NewsPolitikKassen müssen Blutzuckermessung als häusliche Krankenpflege bezahlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kassen müssen Blutzuckermessung als häusliche Krankenpflege bezahlen

Dienstag, 26. März 2019

/tibanna79-stockadobecom

Darmstadt – In Ausnahmefällen kann die Blutzuckermessung als häusliche Kranken­pflege auch bei konventioneller Insulintherapie und über längere Zeiträume verordnet
werden. Das hat der 8. Senat des Hessischen Landessozialgerichts in Darmstadt (Az.: L 8 KR 443/17) entschieden, wie das Gericht heute mitteilte.

Im vorliegenden Fall hatte ein 82 Jahre alter Mann aus dem Main-Kinzig-Kreis, der unter Typ-2-Diabetes erkrankt ist, gegen seine Krankenkasse geklagt. Da der Versicherte Auf­fassungs- und Umstellungsschwierigkeiten hatte, verordnete sein Arzt die häusliche Krankenpflege in Form von Blutzuckermessungen und Insulininjektio­nen zweimal täglich sowie Herrichten der Medikamentengabe einmal wöchentlich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.

Anzeige

Die Krankenkasse genehmigte die Insulininjektionen und das Richten der Medikamente. Die Kostenübernahme für die Blutzuckermessungen in Höhe von rund 3.400 Euro lehnte sie hingegen ab. Bei dem Versicherten läge weder eine Erst- oder Neueinstellung des Diabetes noch eine Intensivierte Insulintherapie vor, hieß es. Vielmehr handele es sich um routinemäßige Dauermessungen.

Die Richter gaben dem Versicherten Recht. Nach der Richtlinie für Häusliche Kranken­pflege seien in begründeten Ausnahmefällen auch nicht im Leistungsverzeichnis aufge­führte Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege verordnungs- und genehmigungsfähig. Voraussetzung sei, dass sie als Bestandteil des ärztlichen Behandlungsplanes im Einzel­fall erforderlich und wirtschaftlich seien und von geeigneten Pflegekräften erbracht werden sollen.

Entgegen der Auffassung der Krankenkasse könnten daher Blutzuckermessungen auch dann verordnungsfähig sein, wenn es sich weder um eine Erst- oder Neueinstellung des Diabetes noch um eine Intensivierte Insulintherapie handele. Ein solcher Ausnahmefall liege bei dem Versicherten vor.

Der Versicherte sei zum einen weder gesundheitlich selbst dazu in der Lage gewesen, heißt es. Zudem habe der Blutzuckerwert so stark geschwankt, dass der Mann seine Dosis immer wieder neu habe anpassen müssen.  Auch seine an Demenz erkrankte Frau habe diese Aufgabe nicht übernehmen können. Für den Mann besteht laut Gericht so ein zu hohes Risiko für Fehlmessungen- oder -dosie­run­gen. Die Revision wurde nicht zugelassen. © dpa/may/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER