literaturstudie der Heidelberger Forscher.

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Dabei haben sie 28 Anwendungsschritte beim Gebrauch der Medikamentenpflaster iden­tifiziert, die fehleranfällig waren und bei falscher Ausführung mit einer Nebenwirkung oder Therapieversagen in Zusammenhang stehen. Auf diese 28 Anwendungshinweise hin haben die Forscher jetzt die Packungsbeilagen untersucht. Ergebnis: Keine Packungs­beilage enthielt alle 28 Hinweise.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa drei Millionen Wirkstoffpflaster verordnet. Die in den Pflastern enthaltenen Wirkstoffe werden direkt über die Haut ins Blut abgegeben. Für Patienten, die ihre Arzneimittel gar nicht oder nicht regelmäßig einnehmen können – etwa aufgrund von Schluckbeschwerden – sind die Pflaster laut der Arbeitsgruppe eine gute Alternative.

Allerdings sei es wichtig, dass Patienten mit den Packungsbeilagen alle relevanten Infor­mationen für eine sichere Anwendung bis hin zur korrekten Entsorgung erhielten. „Fehlen diese, so hat der Patient möglicherweise nicht alle Informationen für eine sichere und korrekte Anwendung zur Hand“, sagte Hanna Seidling, Leiterin der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie.

Die Wissenschaftler geben einige Beispiele: Die Haut müsse unverletzt und frei von Haa­ren sein. Der Patient sollte sie mit Wasser reinigen, aber ohne Seife. Medikamentenpflas­ter dürften nicht zerschnitten werden. In den meisten Fällen sollte nicht mehr als ein Pflaster gleichzeitig aufgebracht werden. Nach der Entfernung sei darauf zu achten, dass die Pflaster mit den Klebeseiten nach innen gefaltet und in einem geschlossenen Be­hälter entsorgt würden. Danach sollten sich die Patienten die Hände waschen. Die benutzten Pflaster dürften nicht in falsche Hände geraten, etwa von Kindern, da selbst nach einer mehrtägigen Applikation noch erhebliche Wirkstoffmengen in den Pflastern vorhanden seien.

„Wir fordern Ärzte und Apotheker auf, die Patienten genau über die Risiken einer falschen Anwendung zu informieren und bei der Beratung ein besonderes Augenmerk auf die Aspekte zu legen, die in den Packungsbeilagen noch nicht standardisiert enthalten sind“, sagte Walter Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Heidelberger Phar­makologen haben eine Informationsbroschüre entwickelt, um Ärzte dabei zu unter­stützen. Langfristig seien jedoch bessere Standards und behördliche Vorgaben für die Packungsbeilagen erforderlich, betonen sie. © hil/aerzteblatt.de

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