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Medizin

Extreme Frühgeborene: Häufige Beatmungsstrategie scheitert in klinischer Studie

Donnerstag, 28. März 2019

/dpa

Philadelphia – Der Versuch, die Spontanatmung von extrem Frühgeborenen durch ein Blähmanöver zu unterstützen, hat in einer internationalen randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 1165-1175) ihr Ziel nicht erreicht. Die Studie wurde nach vermehrten Todesfällen vorzeitig abgebrochen.

Ein Neugeborenes muss für den ersten Atemzug alle Kräfte zusammennehmen. Mit einem ersten Schrei werden die Atemwege geöffnet und von der Flüssigkeit befreit, mit denen sie vor der Geburt gefüllt waren. Extremen Frühgeborenen gelingt dies nicht so leicht, zumal häufig das Surfactant fehlt, das die Atemwege vor einem Kollaps bewahrt. Viele neonatologische Zentren versuchen, die Frühgeborenen durch ein spezielles Blähmanöver zu unterstützen, bei dem die Lungen über kurze Zeit mit einem positiven Druck beatmet werden. Dadurch sollen die Lungen maximal entfaltet und fit für die Spontanatmung gemacht werden. Das Blähmanöver ist jedoch umstritten, da die Dehnung zu einem „Air-Leak“ mit Eindringen von Luft in Pleura oder sogar Bauchhöhle führen kann.

Die SAIL-Studie („Sustained Aeration for Infant Lungs“) hat das Blähmanöver in einer randomisierten Studie überprüft. An der Studie beteiligten sich 18 Intensivstationen für Neugeborene in 9 Ländern (darunter die Unikliniken in Freiburg und Ulm). 460 extrem Frühgeborene mit einem Gestationsalter von 23 bis 26 Wochen bei der Geburt, die eine Atemunterstützung benötigten, sollten auf eine konventionelle Maskenbeatmung mit oder ohne Blähmanöver randomisiertw werden.

Es waren bis zu 2 Blähmanöver von jeweils 15 Sekunden erlaubt. Das erste wurde mit einem Spitzendruck von 20 cm H2O verabreicht. Wenn dann keine Spontanatmung einsetzte, durfte ein zweites Manöver mit einem Druck von 25 cm H2O durchgeführt werden. Die Beatmung erfolgte nichtinvasiv über eine Gesichtsmaske. In der Kontrollgruppe erfolgte eine intermittierende Überdruckbeatmung ohne Blähmanöver.

Die Studie wurde im Januar 2018 nach Einschluss von 426 Frühgeborenen vorzeitig gestoppt. Der Grund war eine Häufung von frühen Todesfällen in der Blähmanövergruppe. Dort waren in den ersten 48 Stunden 16 Säuglinge (7,4 %) gestorben gegenüber 3 Säuglingen (1,4 %) in der Vergleichsgruppe. Die adjustierte Differenz von 5,6 Prozentpunkten war nach den Berechnungen von Haresh Kirpalani vom Children's Hospital of Philadelphia und Mitarbeitern mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,1 bis 9,1 Prozentpunkten signifikant. Von den 16 Todesfällen nach dem Blähmanöver entfielen 11 auf Säuglinge, die in der 23. oder 24. Gestationswoche geboren wurden.

Auch der primäre Endpunkt der Studie, der die Entwicklung einer bronchopulmonalen Dysplasie oder den Tod des Säuglings bis zum Alter von 36 Wochen umfasste, trat nach dem Blähmanöver tendenziell häufiger auf: 137 Fälle (63,7 %) standen 125 Fälle (59,2 %) in der Kontrollgruppe gegenüber. Die adjustierte Risikodifferenz von 4,7 Prozent war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 3,8 bis 13,1 Prozentpunkten nicht signifikant. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vorteil des Blähmanövers übersehen wurde, ist jedoch gering, zumal in 26 von 27 sekundären Endpunkten kein signifikanter Unterschied gefunden wurde. Der einzige Unterschied war eine deutlich erhöhte Rate von Bradykardien in der Blähmanöver-Gruppe.

Die Studie stellt eine häufige Praxis in der Erstversorgung von extrem Frühgeborenen infrage, liefert jedoch keinen Lösungsansatz. Offen ist, ob das Blähmanöver späteren Frühgeborenen nutzen könnte (wofür die Studie keine Hinweise liefert) oder ob eine kürzere Dauer vorteilhaft sein könnte. Angesichts der unvorhergesehenen Todesfälle müssten neue Strategien vor der Einführung in die Klinik zunächst in randomisierten Studien geprüft werden. © rme/aerzteblatt.de

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