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Medizin

Auch bei 87-Jährigem bilden sich neue Hirnzellen im Hippocampus

Mittwoch, 27. März 2019

3d rendered illustration - Hippocampus /Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com
Hippocampus /Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Madrid – Der Hippocampus, der im Gehirn die Einspeicherung neuer Gedächtnisinhalte steuert, bleibt bis ins hohe Alter in der Lage, neue Nervenzellen zu bilden. Dies zeigen Untersuchung an Gehirnen frisch Verstorbener in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0375-9). Das Ergebnis könnte vielleicht eine Kontroverse unter Hirnforschern beenden.

Ohne einen intakten Hippocampus kann ein Mensch keine neuen Gedächtnisinhalte abspeichern. Dies zeigen die Beobachtungen von Menschen, denen die beiden Zentren entfernt wurden, was in der Vergangenheit bei der Behandlung von Epilepsien geschah, heute aber vermieden wird.

Untersuchungen an Tieren haben gezeigt, dass der Hippocampus sich von anderen Hirnregionen dadurch unterscheidet, dass er bis ins hohe Alter neue Neuronen bildet. Ob dies auch beim Menschen geschieht, ist unter Hirnforschern umstritten. US-Wissenschaftler behaupteten im letzten Jahr, dass die Fähigkeit zur Neurogenese bereits in der Pubertät verloren geht (Nature 2018), was ein anderes US-Team infrage stellte (Cell Stem Cells 2018).

Jetzt melden sich Forscher des Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CISC) aus Madrid, der größten öffentlichen Forschungseinrichtung Spaniens, zu Wort. Ein Team um María Llorens-Martín konnte die Gehirne von 13 gesunden Personen und 45 Patienten mit Alzheimer-Krankheit innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod untersuchen. Dabei verwendeten die Forscher eine Fixierung, die ihrer Ansicht nach die Zerstörung von Hirnzellen vermeidet. Mit speziellen Anfärbungen konnten sie dann das Protein Doublecortin (DCX) im Gyrus dentatus des Hippocampus nachweisen. DCX gilt unter Hirnforschern als ein wichtiger Marker für neu gebildete Zellen.

Marker für neue Zellen bei alten Personen nachweisbar

Die hirngesunden Menschen waren im Alter zwischen 43 und 87 Jahren gestorben. DCX ließ sich auch noch im Gehirn der ältesten Person nachweisen, wenn auch in geringerer Menge als bei dem 43-jährigen, bei dem noch etwa 42.000 unreife Hirnzellen pro mm3 gefunden wurden. Bei dem 87-Jährigen war die Zahl auf unter 30.000/mm3 gefallen.

Bei den Alzheimer-Patienten war die Reifung der DCX-positiven Zellen beeinträchtigt, was die Gedächtnisstörungen der Patienten plausibel erklärt. Die Steigerung der Neurogenese wäre eine mögliche Behandlungsmöglichkeit des Morbus Alzheimer, schreibt Llorens-Martín. Bei Mäusen ist dies durch genetische Manipulationen gelungen (Nature 2011). Ein ähnlicher Behandlungsansatz beim Menschen existiert dagegen nicht.

Einige US-Forscher nicht überzeugt

Die US-Forscher haben sich gegenüber Science skeptisch zu den neuen Forschungs­ergebnissen geäußert. Der Nachweis des DCX-Proteins ist ihrer Ansicht nach kein Beweis für eine Neurogenese, da teilweise auch ausgereifte Neurone in der Lage seien, das DCX-Protein zu bilden. Den spanischen Kollegen sei es auch nicht gelungen, die Stammzellen nachzuweisen, aus denen sich die Zellen bilden. Heather Cameron, eine Neurowissen­schaftlerin am National Institute of Mental Health in Bethesda/Maryland, zeigt sich dagegen von den Ergebnissen ihrer Kollegen überzeugt. Für sie gibt es keinen Grund mehr, daran zu zweifeln, dass die bei Tieren gemachten Beobachtungen auf den Menschen übertragbar sind. © rme/aerzteblatt.de

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