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Erneut Millionenstrafe wegen Glyphosat gegen Monsanto verhängt

Donnerstag, 28. März 2019

Edwin Hardeman und seine Frau Mary nach der Gerichtsverhandlung /dpa

San Francisco – Das zum deutschen Bayer-Konerzn gehörende US-Unternehmen Mon­santo muss fast 81 Millionen Dollar (knapp 72 Millionen Euro) an den an Krebs erkrank­ten US-Bürger Edwin Hardeman zahlen. Monsanto habe nicht genügend vor den Risiken des Einsatzes des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup gewarnt, befand gestern eine Jury im US-Bundesstaat Kalifornien.

Der 70-jährige Rentner hatte das Herbizid über viele Jahre hinweg auf seinem Grundstück eingesetzt. Bereits im August 2018 hatte eine Jury in San Francisco das Unternehmen zur Zah­lung von Schadenersatz in Millionenhöhe an den ebenfalls an Krebs erkrankten frühe­ren Schulhausmeister Dewayne Johnson verurteilt. Bayer legte dagegen Rechtsmittel ein.

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Bayer erklärte gestern in einer ersten Stellungnahme, es sei „über das Urteil der Jury enttäuscht“ und kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Das Unternehmen bekräftigte seine Ansicht, wonach das Herbizid nicht krebserregend ist.

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Auf­sichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei.

Die Anwältinnen Hardemans, Aimee Wagstaff und Jennifer Moore, begrüßten die ein­stimmig getroffene Entscheidung. Monsanto seien die gesundheitlichen Folgen des Her­bizid-Einsatzes offensichtlich egal, erklärten sie. Zugleich versuche das Unternehmen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Die Bayer-Aktie war bereits vergangene Woche massiv eingebrochen, nachdem die Jury des US-Bundesgerichts in San Francisco zu dem Schluss gekommen war, dass Roundup ein „wesentlicher Faktor“ für die Krebserkrankung des Klägers gewesen sei. In einem zweiten Schritt erfolgte dann gestern die Entscheidung, dass Monsanto dafür haftbar gemacht werden könne.

In den USA sind bei US-Gerichten inzwischen tausende weitere Klagen von Krebskranken gegen Monsanto eingegangen. Zwar ist der Ausgang des Verfahrens in San Francisco nicht rechtlich bindend für weitere Klagen in den USA. Allerdings gibt der Prozess klare Hinweise auf die Erfolgsaussichten.

Bayer hatte die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto erst im vergan­genen Juni abgeschlossen. Seitdem hat der Leverkusener Konzern rund 40 Prozent an Börsenwert eingebüßt.

© afp/aerzteblatt.de

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