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Rhön will von Lockerung der Fernbehandlung profitieren

Freitag, 29. März 2019

Rhön-Klinikum-Campus in Bad Neustadt /dpa

Bad Neustadt – Die Rhön Klinikum AG setzt für die kommenden Jahre verstärkt auf die Tele­medizin. Diese werde „ein neuer, wichtiger Baustein für die Komplettierung des Campus-Konzepts“ des Klinikums, sagte Stephan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, heute anlässlich der Jahresbilanz für das vergangene Jahr. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Ausland rechne er damit, dass zukünftig circa 30 Pro­zent der ambulanten Patientenfälle bereits über Telemedizin patientengerecht versorgt werden könnten. „Aber auch losgelöst davon hat die Telemedizin das Potenzial, sich zu einem zweiten wichtigen Standbein für unser Unternehmen zu entwickeln“, so Holzinger.

Mit dem Campus Bad Neustadt, dessen 1. Bauabschnitt Anfang Dezember 2018 nach gut dreijähriger Bauzeit eingeweiht wurde, setzt Rhön auf die Ambulantisierung der Medizin. Zum Jahreswechsel 2018/2019 war der Umzug der verschiedenen Kliniken auf den Campus abgeschlossen worden. Das Zentrum für klinische Medizin soll sowohl die zentralen Bereiche der medizinischen Grundversorgung als auch sehr komplexe und schwierige Krankheitsfälle im Bereich der Herzmedizin, der Neurologie oder auch der spezialorthopädischen Chirurgie abdecken.

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Der neue Campus werde sowohl von Patienten als auch von Zuweisern gut angenommen, hieß es heute von Rhön. Der Versorgungsansatz setzt auf eine fachübergrei­fende Zu­sammenarbeit der Kliniken mit niedergelassenen Ärzten und Gesundheitsdienst­leis­tern, auf Basis moderner IT und intelligenter digitaler Instrumente. 2019 soll der Start des zweiten Bauabschnitts erfolgen. Geplant ist unter anderem ein ambu­lantes operatives Zentrum. Die Investitionen für den ersten und zweiten Bauabschnitt am Standort Bad Neustadt belaufen sich Rhön zufolge auf rund 250 Millionen Euro, die aus Eigen­mitteln finanziert werden.

Profitieren will Rhön auch von der Lockerung des ausschließlichen Fernbehandlungs­verbots in Deutschland. „Mit dem 2019 geplanten Einstieg in den Zukunftsmarkt der Telemedizin, also der Behandlung von Patienten per Telefon, Video und Formularen, er­schließt die Rhön-Klinikum AG einen zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt“, schreibt das Unternehmen. Anfang Januar hatte Rhön die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft mit dem Schweizer Telemedizinanbieter Medgate bekanntgegeben. Mit ihrem teleme­dizinischen Angebot will Rhön nach eigenen Angaben helfen, „die wachsenden Ver­sor­gungslücken insbesondere in ländlichen Regionen zu schließen“.

„Die neue Gesellschaft hat das Potenzial, sich zu einem wichtigen zweiten Geschäftsfeld zu entwickeln. Dies ist eine sinnvolle Ergänzung unseres etablierten Krankenhausge­schäfts“, so Rhön. An der neuen Gesellschaft hält Rhön mit 51 Prozent die Mehrheit. Darüber hinaus sind weitere Kooperationen mit Medgate geplant.

Hintergrund der neuen Möglichkeiten in der Fernbehandlungen ist ein Beschluss des 121. Deutschen Ärztetags. Dieser hatte mit großer Mehr­heit einer Änderung der ärztlichen (Muster-)Berufsordnung (MBO-Ä) zugestimmt und das bisher geltende berufsrechtliche Verbot der aus­schließlichen Fernbehandlung gelockert.

Künftig sollten demnach eine Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien auch ohne persönlichen Erstkontakt „im Einzelfall“ erlaubt sein, „wenn dies ärztlich ver­tretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird“, so der neue Wortlaut des Paragrafen 7 Absatz 4 MBO-Ä.

Fernbehandlung: Weg frei für die Telemedizin

Der Ärztetag hat das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert. Ärzte können künftig ihre Patienten ohne vorherigen persönlichen Erstkontakt ausschließlich telefonisch oder per Internet behandeln – ein klares Votum für den Ausbau der Telemedizin. Mit großer Mehrheit haben die Delegierten des 121. Deutschen Ärztetages einer Änderung der ärztlichen (Muster-)Berufsordnung (MBO-Ä) [...]

Die Lan­des­ärz­te­kam­mern müssen aber selbst entscheiden, ob sie die Empfehlung in ihre Berufsordnung übernehmen – oder andere Formulierungen und Regelungen treffen. Ge­gen die ausschließliche Fernbehandlung ausgesprochen haben sich die Ärztekammern in Brandenburg und im Saarland. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern stehen end­gül­tige Entschei­dungen noch aus. In Baden-Württemberg ist die ausschließliche Fernbe­hand­lung nur in genehmigten Projekten gestattet. Die anderen Ärztekammern haben die Änderung entsprechend der Empfehlungen des Ärztetags umgesetzt. Schleswig-Holstein hat eine weitergehende Regelung getroffen.

Ziel der Lockerung ist es im Kern, die Telemedizin in Deutschland zu fördern. Mit der Än­derung der Berufsordnung reagieren die Ärzte damit auch auf den dramatischen Wandel durch die Digitalisierung, der längst die Medizin und die Gesundheits­versorgung erreicht hat. Inzwischen bieten immer mehr Unternehmen medizinische Beratung online an – häufig aus dem Ausland und damit der hiesigen Rechtsaufsicht entzogen.

Über Entwicklung besorgt

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) hatten sich zuletzt besorgt über Entwicklungen auf dem neuen Markt gezeigt, wie sie kürzlich in einem gemeinsamen Positionspapier von KBV und, bis auf Thüringen, allen KVen erklärt hatten.

Hintergrund für die Positionierung ist aus Sicht der KBV und KVen, dass derzeit erste Unternehmen und Start-ups unterschiedlicher Größe auf den Markt drängten, um im Gesundheitswesen neue, in der Regel onlinebasierte Dienstleistungen, die sich direkt an die Patienten richten, anzubieten. Diese witterten „lukrative Geschäftsmodelle“, um den Patienten, die als Kunden gesehen werden, Versorgungsleistungen anzubieten, hieß es von KBV und KVen. © may/aerzteblatt.de

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