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Bonner Forscher suchen Risikoscore für postoperatives Delir

Donnerstag, 28. März 2019

/sudok1, stock.adobe.com

Bonn – Forscher der Universitätsklinik Bonn arbeiten an einem Indikator, um Patienten, die nach einer Operation das postoperative Delir (POD) entwickeln, frühzeitig zu identifi­zieren. Mehr als die Hälfte der OP-Patienten in der Klinik sind 60 Jahre oder älter. Den Wissenschaftlern zufolge ist das POD die häufigste Komplikation dieser Patienten.

Das POD gefährde nachhaltig den Behandlungserfolg und führe sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit, sagte Jan Menzenbach, Leiter der Anästhesieambulanz an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn. In Folge eines Delirs könne selbstgefährdendes Verhalten zu Wundinfekten oder gar Knochenbrü­chen führen. Zudem steige bei fehlender Mitwirkung der Patienten durch Bettlägerigkeit die Gefahr, eine Lungenentzündung zu erleiden. In der Beobachtungsstudie PROPDESC schließen die Bonner Ärzte binnen zwölf Monaten 1.000 operative Patienten des Universitätsklinikums ein, die 60 Jahre und älter sind.

Laut den Forschern sind Faktoren bekannt, die das Delir begünstigen können, zum Beispiel Einschränkungen von Gedächtnis, Konzentration und Wahrnehmung sowie mehrere Begleiterkrankungen und Einnahme von vielen Medikamenten. Im Augenblick würden diese aber nicht strukturiert zur Vorhersage eines Delir-Risikos genutzt. „Kennen wir die Hochrisiko-Patienten aber, dann können wir uns auf sie konzentrieren und im Idealfall das Delir verhindern oder seine Länge reduzieren – und so auch die Langzeit­folgen“, erläuterte Maria Wittmann, Leiterin der klinischen Studien an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn.

Ein 18-köpfiges Team der Anästhesie am Universitätsklinikum Bonn wird die im Rahmen der OP-Vorbereitung in der Anästhesieambulanz erhobene Routine-Daten und den Be­handlungsverlauf von Patienten erfassen. Da ältere Patienten mit Einschränkungen von Gedächtnis und Orientierung besonders Delir gefährdet sind, werden diese Fähigkeiten getestet und Angehörige diesbezüglich befragt.

Eine Patientenbefragung nach sechs Monaten rundet die Studie ab. Als Ergebnis wird von den Studienleitern ein Messinstrument (Score) zur Vorhersage eines POD-Risikos ange­strebt. „Im folgendem sollen unsere Erkenntnisse Grundlage für ein verbessertes Delir-Management durch geeignete Prophylaxe und Therapie sein“, erläutert Menzenbach, der bereits eine entsprechende Interventionsstudie plant. © hil/aerzteblatt.de

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