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Medizin

USA: Erneuter Anstieg von Erkrankungen durch Enterovirus D68

Montag, 1. April 2019

Enterovirus D68 /dpa

Atlanta – Im letzten Jahr wurde an nur 7 Zentren in den USA bei fast 2.500 Kleinkindern der Erreger Enterovirus D68 nachgewiesen, der im Verdacht steht, neben Atemwegsinfektionen auch akute schlaffe Lähmungen wie bei der Polio auslösen zu können. Dies geht aus einem Bericht im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR; 2019; 68: 277-280) hervor.

Das Enterovirus (EV) D68 ist eines von etwa 100 Enteroviren, zu denen auch das Poliovirus gehört. EV D68 wurde 1962 in Kalifornien entdeckt und galt lange als seltener Erreger von einfachen Atemwegserkrankungen. Im Jahr 2014 kam es dann in mehreren US-Staaten zu einer Häufung von schweren Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig nahm die Zahl von akuten schlaffen Lähmungen zu, die klinisch einer Poliomyelitis ähnelten. Bei einigen dieser Kinder wurde ebenfalls EV D68 nachgewiesen. Seither steht das Virus im Verdacht, Auslöser einer polioähnlichen Erkrankung zu sein.

Die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben nach der „Epidemie“ von 2014 eine aktive Surveillance eingerichtet. An 7 Kliniken, die sich zum New Vaccine Surveillance Network zusammengeschlossen haben, werden jährlich von Juli bis Oktober alle Kinder, die wegen einer akuten Atemwegserkrankung in der Notfallambulanz behandelt werden, auf EV D68 getestet. Nachdem im Jahr 2017 unter 2.433 Kindern nur 2 Fälle (0,08 %) gefunden wurden, stieg die Zahl der Infektionen im Sommer 2018 auf 358 von 2.579 Kindern (13,9 %). Die Kinder waren median 3 Jahre alt (1 Monat bis 17 Jahre).
Gleichzeitig ist es landesweit wie zuletzt im Jahr 2014 zu einer Zunahme von akuten schlaffen Lähmungen (AFP) gekommen. Die Zahl stieg von 35 in 2017 auf 223 im Jahr 2018, wobei der Gipfel im September erreicht wurde. Diese zeitliche Assoziation hat zu der Vermutung geführt, dass EV D68 auch für die AFP verantwortlich sein könnte. Bewiesen ist dies jedoch nicht und bisher wurde nur bei einem Teil der AFP-Patienten EV D68 nachgewiesen.

Auch in Großbritannien und Norditalien ist es im letzten Jahr zu einem Anstieg der AFP-Fälle gekommen. In Großbritannien wurden im letzten Jahr 40 AFP-Fälle gemeldet mit einem Erkrankungsgipfel im Oktober. Wie eine neu eingerichtete United Kingdom Acute Flaccid Paralysis Task Force kürzlich berichtete, wurden bei 15 Patienten Enteroviren nachgewiesen, von denen 9 zum Subtyp EV D68 gehörten (EuroSurveillance 2019; 24: 1900093). In der Lombardei wurde an einem tertiären Behandlungszentrum zwischen September und Oktober 2018 insgesamt bei 21 Kindern mit akuten Atemwegserkrankungen EV D68 nachgewiesen. Die Patienten, neben Kindern auch ältere Erwachsene, erkrankten jedoch nicht an einer AFP (EuroSurveillance 2019; 24: 1900090).

© rme/aerzteblatt.de

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