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Medizin

Extreme Frühgeborene überleben in Schweden häufiger

Freitag, 29. März 2019

/dpa

Stockholm – Extreme Frühgeborene haben in Schweden vermutlich die weltweit besten Überlebenschancen. Laut einem Bericht im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 1188-1199) ist die 1-Jahres-Überlebensrate im letzten Jahrzehnt weiter angestiegen, ohne dass es zu einer Zunahme der Behinderungen kam.

Anfang der 1970er-Jahre hatte ein Kind, das vor der 28. Woche geboren wurde oder weniger als 1.000 Gramm wog, kaum Überlebenschancen. Inzwischen überleben Kinder, die in der 22. Woche geboren werden und weniger als 500 Gramm wiegen. Schweden hat die neonatale Versorgung der extremen Frühgeborenen frühzeitig zentralisiert und optimiert. Die meisten extrem Frühgeborenen (zuletzt 88 %) kommen an einem von 6 universitären Zentren zur Welt, wo sie von einem Expertenteam betreut werden. 2 Drittel der Mütter, deren Kind in der 22. Woche geboren wird, erhalten antenatale Steroide, in den folgenden Gestationswochen steigt der Anteil auf 90 %.

Die Ergebnisse der medizinischen Versorgung von extremen Frühgeburten wird in Schweden in der „Extremely Preterm Infants in Sweden Study“ genau dokumentiert. Die jetzt von Mikael Norman vom Karolinska Institut in Stockholm und Mitarbeitern vorge­stellten Zahlen zeigen, dass die Zahl der extremen Frühgeburten konstant geblieben ist.

Zwischen 2014 und 2016 wurden 1.196 Kinder zwischen dem Beginn der 22. Woche und dem Ende der 26. Woche geboren. Dies entspricht einem Anteil von 3,4 auf 1.000 Geburten.

Von den 1.196 Kindern überlebten 923 die Geburt. Das ist ein Anteil von 77 %. Im Vergleichszeitraum von 2004 bis 2007 hatte der Anteil bei 70 % gelegen.

Von den 923 extremen Frühgeborenen, die die Geburt überlebten, waren nach einem Jahr noch 711 am Leben. Das entsprich einer 1-Jahres-Überlebensrate von 77 %. Ein Jahrzehnt zuvor waren es 70 % gewesen. Der Unterschied von 7 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,2 bis 11,0 Prozentpunkten statistisch signifikant. Damit haben sich die Überlebenschancen von extremen Frühgeborenen in Schweden weiter verbessert.

Die Überlebensraten sind damit deutlich besser als in Großbritannien (51 %), Frankreich (52 %) oder den USA (50 %). In Deutschland lagen nach einer AQUA-Bundesauswertung im Jahr 2012 die Überlebensraten für Frühgeborene bis Ende der 26. Woche und einem Geburts­gewicht von unter 1.000 Gramm bei 67,7 %.

Trotz der verbesserten Überlebensraten ist es nicht zu einem Anstieg der Kinder mit lebenslangen Folgeschäden gekommen. Ein Jahr nach der Geburt waren 355 der 923 überlebenden extrem Frühgeborenen (38 %) ohne schwere Gesundheitsstörungen. Dazu gehören eine intraventrikuläre Blutung Grad 3–4, eine zystische periventrikuläre Leukomalazie, eine nekrotisierende Enterokolitis, eine Retinopathie im Stadium 3–5 oder eine schwere bronchopulmonale Dysplasie. 10 Jahre zuvor hatte der Anteil erst bei 32 % gelegen. Auch hier war der Unterschied von 6,0 Prozentpunkten mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,8 bis 11,0 Prozentpunkten statistisch signifikant.

Die größten Fortschritte wurden laut Norman bei Kindern gemacht, die in der 22. Woche geboren wurden mit einem Geburtsgewicht zwischen 290 und 730 Gramm. Von den 50 Kindern, die auf einer neonatalen Intensivstation behandelt wurden, überlebten 29 oder 58 %. 10 Jahre zuvor hatte der Anteil bei 29 % gelegen.

Die Ergebnisse sind hier deutlich besser als in den USA. Dort hatten 24 Zentren zuletzt nur eine Überlebensrate von 23 % erzielt (NEJM 2015; 372: 1801-1811). Die Universität Köln hat – allerdings für die 22. und 23. Woche – eine Überlebensrate von 67 % publiziert (JAMA Pediatrics 2016; 170: 671-677). © rme/aerzteblatt.de

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