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Politik

Krebspatienten werden in zertifizierten Zentren besser versorgt

Donnerstag, 28. März 2019

/sukiyashi, stock.adobe.com

Berlin – Das Gesamtüberleben von Darmkrebspatienten an zertifizierten Darmkrebszent­ren ist deutlich höher als an nicht zertifizierten Zentren. Dies hat Thomas Seuffer­lein, Vize­präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), heute in Berlin zum Start des Kongresses „Quality of Cancer Care“ betont. „Wir haben viel gefühlte Qualität in Deutschland, aber die Fortschritte durch die Zertifi­zierung der onkologischen Zentren lassen sich mittlerweile mit Daten belegen“, sagte er.

Dabei verwies der Internist auf eine retrospektive Kohorten­studie des klinischen Krebs­registers Regenburg von 2018 sowie auf eine populations­basierte Kohortenstudie mit Daten der AOK Sachsen. Beide zeigten, dass die Implementierung evidenzbasierter Qualitäts­standards in der Darmkrebs­versorgung positive Auswirkungen auf patientenre­levante klinische Endpunkte habe.

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Mittlerweile hat die Deutsche Krebsgesellschaft mehr als 1.000 Zentren in mehr als 440 Krankenhäusern zertifiziert. Es handelt sich dabei um interdisziplinäre Versorgungs­netz­werke, in denen alle relevanten ärztlichen Fachrichtungen eng zusammenarbeiten und sich freiwillig strengen Qualitätskontrollen unterziehen, die den Empfehlungen der aktuell geltenden onkologischen Leitlinien entsprechen.

Somit habe man bundesweit viel Erfahrung in der Qualitätsanalyse und -entwicklung der Krebsversorgung sammeln können, sagte Seufferlein. Seit Einführung der Zertifizierung im Jahr 2003 arbeiteten Ärzte und andere in die Versorgung von Krebspatienten einge­bundene Berufsgruppen an der Umsetzung möglichst hoher Standards in Diagnostik, Therapie und Nachsorge.

Pilotprojekt zur Zweitmeinung startet im April

Doch nicht alle Krebspatienten werden an DKG-zertifizierten Zentren behandelt. Derzeit seien das nur etwa 40 Prozent der Menschen mit der Erstdiagnose Krebs in Deutschland, erklärte Thorsten Schlomm von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Deshalb sei es wichtig, dass diejenigen, die außerhalb von zertifizierten Zentren behandelt würden, die Möglichkeit erhielten, eine qualifizierte Zweitmeinung durch ein interdisziplinär besetz­tes Tumorboard einzuholen.

Etwa 140 DKG-zertifizierte Darm- und 40 Prostatakrebszentren wollen deshalb ab April auf einem Portal des Gesundheitsdienstleisters HMO ihre Expertise zur Verfügung stellen (www.krebszweitmeinung.de). Das Portal vermittele den Kontakt zu den DKG-zertifizier­ten Zentren und übernehme die organisatorische Betreuung der Ratsuchenden beim Ein­holen der Zweitmeinung, erläuterte Schlomm.

Die Betroffenen könnten zwischen der Beurteilung ihres Falls nach Aktenlage oder einer zusätzlichen persönlichen Vorstellung an einem zertifizierten Zentrum wählen. Die DKG wird diesen Zeitmeinungsservice im Rahmen eines Pilotprojekts durch eine wissenschaft­liche Evaluation begleiten.

„Wir freuen uns, dass Patientinnen und Patienten künftig auf die zertifizierten Zentren als qualifizierte Zweitmeinungsgeber zurückgreifen können und hoffen dabei sehr auf eine breite Unterstützung durch die Krankenkassen“, sagte der Urologe. Zwar würden einige Kassen derzeit eine ärztliche Zweitmeinung bei Krebspatienten erstatten, eine gesetzli­che Verpflichtung für eine Kostenübernahme bestehe bei onkologischen Indikationen jedoch nicht.

Den Kongress „Quality of Cancer Care“ veranstalten die DKG und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) alle zwei Jahre. Auch am 28. und 29. April in Berlin steht wiederrum die Qualität der onkologischen Versorgung und eine Verknüpfung aller wichtigen Themen im Mittelpunkt, und zwar von der onkologischen Leitlinie über die Zertifizierung und Dokumentation bis hin zu klinischen Studien sowie der Versorgungs­forschung. © ER/aerzteblatt.de

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