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Medizin

Cannabis in der Schwangerschaft könnte Psychoserisiko der Kinder erhöhen

Donnerstag, 28. März 2019

/dpa

St. Louis/Missouri – Kinder, deren Mütter einen Cannabiskonsum in der Schwangerschaft angegeben hatten, wiesen in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0076) im Alter von etwa 10 Jahren eine erhöhte Neigung zu psychotischen Symptomen auf.

Als Folge der Legalisierung der Droge konsumieren in den USA immer mehr Frauen auch in der Schwangerschaft Cannabis. Bei einer jüngsten Umfrage waren dies fast 5 %. Hirn­forscher sind alarmiert, da der aktive Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) nachweislich die Plazentaschranke passiert und damit das Gehirn des Embryos oder Feten erreicht. Dort stimuliert THC den Cannabinoid-Rezeptor 1, der ab der fünften bis sechsten Gesta­tionswoche beim Embryo und später auch beim Feten nachweisbar ist.

Damit besteht prinzipiell die Möglichkeit, dass ein Cannabiskonsum der Mutter die Hirnentwicklung des Kindes stört. Eine mögliche Folge könnte eine erhöhte Neigung des Kindes zu Psychosen sein.

Ein Team um Ryan Bogdan von der Washington University in St. Louis ist dieser Frage an den Teilnehmern der ABCD-Studie („Adolescent Brain Cognitive Development“) nach­gegangen, die seit der Schwangerschaft ihrer Mütter in den Jahren 2005 bis 2008 eine Gruppe von 4.361 Kindern beobachtet. Die Mütter waren während der Schwangerschaft nach ihrem Cannabiskonsum gefragt worden. Die Kinder haben jetzt im Alter von 8,9 bis 11 Jahren den Fragebogen „Prodromal Questionnaire – Brief Child“ ausgefüllt. Er enthält 21 Fragen zu Frühsymptomen von Psychosen, die im späteren Jugendalter auftreten. Die Ergebnisse reichten von 0 bis 21 Punkten, wobei eine höhere Punktzahl eine stärkere Psychoseneigung anzeigt.

Die 63 Kinder, deren Mütter auch dann noch Cannabis konsumiert hatten, als sie bereits von der Schwangerschaft wussten, erzielten im Durchschnitt einen Score von 4,06 Punkten gegenüber 2,61 Punkten bei den 4.298 Kindern, deren Mütter kein Cannabis geraucht hatten. Der Unterschied war signifikant und Bogdan deutet ihn als einen ersten Hinweis auf eine schädliche Wirkung. Wie viele Kinder später tatsächlich an einer Schizophrenie erkranken, lässt sich nicht vorhersagen. Die Studie kann außerdem nicht ausschließen, dass andere Faktoren eine Rolle spielen. Denkbar ist beispielsweise, dass der Cannabiskonsum auf eine genetische Prädisposition zur Psychose bei der Mutter hinweist, die sie dann an ihr Kind vererbt hat.

Interessanterweise hatte ein Cannabiskonsum der Mutter keinen Einfluss auf das Psychoserisiko, wenn er auf die Zeit beschränkt war, als die Frauen noch nicht wussten, dass die schwanger waren. Bogdan erklärt dies mit der fehlenden Bildung von Cannabis-Rezeptoren in den ersten Schwangerschaftswochen. Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass Frauen spätestens nach einem positiven Schwangerschaftstest den Cannabiskonsum einstellen sollten, um sicherzugehen, dass sie ihrem Kind keinen Schaden zufügen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 2. April 2019, 01:11

Die Frage ist

Was misst dieser "Test"? Wie valide sind die Ergebnisse? Wo liegt der "Cut-off"? Sensitivität? Spezifität? Was bedeutet die "Signifikanz" unterhalb des Cut-off?
Ein jamaikanische Untersuchung der Entwicklung von Kindern Cannabis konsumierender Mütter ergab jedenfalls keine kognitive Abweichungen bei der Einschulung!
Hier:
http://www.mmcri.org/ns/wp-content/uploads/2015/07/MAY-Screening-Letter-and-Tool.pdf
ist eine genaue Beschreibung des Verfahrens. Ein Score von 6 Punkten oder mehr ergibt eine Sensitivität von 88% bei einer Spezifität von 95%. Jeder Versuch, die Sensitivität zu erhöhen, führt zu einem dramatsichen Verlust an Spezifität.
Insgesamt also eine ungeheure Fleißarbeit mit einem unbrauchbaren Ergebnis: ob die gemessenen Scores eine Bedeutung haben, ist völlig offen - Signifikanz hin oder her
Bitte nicht immer wieder fragwürdige Ergebnisse solcher Untersuchungen ohne Mitteilung der Basisdaten veröffentlichen!
Die Recherche bei Google zum durchgeführten Test dauerte zwei Minuten - zuviel für einen DÄ-Redakteur?
LNS

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