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500.000 Euro Schmerzensgeld: Bundesgerichtshof bestätigt Urteil gegen Hausarzt

Donnerstag, 28. März 2019

/Swapan, stockadobecom

Celle/Karlsruhe – Ein Hausarzt muss wegen einer grob fehlerhaften Behandlung mit Solu-Decortin und Diclofenac bei einem Patienten mit akuten Rückenschmerzen eine halbe Million Euro Schmerzensgeld an die Witwe des Patienten und ihre drei Kinder bezahlen. Ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Lüneburg ist jetzt rechtskräftig gewor­den, wie das Oberlandesgericht (OLG) Celle heute mitteilte. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe eine Beschwerde des Arztes gegen die Nichtzulassung der Revision durch die Richter in Celle zurückgewiesen (Az.: VI ZR 355/18, Beschluss vom 12. März).

Wegen akuter Rückenschmerzen aufgrund langjährig bestehender Bandscheibenschäden waren einem 50-jährigen Patienten von dessen Hausarzt binnen einer Woche viermal die Präparate Solu-Decortin und Diclofenac gleichzeitig in die Gesäßmuskulatur injiziert worden. Einige Stunden nach Verabreichung der vierten Spritze kollabierte der Patient zu Hause. Er wurde mit Schüttelfrost, Atemschwierigkeiten und Schmerzen als Notfall im Krankenhaus aufgenommen, wo er sofort intensivmedizinisch behandelt wurde.

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Auslöser des erlittenen Kollapses war ein schwerer septischer Schock, der ein multiples Organversagen und schließlich dauerhaft eine weitgehende Körperlähmung bei dem Patienten bewirkte. Ursache der Sepsis war – wie sich später herausstellte – ein Sprit­zenabszess. Das septische Infektionsgeschehen war für die Ärzte dem Gericht zufolge im Krankenhaus nicht zu beherrschen.

Es schloss sich ein mehr als ein Jahr andauernder Leidensprozess an, wäh­rend dessen der Patient ohne Aussicht auf eine Besserung dauerhaft künstlich beatmet werden musste und weitgehend gelähmt blieb. Am Ende stand der ärztlich begleitete Suizid des Patien­ten, der seinen Sterbewunsch über Monate hinweg geäußert und diesen auch in Ethikge­sprächen mit den behandelnden Ärzten bekräftigt hatte.

Die Witwe und ihre Kinder hatten den Hausarzt, der die Spritzen verabreicht hatte, darauf­hin vor dem Landgericht Lüneburg wegen eines Behandlungsfehlers auf Zahlung von Schmerzens­geld verklagt. Das Landgericht Lüneburg (Az. 2 O 157/16) wertete die ärztliche Behandlung damals als grob fehlerhaft und verurteilte den Hausarzt zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 500.000 Euro. Nach Überzeugung des durch einen medizinischen Sachverständigen beratenen Landgerichts widersprach die intramuskuläre Injektion der beiden Präparate sowohl dem fachlichen medizinischen Standard als auch den gängigen Leitlinienempfehlungen.

Die gegen dieses Urteil von dem Hausarzt eingelegte Berufung blieb erfolglos. Der für Arzthaftungssachen zuständige 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (Az. 1 U 71/17) hatte die Berufung durch Beschluss vom 10. August 2018 als unbegründet zurückgewiesen. In einem vorausgegangenen Hinweisbeschluss hatte der Senat ausge­führt, dass die Ent­scheidung des Landgerichts rechtsfehlerfrei sei.

Mit Recht habe das Landgericht auf der Grundlage des überzeugenden Sachverständi­gengutachtens die Injektion der konkret verabreichten Medikamente als einen groben Behandlungsfehler gewertet. Es komme auch nicht darauf an, ob der Patient vor Verab­reichung der Injektionen in diese eingewilligt habe, weil eine kontraindizierte Behand­lung nicht durch eine Einwilligung gerechtfertigt werden könne.

Dass der dramatische Krankheitsverlauf ungewöhnlich und nicht vorhersehbar gewesen sei, stehe der Haftung des Hausarztes ebenfalls nicht entgegen. Die von dem Hausarzt eingelegte Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision hat nun der BGH zurück­gewiesen (Az. VI ZR 355/18). Das Urteil ist damit rechtskräftig.

© may/dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 30. März 2019, 22:58

Soweit bekannt

gelten im-Injektionen mit NSAR mit oder ohne Zumischung von Steroiden schon lange als obsolet und kunstfehlerhaft. Schon vor Jahren wurde ein Arzt in Bayern verurteilt, obwohl er vor der Injektion den ausdrücklichen Wunsch des Patienten samt Unterschrift vorlegen konnte. Das Gericht unterstellte damals,er hätte dem Wunsch des Patienten trotz der Einwilligung nicht nachkommen dürfen.
Also: Opioide und Relaxanzien oral oder parenteral sind ok, auch Steroide + Metamizol p.i. NSAR sind kunstfehlerhaft.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 30. März 2019, 22:58

Soweit bekannt

gelten im-Injektionen mit NSAR mit oder ohne Zumischung von Steroiden schon lange als obsolet und kunstfehlerhaft. Schon vor Jahren wurde ein Arzt in Bayern verurteilt, obwohl er vor der Injektion den ausdrücklichen Wunsch des Patienten samt Unterschrift vorlegen konnte. Das Gericht unterstellte damals,er hätte dem Wunsch des Patienten trotz der Einwilligung nicht nachkommen dürfen.
Also: Opioide und Relaxanzien oral oder parenteral sind ok, auch Steroide + Metamizol p.i. NSAR sind kunstfehlerhaft.
Avatar #21200
naujoksbernd
am Samstag, 30. März 2019, 07:15

Sind im-Medikamente garnicht mehr möglich?

In diesem Zusammenhang wäre das Gutachten, dass prozessentscheidend war, sehr interessant. Ist jetzt jede/nahezu jede im- Injektion ein grober Behandlungsfehler? Können wir auf einem Link den Gutachtentext einsehen. Wenn Sie das möglich machen könnten wäre das hilfreich? Vielen Dank,
LNS
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