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Medizin

Elvitegravir/­Cobicistat in der Schwangerschaft vermeiden

Freitag, 29. März 2019

/Syda Productions, stockadobecom

Bonn – Eine Schwangerschaft kann die Pharmakokinetik von Medikamenten verändern. Bei Elvitegravir/Cobicistat kam es in einer kürzlich veröffentlichten Studie in AIDS (2018; 32: 2507-2516) zu einem Abfall der Wirkstoffkonzentrationen auf Werte, die keine sichere Virussuppression mehr gewährleisten. Damit steigt prinzipiell die Gefahr einer Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion, weshalb die Arzneimittelbehörden jetzt von der Einnahme der „Quad-Pillen“ Genova® und Stribild® in der Schwangerschaft abraten.

Die „Quad-Pillen“ Genova® und Stribild® enthalten die Wirkstoffe Elvitegravir, Emtricitabin und Tenofovir und als vierte Komponente den „Wirkstoffverstärker“ Cobicistat, der den Abbau der antiretroviralen Substanzen über das Cytochrom-P450 CYP3A hemmt.

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Die Problematik betrifft Elvitegravir und Cobicistat. Das International Maternal Pediatric Adolescent AIDS Clinical Trials (IMPAACT) Network hatte die Pharmakokinetik von Elvitegravir/Cobicistat an HIV-infizierten Frauen während des zweiten und dritten Trimenons einer Schwangerschaft und nach der Entbindung untersucht.

Dabei kam heraus, dass die 24-Stunden-Plasmakonzentration von Elvitegravir in Verbindung mit Cobicistat im zweiten Trimenon um 81 % und im dritten Trimenon um 89 % geringer war als nach der Entbindung.

Die 24-Stunden-Plasmakonzentration von Cobicistat war im zweiten  und dritten Trimenon um 60 % beziehungsweise 76 % geringer.

Dies hatte zur Folge, dass die HIV-Replikation im zweiten Trimenon nur bei 76,5 % und im dritten Trimenon bei 92,3 % der Schwangeren unterdrückt wurde.

Damit lässt sich eine Mutter-Kind-Übertragung nicht ausschließen, obwohl laut dem Hersteller Gilead bisher kein einziger Fall beobachtet wurde.

Dennoch raten die Arzneimittelbehörden, Frauen während einer Schwangerschaft nicht mit Elvitegravir/Cobicistat zu behandeln und gegebenenfalls auf ein alternatives Behandlungs­regime zu wechseln. Der Hersteller Gilead hat hierzu jetzt einen Rote-Hand-Brief verschickt.

Eine ähnliche Problematik besteht bei einer Behandlung mit Darunavir plus Cobicistat. Auch hier war in einer pharmakokinetischen Studie an 6 schwangeren Patientinnen ein Abfall der Wirkstoffkonzentrationen beobachtet worden. Die Serumkonzentrationen von Darunavir waren im zweiten und dritten Trimenon 56 % und 50 % niedriger als nach der Entbindung. Der Hersteller Janssen-Cilag hatte hierzu im Juni 2018 einen Rote-Hand-Brief verschickt. © rme/aerzteblatt.de

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