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Fachgesellschaft stellt Leitlinie zu Diabetes im Alter vor

Dienstag, 26. März 2019

/dpa

Berlin – In Deutschland leben derzeit rund vier Millionen Menschen über 65 Jahre, die einen Typ-2-Diabetes haben, Tendenz steigend. Ihre Versorgung erfordert ein besonderes, altersgerechtes Vorgehen, mahnt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und weist auf die neue Auflage der S2k-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter“ hin.

„Hierzulande ist in der Altersgruppe der über 85-Jährigen sogar jeder Fünfte an Typ-2-Diabetes erkrankt. Und mehr als 100.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes sind mittlerweile älter als 70 Jahre“, umreißt die Fachgesellschaft das Ausmaß der Diabetes-Epidemie im Alter. Entscheidend sei, dass die „Behandlungsziele älterer Patienten individuell festge­legt und entsprechende Therapiekonzepte erstellt werden“, sagte Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

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„Menschen über 80 Lebensjahre sind für alterstypische Funktionseinschränkungen und Komplikationen prädestiniert. Typisch ist eine hohe Vulnerabilität, also eine besonders große Gefahr für Komplikationen und weitere Erkrankungen“, heißt es in der Leitlinie.

Die Autoren raten, die Patienten einer von vier funktionellen Gruppen zuzuordnen:

  • Funktionell unabhängig: Ältere Menschen mit Diabetes und gutem funktionellen Status. Patienten mit wenig Komorbidität, allenfalls geringer kognitiver Einschrän­kung und guten Kompensationsmöglichkeiten.
  • Funktionell leicht abhängig: Ältere Menschen mit Diabetes und eingeschränktem funktionellen Status. Patienten mit Multimorbidität, funktionellen und kognitiven Einschränkungen sowie geriatrischen Syndromen.
  • Funktionell stark abhängig: Ältere Menschen mit Diabetes und extrem einge­schränktem funktionellen Status oder terminal erkrankte Menschen.
  • Menschen, die sich in der unmittelbaren Sterbephase befinden.

Zur Feststellung der Ressourcen und Defizite und zur Einteilung in die funktionellen Gruppen sollten Ärzte ein geriatrisches Assessment vornehmen, so die DDG.

„Bei dieser Patientengruppe sind der Erhalt der Lebensqualität und der Eigenständigkeit am wichtigsten“, erklärte Müller-Wieland. Unterzuckerungen seien eine besondere Gefahr. Die Vermeidung von Hypoglykämien sollte für ärztliches Personal und Pflegende Vorrang vor einem normnah eingestellten Blutzucker haben.

Angesichts der hohen Prävalenz im höheren Lebensalter seien auch kognitive Beeinträch­tigungen und Demenz wichtige Faktoren, die in der Diabetesbehandlung und Pflege von Senioren berücksichtigt werden sollten. Der DDG-Präsident weist daraufhin, dass die Leitlinie auch deshalb erstmalig ein separates Kapitel zum Thema Pflege enthalte. © hil/aerzteblatt.de

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