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Medizin

Schubförmig remittierende Multiple Sklerose schreitet langsamer voran

Mittwoch, 27. März 2019

Entzuendung und Vernarbung der Myelinscheide 3D Illustration ag visuell adobe.stock.com
Die Myelinscheide isoliert Nervenfasern und sorgt dadurch für eine Weiterleitung der elektrischen Signale. Bei Multipler Sklerose zerstören körpereigene Zellen diese schützende Hülle. /ag visuell, stock.adobe.com

Stockholm – Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS) bleiben heute länger vor schweren Behinderungen verschont als vor 20 Jahren. Dies zeigt die Analyse eines schwedischen Patientenregisters in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.0330), die für die primär-progrediente Verlaufsform (PPMS) keinen ähnlichen Trend nachweisen konnte.

Das schwedische MS-Register (SMSReg) hat seit seiner Gründung im Jahr 2000 die Daten von etwa 18.500 Patienten gesammelt. Die Behandlungszentren aktualisieren laufend die Angaben zum Grad der Behinderungen, die international mit der EDSS („Expanded Disability Status Scale“) erfasst werden. Die Skala reicht von 0 (neurologischer Normalbefund) bis 10 (Tod). Wichtige Wendepunkte der Erkrankung sind die EDSS 3.0, 4.0 und 6.0. Bei einer EDSS von 3.0 kommt es erstmals zu spürbaren Behinderungen, bei einer EDSS von 4.0 ist die Gehstrecke ohne Hilfe auf etwa 500 Meter beschränkt. Bei einer EDSS 6.0 benötigen die Patienten eine Gehhilfe (Krücke, Stock, Schiene) um etwa 100 Meter ohne Unterbrechung zurückzulegen.

Alle 3 Wendepunkte der Erkrankung treten bei Patienten mit RRMS heute später auf als noch zu Beginn des Registers, berichten Jan Hillert vom Karolinska Institut in Stockholm und Mitarbeiter. Die Patienten erkranken heute im Durchschnitt mit 34 Jahren an einer MS. Das Alter, in dem es zur EDSS 3.0 kommt, hat sich seit 1995 um 3 % verzögert (Hazard Ratio 0,97; 95-%-Konfidenzintervall 0,96-0,97). Für die EDSS 4.0 ermittelt Hillert eine Verzögerung um 6 % (Hazard Ratio 0,94; 0,93-0,95) und für die EDSS von 6.0 eine Verzögerung von 7 % (Hazard Ratio 0,93; 0,91-0,94).

Kein positiver Trend bei primär-progredienter Verlaufsform

Für Patienten mit PPMS war keine ähnliche Entwicklung nachweisbar. Damit ist die verlaufsmodifizierende Therapie die wahrscheinlichste Erklärung für das langsamere Fortschreiten der Erkrankung. Die zahlreichen Medikamente, die beginnend mit den Interferonen zur Behandlung der MS eingeführt wurden, sind nur bei der RRMS, nicht aber bei PPMS wirksam.

Ein weiteres Argument liefert der Vergleich mit 2 früheren Studien aus der Zeit vor Einführung der verlaufsmodifizierenden Therapie. Damals war noch kein Trend auf einen langsameren Verlauf erkennbar. Beweisen kann die Studie die Hypothese allerdings nicht. Es ist auch vorstellbar, dass es zu einem Rückgang der Risikofaktoren gekommen ist, zu denen Rauchen, ein Vitamin D-Mangel und Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus gehören.

© rme/aerzteblatt.de

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