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Politik

Bundesfamilien­ministerin erwartet Konsequenzen aus Missbrauchsfällen

Mittwoch, 27. März 2019

Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, steht neben Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD). /dpa

Berlin – Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey hat von den Kirchen eine konse­quente Aufklärung der Fälle von Kindesmissbrauch und auch personelle Konsequenzen verlangt. „Es gibt eine deklaratorische Bereitschaft, etwas zu tun. Das ist ja schon mal gut“, sagte die SPD-Politikerin heute in Berlin. Den vielen Worten müssten nun aber auch Taten folgen. Dabei seien auch personelle Konsequenzen zu ziehen.

„Und eine personelle Konsequenz kann nicht darin bestehen, dass jemand einfach nur irgendwo anders hinversetzt wird, in die Verwaltung oder in die Sterbebegleitung oder sonst wohin“, sagte Giffey. „Wer in einem Amt, in einem kirchlichen Amt oder wo auch immer, ein Kind in einer Situation eines Vertrauensverhältnisses missbraucht, der hat aus meiner Sicht in keinem Amt der Kirche oder in keinem sonstigen Amt mehr etwas zu suchen.“

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Auf Vorschlag Giffeys hatte das Bundeskabinett zuvor die Amtszeit des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, für fünf Jahre verlängert. Für diese Aufgabe brauche man eine Person mit Kompetenz, Durchsetzungskraft und öffentlicher Wirkung, sagte Giffey. Diese Eigenschaften bringe Rörig mit.

Rörig forderte die Länder auf, zügig ebenfalls Missbrauchsbeauftragte zu installieren. Im Januar 2020 werde sich das Bekanntwerden des Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg in Berlin zum zehnten Mal jähren. Er hoffe, dass sich die Länder bis dahin entschließen, dem Vorbild des Bundes zu folgen. „Viele Zuständigkeiten im Bereich der Prävention, im Bereich der Intervention liegen ja auf der Landesebene. Und da läuft vieles im Moment noch sehr unkoordiniert.“

Bislang gebe es auf Länderebene keinen einzigen Missbrauchsbeauftragten mit einer starken Struktur wie im Bund. Mit zwei, drei Ländern wie Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg stehe man im Gespräch. Gerade der jüngste Skandal im westfälischen Lügde zeige, wie unkoordiniert in einer Landesregierung mit so einem Fall umgegangen werde. „Ich rufe wirklich von hier aus noch mal auf, dass die Länder das jetzt ernst nehmen“, sagte Rörig.

Das Thema Kindesmissbrauch sei „sehr, sehr groß“, betonte die Familienministerin. Laut polizeilicher Kriminalstatistik seien 2017 rund 13.500 Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt und Ausbeutung geworden. „Das Dunkelfeld ist viel, viel größer.“ In jeder Schulklasse seien ein bis zwei Kinder betroffen. „Wir gehen davon aus, dass eine Million Kinder in Deutschland betroffen sind und schon mal Berührung, Kontakt hatten mit sexueller Belästigung oder bis hin zu Missbrauch“, sagte Giffey.

Sie kündigte an, dass noch in diesem Jahr der Betroffenenrat neu berufen werde. Außer­dem werde sie mit Rörig einen „Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ ins Leben rufen, um ressortübergreifende Strategien zur Verbesserung von Prävention, Schutz und Hilfe zu entwickeln. © dpa/aerzteblatt.de

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