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L-Thyroxin kann Lebendgeburten­rate bei Frauen mit Schild­drüsen-Antikörpern nicht steigern

Mittwoch, 27. März 2019

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Birmingham/England – Eine Behandlung mit L-Thyroxin hat in einer randomisierten Studie Frauen mit Thyreoperoxidase-Antikörpern im Blut nicht häufiger zur erfolgreichen Geburt eines Kindes verholfen. Die an Fertilitätszentren häufig durchgeführte Behand­lung konnte nach den auf der Fachtagung ENDO 2019 in New Orleans vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1812537) publizierten Ergebnissen weder die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen, noch wurde die Rate von Fehlgeburten gesenkt.

Etwa eine von 10 Frauen im gebärfähigen Alter hat Peroxidase-Antikörper im Blut. Die wenigsten Frauen erkranken an einer Hashimoto-Thyreoiditis oder an einem Morbus Basedow, an deren Pathogenese die Antikörper beteiligt sein können. Eine weitere viel diskutierte Auswirkung ist ein ungünstiger Ausgang einer Schwangerschaft. Nach den Ergebnissen aus früheren Beobachtungsstudien sind Peroxidase-Antikörper mit einem 4-fach erhöhten Risiko auf Fehlgeburten (Odds Ratio 3,90; 95-%-Konfidenzintervall 2,48 bis 6,12) und einem 2-fach erhöhten Risiko auf eine Frühgeburt (Odds Ratio 2,07; 1,17-3,68) assoziiert (BMJ 2011; 342: d2616).

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Verordnung ohne Evidenz

Eine logische Folgerung aus dieser Beobachtung ist, Peroxidase-Antikörper-positive Frauen vorsorglich mit L-Thyroxin zu behandeln. Die Verordnung ist in Kinderwunschkliniken häufig. In Großbritannien sollen 40 % der Frauen L-Thyroxin erhalten, obwohl die Evidenz gering ist. Wenige kleine randomisierte Studien haben kein klares Bild ergeben.

Die TABLET-Studie („Thyroid Antibodies and Levothyroxine“) sollte dies ändern. An 49 Kliniken in Großbritannien wurden insgesamt 952 Frauen, die sich wegen früherer Fehlgeburten oder einer Infertilität in Behandlung befanden und bei denen Peroxidase-Antikörper nachgewiesen wurden, auf 2 Gruppen randomisiert. Eine Gruppe nahm täglich 50µg L-Thyroxin ein, bei der anderen Gruppe enthielten die Tabletten Placebos. Die Behandlung sollte im Fall einer Schwangerschaft bis zu deren Ende fortgesetzt werden.

L-Thyroxin ohne Vorteil, auch nicht bei Subgruppen

Wie Rima Dhillon-Smith und Mitarbeiter der Universität Birmingham berichten, wurden in der L-Thyroxin-Gruppe 266 von 470 Frauen schwanger (56,6 %) gegenüber 274 von 470 Frauen (58,3 %) in der Placebo-Gruppe. Die Lebendgeburtenrate betrug in der L-Thyroxin-Gruppe 37,4 % (176 von 470 Frauen) und in der Placebo-Gruppe 37,9 % (178 von 470 Frauen). Weder in der Schwangerschaftsrate noch in der Zahl der Lebendgeburten gab es damit Unterschiede. Das relative Risiko auf eine Lebendgeburt betrug 0,97 und das 95-%-Konfidenzintervall von 0,83 bis 1,14 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass ein substantieller Vorteil der L-Thyroxin-Behandlung übersehen wurde.

Die Ergebnisse stellen die Empfehlungen der American Thyroid Association und anderer Fachgesellschaften infrage, die zwar die fehlende Evidenz erkannt hatten, aber aufgrund der geringen Risiken und Nebenwirkungen von L-Thyroxin zu einem Behandlungsversuch raten. Die Subgruppen-Analysen liefern auch keine Hinweise auf eine Gruppe, für die die Behandlung erfolgreich sein könnte. Weder Frauen mit hohem Antikörpertiter, noch solche mit erhöhten Thyrotropin-Konzentrationen (als Hinweis auf eine latente Hypothyreose) profitierten von der Behandlung, die auch älteren Frauen und solchen mit mehreren Fehlgeburten in der Vorgeschichte nicht häufiger zu einem lebenden Kind verhalf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten in der L-Thyroxin-Gruppe bei 28 Frauen (5,9 %) übrigens etwas häufiger auf als in der Placebo-Gruppe (18 Frauen, 3,8 %).

© rme/aerzteblatt.de

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