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Medizin

Notfallmediziner warnen vor Überdosierung von Cannabis durch Edibles

Dienstag, 26. März 2019

Bei Edibles handelt es sich um medizinische Lebensmittel, denen Cannabis-Extrakte beigefügt wurden. /cendeced, adobe.stock.com
Bei Edibles handelt es sich um Lebensmittel, denen Cannabis-Extrakte beigefügt wurden. /cendeced, adobe.stock.com

Aurora/Colorado – Im US-Staat Colorado hat die Zahl der Notfallbehandlungen wegen Cannabis-Intoxikationen seit der Legalisierung der Droge zugenommen. Überproportional stark angestiegen sind laut einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2019; doi: 10.7326/M18-2809) Überdosierungen durch cannabishaltige Speisen und Getränke („Edibles“), die bei vielen Konsumenten als eine vermeintlich harmlose Form des Cannabis-Konsums gelten.

Seit Januar 2014 können Erwachsene im US-Staat Colorado Cannabis als Freizeitdroge legal in staatlich kontrollierten Läden erwerben. Die meisten Konsumenten entscheiden sich für die inhalativen Produkte, der Anteil der Edibles – Kekse, Pralinen und andere orale Zubereitungen – lag in den Jahren 2014 bis 2016 nur bei 0,3 %.

Unter Patienten, die sich in dieser Zeit wegen einer Intoxikation an die Notfallambulanz der Universität von Colorado in Anschütz wandten, betrug der Anteil der Patienten, die Edibles konsumiert hatten, jedoch fast 10 %, wie Andrew Monte und Mitarbeiter durch die Analyse von 9.973 Behandlung ermittelt haben, bei denen ein Zusammenhang mit einem Cannabiskonsum bestand. Die orale Zufuhr führte also 33-fach häufiger zu einer Intoxikation als die inhalative Applikation.

Edibles verursachen häufiger Intoxikationen, psychiatrische und kardiovaskuläre Symptome

Nach einem inhalativen Cannabiskonsum kam es häufiger zu gastrointestinalen Problemen. Ein Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom war für 18 % der Überdosierungen verantwortlich. Bei den Edibles lag der Anteil nur bei 8,4 %. Die häufigsten Symptome einer Überdosierung von Edibles waren akute psychiatrische Symptome (18,0 % gegenüber 10,9 % nach inhalativen Anwendungen), Intoxikationen (48 versus 28 %) und kardiovaskuläre Symptome (8,0 versus 3,1 %).

Die Direktorin des US-National Institute on Drug Abuse, Nora Volkow, bringt die häufigeren Intoxikationen durch Edibles mit dem verzögerten Wirkungseintritt der Droge infolge der langsamen Absorption im Gastrointestinaltrakt in Verbindung. Vielen Konsumenten sei offenbar nicht klar, dass die Wirkung nicht sofort eintrete, was die Neigung zu einer Extradosis fördere. Außerdem würden die Süßigkeiten den Eindruck erwecken, dass die orale Zufuhr weniger riskant ist, was allerdings nicht der Fall ist.

Drei Überdosierungen mit Edibles hatten tödliche Folgen. Wie Monte der New York Times berichtete, beging ein Konsument einen Mord und 2 weitere einen Suizid. Überdosierungen durch Edibles könnten zu einem „extrem unberechenbaren Verhalten“ führen, warnt der Notfallmediziner. © rme/aerzteblatt.de

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